Noch besser lenken

Erfolgsmodell »Besucherlenkung« soll schlagkräftiger werden

Zahlreiche Ausflügler auf einem Gipfel im Winter
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Keine Ruhe und kaum Platz auf den beliebtesten Gipfeln – der Druck auf die Allgäuer Naherholungsziele hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Oberallgäu – Eine Ausweitung des Erfolgsmodells „Besucherlenkung im Naturpark Nagelfluhkette“ fordern die Kreistagsfraktionen der Freien Wähler und der Oberallgäuer Grünen. In einem gemeinsamen Antrag an den Oberallgäuer Kreistag erläutern die beiden Fraktionen eine landkreisweite Zusammenführung der beiden Hauptakteure Naturpark und Natur-Erlebniszentrum Alpin.

Die „Mobilitätsfolgen“ im Zuge der Corona-Pandemie mit dem zunehmenden Tagestourismus habe hinreichend gezeigt, wie groß der Handlungsbedarf in Sachen Besucherlenkung im Oberallgäu sei, betonten die Fraktionsvorsitzenden Christina Mader (Grüne) und Dr. Philipp Prestel (Freie Wähler) bei der Erläuterung des gemeinsamen Antrags im Landratsamt. „Im vergangenen Jahr hat man deutlich gemerkt, was da abgeht“, sagte Mader mit Blick auf die Verkehrs- und Parksituation in der Region. Jetzt sei es an der Zeit, „gute Konzepte“ weiter zu entwickeln und umzusetzen. Das Lenkungsmodell „Mein Freiraum. Dein Lebensraum.“ wie es im Naturpark Nagelfluhkette erfolgreich etabliert wurde, solle auf den Landkreis ausgeweitet werden.

Neben den Akteuren des Naturparks und deren „erfolgreicher Vorarbeit“ soll dem Antrag zufolge das neue Zentrum Naturerlebnis Alpin ZNAlp mit Sitz in Obermaiselstein die Weiterentwicklung der Besucherlenkung mitgestalten und vorantreiben. Das ZNAlp widmet sich ähnlichen Lenkungskonzepten wie die Naturpark-Mannschaft, allerdings außerhalb des Naturpark-Gebietes, vor allem im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen. Beide Einrichtungen befürworteten den vorliegenden Antrag, betonte Mader weiter. Und beide wolle man in Zukunft zusammenhalten. Man werde auf der Hut sein, dass das staatlich geförderte Zentrum Naturerlebnis Alpin „nicht alles schluckt“, ergänzte Mader.

Philipp Prestel von den Freien Wählern: „Es werden so zwei Dinge zusammengebracht, die zusammen gehören.“ Mit beiden Einrichtungen und ihren Erfahrungen könne man die Synergieeffekte nutzen und zugleich Insellösungen vermeiden. „Man muss den Landkreis als Ganzes sehen.“ So sehr die Region den Tourismus brauche, so wenig dürfe man den Lebensraum der Menschen und deren Heimat außer Acht lassen. Da die Thematik eng verknüpft sei mit dem Individualverkehr, sollte auch ein geeignetes Parkraummanagement und die Einbindung des Öffentlichen Personennahverkehrs in ein Konzept einfließen, so der Antrag weiter. „Wir regen hierzu die Einbeziehung eines Oberallgäu-weiten Raumnutzungskonzeptes über Erholungs- und Schutzräume an“, heißt es in dem Antrag.

Sollte der Oberallgäuer Kreistag den gemeinsamen Antrag der Grünen und Freien Wähler beschließen, werde man bei der Regierung von Schwaben den Konzeptvorschlag weiter erläutern. „Den Pfad öffnen und kluge Lösungen anstreben“, beschreibt Prestel das Ziel. „Das müsste auf offene Ohren stoßen“, zeigen sich Philipp Prestel und Christina Mader optimistisch und hoffen auf das Signal „Die Region tut was“. Die Steuerung des Projektes solle nicht in Augsburg oder München liegen, sondern vor Ort.

Eine Ausweitung des bewährten Lenkungskonzeptes auf den gesamten Landkreis sei zu begrüßen, unterstrich Landrätin Indra Baier-Müller. Sie erwarte in den weiteren Monaten erneut „relativ starken Druck auf die Erholungsgebiete“. Umso sinnvoller sei es, das Thema jetzt anzugehen. Ebenso wichtig sei es, weitere Partner für das Konzept zu gewinnen.

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