Händler fordern Öffnung

»Einige von uns bleiben bald für immer zu«

Vier Teilnehmer der Protest-Aktion vor Bekleidungsgeschäft in Sonthofen
+
Die Einzelhändler der Kreis- und Alpenstadt Sonthofen sowie Vorstandsmitglieder regionaler Handelsverbände, Stadträte und der Erste Bürgermeister Christian Wilhelm weisen mit einer Plakataktion auf die Missstände des aktuellen Infektionsschutzgesetzes hin.

Oberallgäu – Die Einzelhändler im Oberallgäu haben genug von dem andauernden Auf und Zu. Sie fühlen sich als Spielball eines Wertes, der auch nach Ansicht von Fachleuten nicht der alleinige Parameter für Schließungen sein darf. Oberallgäuer Handelsorganisationen machen nun mit einer gemeinsamen Plakat-Aktion auf den Missstand des aktuellen Infektionsschutzgesetzes aufmerksam.

Es gebe politische Entscheidungen, die seien nicht mehr nachvollziehbar, sind sich viele Händler und auch Kunden einig. Den Inzidenzwert als alleinigen Indikator für Schließungen einzusetzen empfinden die Händler nicht nur als unsinnig, sondern auch als rechtswidrig. „Warum sollten sich Menschen in Baumärkten, im Buchhandel und in Lebensmittelgeschäften stärkeren Gefahren aussetzen wie beispielsweise in einem Schuhgeschäft?“, so die Kritik der Verbände. Der Handel hat ein umfangreiches Hygiene- und Sicherheitskonzept ausgearbeitet und darf dennoch nicht öffnen. Sie fordern: „So kann und darf es nicht weitergehen.“

700 gelbe Plakate zieren an vielen Geschäften im südlichen Oberallgäu seit Samstag die Auslagen und Schaufenster. Darauf zu lesen: „Wir machen AUFmerksam, dass der Inzidenzwert der falsche Parameter für Schließungen ist und wir trotz ausgearbeiteten Sicherheitskonzepten nicht öffnen dürfen.UND somit bleiben einige von uns bald für immer ZU. Jetzt muss sich was ÄNDERN.“

Die Initiative des Oberallgäus erlangte überregionale Aufmerksamkeit. „In ganz Deutschland stehen viele Einzelhändler vor dem Aus. Über das Wochenende trafen zahlreiche Anfragen zur Unterstützung und Verwendung des Plakates aus ganz Deutschland bei der Wirtschaftsvereinigung ASS e.V. ein. Die Solidarität im Land mit der Aktion scheint ungebrochen zu sein“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Teilnehmer der Aktion fordern deshalb eine flächendeckende Öffnung des Einzelhandels unter Einhaltung strikter Hygiene- und Abstandskonzepte. Sie befürchten ansonsten eine große Pleitewelle. Zusätzlich zu den Schließungen kritisieren die Teilnehmer, dass die angekündigten staatlichen Hilfszahlungen nur schleppend oder gar nicht bei den betroffenen Einzelhändler ankommen würden.

An der Aktion, welche von der Wirtschaftsvereinigung ASS e.V. aus Sonthofen initiiert wurde, beteiligen sich auch die Handelsorganisationen aus Oberstdorf, Immenstadt, Bad Hindelang und Oberstaufen. Auch die Oberallgäuer Einzelhändler und Gastronomen ohne eigene Händlervertretung unterstützen den eindringlichen Appell an die bayerische Politik.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Corona-Ticker Oberallgäu: Aktuelle Inzidenzwerte und Meldungen
Corona-Ticker Oberallgäu: Aktuelle Inzidenzwerte und Meldungen
Polizei kontrolliert Wildcamper im Oberallgäu
Polizei kontrolliert Wildcamper im Oberallgäu
Corona "Drive-In" in Sonthofen und Kempten öffnen wieder
Corona "Drive-In" in Sonthofen und Kempten öffnen wieder
Die Starzlachklamm in Sonthofen ist wieder geöffnet
Die Starzlachklamm in Sonthofen ist wieder geöffnet

Kommentare