Ende der Hängepartie - Gemeinderat macht Bahn frei für "Panoramabahn"

Martin Riezler (rechts) von der Bürgerinitiative übergab zusammen mit Vertretern des Landschaftsschutz Kleinwalsertal und des Alpenvereins über 1000 Unterschriften wahlberechtigter Bürger im Tal gegen die Verbauung des Alpbords und die Panoramabahn an Bürgermeister Andi Haid (links). Foto: Heinrich Bonert

Die Pläne der Kleinwalsertaler Bergbahnen (KBB) haben im Gemeinderat eine wichtige Hürde genommen. Die Gemeindevertreter beschlossen nach monatelanger Hängepartie mit 14 zu 10 Stimmen, dass am Bau einer Panoramabahn vom Ifengebiet zum Walmendinger Horn ein „öffentliches Interesse“ besteht. Damit ist für die KBB der Weg frei, entsprechende Genehmigungsanträge einzureichen. Zuvor gab es monatelange Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern, die die öffentliche Meinung im Tal spaltete (der KREISBOTE berichtete). So sehen die Befürworter in den Plänen eine wichtige Infrastrukturmaßnahme für den Wintertourismus, um die seit Jahren rückläufigen Übernachtungszahlen wieder zu steigern. Während die Kritiker gerade im Erhalt von Natur und Landschaft das größte Kapital für den Tourismus sehen.

Seit Bekanntgabe der Pläne Ende 2010 erregt das Thema die Gemüter. Vor allem die Verbauung des so genannten Alpbords mit Seilbahnstationen und Gastronomie und die Verbindungsbahn über das Schwarzwassertal sind umstritten. Noch im August vorigen Jahres hatte das Gemeindegremium zwar einer Erneuerung der Ifenlifte zugestimmt, den Bau der Panoramabahn aber vorerst auf Eis gelegt. Die Gemeinderäte favorisierten stattdessen eine Verbindung zwischen der Ifen-Talstation und dem Heuberg, um die Skigebiete zu verbinden. Die KBB sah allerdings ihre Pläne als alternativlos und nur in der Verwirklichung des Gesamtkonzeptes eine wirtschaftlich tragbare Lösung. So blieben die Fronten verhärtet – der Versuch des Gemeinderates, eine Kompromisslösung zu finden, war gescheitert. Die KBB warb weiter für ihr Konzept. Die Gegner machten mobil – unter Anderem in einem Berggottesdienst am Ifengipfel und einer Unterschriftensammlung. Naturschützer demonstrierten auf deutscher Seite an der B 19 gegen eine drohende Zunahme des Tagesausflugsverkehrs. Zuletzt bot eine Investorengruppe um die Hotelierfamilie Haller an, die Ifenbahn zu kaufen, zu modernisieren und die von der Gemeinde angestrebte talnahe Verbindung zu realisieren. Auf die Bebauung des Alpbords und die Panoramabahn würde man verzichten. Ein Verkauf der Ifenbahn wurde von der KBB umgehend abgelehnt. Vor der Gemeinderatssitzung übereichten Befürworter und Gegner Bürgermeister Andi Haid noch jeweils über 1000 Unterschriften Walsertaler Bürger. Nachdem die KBB ihre Pläne (vor allem den Bau der Panoramabahn auf 2014 vorzuziehen) in einem ergänzenden Antrag eingebracht hatte, kam es am Montag zu der mit Spannung erwarteten Sitzung der Gemeindevertretung. Bürgermeister Andi Haid sprach sich „nach langen Überlegungen“ für den Bau der Panoramabahn aus. Er sieht in der Modernisierung des Ifengebietes und den beiden Verbindungen zum Walmendingerhorn und zum Heuberg „einen Gewinn für das Kleinwalsertal und ein klares Signal für die Zukunft“. In der Sitzung wurden im vollbesetzten Saal des Walserhauses in Hirschegg die bekannten Positionen Pro und Kontra noch einmal ausgetauscht. Einerseits der Schutzstatus des Gebietes, die Angst dem Sommertourismus zu schaden und Bedenken wegen des Ausflugverkehrs. Anderseits „wirtschaftliche Impulse für das Tal“, ein „positives Gesamtkonzept“ und die Hoffnung auf einen touristischen Aufschwung. Auch über die Möglichkeit eines Bürgerentscheids wurde gesprochen. Mit einer Mehrheit von 14 zu 10 Stimmen bekundete die Gemeindevertretung mit verschiedenen Maßnahmen und Auflagen das „öffentliche Interesse“ an der Umsetzung des Konzeptes der KBB. Weiter sieht der Beschluss eine Reduzierung von 200 Winterparkplätzen und eine Ausführung der Ifenbahn mit paralleler Seilführung (zuvor war eine Dreieckslösung geplant) vor. Da die Gemeinde dazu finanziell nicht in der Lage ist, soll eine Verbindungsbahn zum Heuberg ebenfalls von der KBB im ersten Bauabschnitt umgesetzt werden. Anne Riedler, Geschäftsführerin von Kleinwalsertal Tourismus, sieht in der Entscheidung „einen wichtigen Schritt für die touristische Entwicklung des Tals“. Die Gegner des Projektes hatten mit einem aus ihrer Sicht negativen Ergebnis gerechnet und sehen in der knappen Abstimmung einen Erfolg. Sie sehen genug Rückhalt in der Bevölkerung, um den Widerstand gegen die Bergbahnpläne aufrecht zu erhalten.

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