Sonthofer Ingenieur entwickelt und baut Schulküchen in Uganda

Hilfe zur Selbsthilfe

Sonthofen – Florian Knaus, Maschinenbau-Ingenieur aus Sont­hofen bildet seit mittlerweile vier Jahren Handwerker und Frauengruppen im Bau von Energiesparöfen im ostafrikanischen Raum aus. Bei richtiger Benutzung sparen diese Öfen bis zu 70 Prozent Feuerholz ein.

Eine notwendige Maßnahme, da durch die Waldrodung die Regenzeiten seit ungefähr zwei Jahren, fast komplett ausbleiben. Ostafrika steuert auf eine große Dürre und somit eine schlimme Hungerkatastrophe zu, so Knaus. Die Bevölkerung muss dringend ihre Waldbestände aufforsten.

Aber noch viel wichtiger, die Lehmöfen schützen die Frauen und vor allem deren Kinder vor dem gefährlichen Rauch. Nach neusten Erkenntnissen der WHO stirbt alle acht Sekunden ein Mensch an Folgeerkrankungen des Rauchs. Überwiegend Frauen und Kinder, die einen Großteil ihres Tages in den Küchen verbringen. Eine Stunde im Rauch ist vergleichbar mit dem Konsum von 400 Zigaretten. Die traditionellen Kochstellen töten dadurch mehr Menschen als TB, HIV und Malaria zusammen.

Grund genug für Knaus, den gefährlichen Feuerstellen den Kampf anzusagen. Dafür hat er eigens 2016 einen nicht eingetragenen Verein gegründet. „Es kommen immer mehr Anfragen von kleinen bis mittleren Hilfsprojekten in Afrika, aber auch im südamerikanischen Raum. Bisher habe ich alle meine Einsätze ehrenamtlich durchgeführt, und die Reise- und andere Kosten durch Spenden finanziert“ so Knaus. „Mittlerweile ist das Projekt so gefragt, dass ich fast das gesamte Jahr im Ausland unterwegs bin“. So auch in Uganda, von wo er gerade zurückkommt. „Vor drei Jahren wurde ich von einem Partnerschaftsprojekt in Tansania gebeten, einen speziellen Ofen für Schulen und andere Institute zu entwickeln“, erzählt der 30-jährige. „Mit vielen Ideen im Kopf bin ich dann nach Tansania gefahren und habe dort einen Lehmofen entwickelt, der Töpfe mit einem Fassungsvermögen von 100 Litern und mehr erwärmen kann. Heute sind zehn Schulen mit je einem dieser Öfen ausgestattet und bitten um weitere Öfen.“

Durch die vielen Reisen, und den Besuch unterschiedlicher Orte auf der ganzen Welt konnte Knaus viele Ideen und Wissen über Lehmbau und andere Materialien sammeln, und die Schulöfen in den letzten beiden Jahren stetig weiterentwickeln. Anfang 2017 trat dann der Verein „Rwenzori e.V“ an ihn heran, mit der Bitte eine ganze Schulküche, inklusive Koch- und Catering-Schule, zu bauen. Gemeinsam mit lokalen Handwerkern hat der Ingenieur in nur sechs Wochen ein komplettes Koch- und Ausbildungszentrum am Fuße des Rwenzori Gebirges in Uganda errichtet. Dieses beinhaltet vier große Kochstellen, sowie ein Klassenzimmer mit sechskleineren Energiesparöfen. Auch eine neue Essensausgabe und mehrere Arbeitsstationen entstanden.

„Als wir die Öfen das erste Mal getestet haben, war ich selbst von der Effizienz meiner Technologie überrascht. Wir erwärmten einen 200 Litern sowie einen 50-Liter-Topf und benötigten dafür nicht einmal 10 Kilogramm Holz. Dabei arbeiteten die Öfen doppelt so schnell wie die traditionelle Kochstelle. Außerdem speichert der Lehmofen genug Hitze, um das Wasser für weitere 1,5 Stunden zu kochen ohne Feuerholz nachzulegen.“ Durch die neuen Öfen können die hohen Kosten für Feuerholz gesenkt werden, was sich auch direkt auf die Schulgebühren auswirken wird.

Während seines achtwöchigen Aufenthalts in Ostafrika reiste Knaus zusätzlich noch für zwei Wochen ins Hochland Südtansanias, wo er die Gründung eines Ofenbauunternehmens vorantrieb. „Vor fünf Jahren habe ich mit Julio Myamba, einem einfachen Handwerker aus einer sehr ländlichen Gegend Tansanias, mein Ofenbauprojekt begonnen. Seitdem haben wir oft zusammengearbeitet und viele Öfen gebaut.“ Knaus konnte erreichen, dass die von Myamba neu gegründete Firma, einen Vertrag von der Firma Unilever, die dort große Teeplantagen betreibt, für den Bau von 1700 Lehmöfen erhält. Bis zum Ende diesen Jahres werden in der Region 350 Öfen pro Monat gebaut. Ein Projekt, dass sich maßgeblich auf die Region und die Bevölkerung auswirken wird. Knaus ist mittlerweile zurück nach Deutschland gekehrt, plant aber schon wieder die nächste Projektreise. Teil davon soll die Gründung einer NGO (Non govermental Organization) in Uganda sein, um den gesamten ostafrikanischen Raum mit seinen Lehmöfen versorgen zu können.

Falls sie Florian Knaus und seine Organisation „EnergySavingStoves“ unterstützen wollen, können sie an folgendes Konto spenden: Energy Saving Stoves, Betreff „Ofenbau“ und die Adresse des Spender. 

IBAN: DE81 7336 9920 0000 9688 54 

BIC: GENODEF1SFO.

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