Keine Sprengung, sondern ein Kraftakt mit 1000 Tonnen

Bald fällt die Illerbrücke bei Immenstadt-Stein

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Die Tage der 50 Jahre alten Illerbrücke bei Immenstadt-Stein sind gezählt: Ab Montag, 19. Februar, ist die B 308 mit der Verbindung zur B 19 bei Immenstadt komplett für den Fahrzeugverkehr gesperrt.

Oberallgäu – Im Oberallgäu „fallen“ die Brücken reihenweise: Nur ein knappes halbes Jahr nach der Illerbrücke bei Burgberg / Blaichach ist jetzt die Brücke bei Immenstadt-Stein dran. Ab 19. Februar ist das 50 Jahre alte Brückenbauwerk für jeglichen Verkehr gesperrt.

Eine spektakuläre Sprengung wie im vergangenen Herbst in Blaichach wird es diesmal allerdings nicht geben. Vielmehr wird das rund 1000 Tonnen schwere Hauptelement der Fahrbahn behutsam abgeseilt. Aber auch das könne ein sehenswertes Ereignis sein, meinen die Verantwortlichen beim Straßenbauamt Kempten. Immerhin werde dabei der größte Liebherr-Kran in Position gebracht. Die Umleitung wird über die Anschlussstelle Rauhenzell und die alte B 19 geführt. Die Fertigstellung der neuen Brücke soll im Sommer 2019 gefeiert werden.

Eigentlich sollte der Abbruch der Illerbrücke Stein schon Im Herbst vergangenen Jahres beginnen. Doch dann gab es neue Überlegungen, wie der Abbruch des Überbaus besser gestaltet werden könnte – und einen Aufschub der Totalsperrung. Jetzt aber soll es losgehen: Am Montag, 19. Februar, also gleich nach den bayerischen Winterferien wird „dicht gemacht“. Der gesamte Fahrzeugverkehr auf der B 308 wird an diesem bedeutenden Knotenpunkt mit der B 19 ausgeleitet auf die alte B19 zur Anschlussstelle Heuberg und die sogenannte Zollbrücke zur Umfahrung Rauhenzell. Im Sommer kommenden Jahres soll der Ersatzneubau fertig sein. Trotz der Startverzögerung wegen des neuen Abbruchverfahrens werde der geplante Termin zu halten sein.

Die Brücke sehe doch noch ganz passabel aus, meinten beim jüngsten Informationstermin auf der zukünftigen Großbaustelle einige Immenstädter. Wieso brauche es da einen Ersatzneubau? „Die regelmäßigen Bauwerksprüfungen haben seit etlichen Jahren schon zu schlechten Befunden geführt“, erklärt Dr. Christian Hocke, Abteilungsleiter am Staatlichen Bauamt Kempten. Note 3,5 sei schon dicht an der schlechtesten Bewertung durch Note 4, was letztlich zur Sperrung führen könne. Befund: Die Fugen und Spannungsglieder sind nicht mehr in Ordnung, da und dort gibt es Risse im Baukörper. Zudem sind „erhebliche Setzungen“ festgestellt worden, die die Stabilität der ganzen Konstruktion beeinflussen. Die Durchbiegung liege im Mittelabschnitt der Brücke mit rund 15 Millimeter „deutlich über den rechnerisch prognostizierten Werte“. Und schließlich zeigten Betonabplatzungen durch Korrosionserscheinungen, dass Handlungsbedarf bestehe, so das Fazit der Fachleute. Standsicherheit und Dauerhaftigkeit des Bauwerks seien „stark beeinträchtigt“, betont der amtliche Befund.

Dabei dürfe man aber nicht denken, das beim Bau in den 1960er Jahren etwa gepfuscht worden wäre, stellen Christian Hocke und Projektleiter Karl-Heinz Bittner fest. „Alles damaliger Stand der Technik.“ Doch auch solche massiven Bauwerke alterten, seien Verschleiß ausgesetzt. Zudem habe die Verkehrsdichte in einem Maß zugenommen, das man vor 50 Jahren nicht erwartet habe. Die Korrosion der Stahlbewehrung im Beton habe wegen der früher üblichen geringeren Betondeckung eher eingesetzt. Bei der heute üblichen Betondeckung von fünf Zentimeter komme dieser Vorgang deutlich später zur Geltung.

Das Ende der neuen Brücke werden wir jedenfalls nicht mehr erleben“, so Hocke zu den knapp 30 Bürgerinnen und Bürgern, die zum Informationsgespräch gekommen waren. Eine Sanierung war nach der Bewertung der Schäden verworfen worden. Als wirtschaftlichste Lösung wurde ein Ersatzneubau des Überbaus in Stahlverbund-Bauweise verfolgt. Die Unterbauten, also die Pfeiler, können nach ihrer Instandsetzung und Anpassung an den neuen Überbau erhalten werden. Aufwändige Neukonstruktionen der Betonpfeiler braucht es nicht.

Der neue Überbau wird schmaler ausgeführt, da die Abbiegespur in die neue B19 nicht mehr in die Brücke eingepasst wird, sondern in den Dammbereich der Iller verlegt ist. Es braucht also nur zwei Fahrstreifen zu je 4,5 Meter Breite. Demzufolge können die Stützpfeiler deutlich verschlankt werden.

Im Gegensatz zur Illerbrücke bei Blaichach wird es beim Abbruch auch keine spektakuläre Sprengung geben. Auch deshalb nicht, weil die Fundamente ja wieder verwendet werden und nicht beschädigt werden sollen. „Aber das Ablassen des Mittelabschnitts der Brücke wird sicher sehenswert“, meint Karl-Heinz Bittner. „Dann wird nämlich der größte Kran hier stehen, den die Firma Liebherr derzeit bauen kann.“ Das rund 1000 Tonnen schwere Stück wird nach Ostern aus der Konstruktion gelöst und Zentimeter um Zentimeter nach unten gelassen, aufgehängt in einer speziellen Konstruktion. Die weiteren Teile werden Stück für Stück abgebrochen. Das parallel zur Iller verlaufende Bahngleis muss dazu eigens eingehaust werden, damit der Zugverkehr ohne Unterbrechung weiter läuft.

Nicht ganz reibungslos wird der Fahrzeugverkehr in den nächsten anderthalb Jahren an der Baustelle vorbei kommen. In der Masse wird die Umleitung über die Kreisstraße OA 5, die alte B19 geführt bis zur Anschlussstelle Heuberg. In südlicher Richtung geht es über die Zollbrücke und die Umfahrung Rauhenzell. Die Auffahrt zur Zollbrücke wird mit einer Ampelanlage in der Kemptener Straße geregelt.

Für Radfahrer haben die Fachleute beim Bauamt eigene Ausweichrouten festgelegt; am Wochenende oder nach Feierabend auf der Baustelle soll der Weg entlang der Iller allerdings in der Regel offen bleiben. Bootfahrer müssen aus dem Wasser und die Baustelle zu Fuß umgehen.

Josef Gutsmiedl

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