Literatur im Tal: Von der Dichterschmiede über die Suppenküche zum Oldtimerbus

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Eine Reise in die Vergangenheit – stilvoll im Oldtimerbus gelesen von Sarah Rinderer.

„Sich aufmachen“, lautete das Motto des ersten Literaturfestes im Kleinwalsertal mit Autoren überwiegend aus Vorarlberg und dem Allgäu. Die Veranstaltung begann mit einer Podiumsdiskussion am Freitagabend und setzte sich am Samstag an sieben Stationen – verteilt über das ganze Tal – fort.

Die Besucher konnten sich so eine individuelle „Literatour“ zusammenstellen. Die Veranstalter hatten besonderen Wert darauf gelegt, dass die Plätze zu dem jeweiligen literarischen Texten passen. Was eine besondere stimmige Atmosphäre an den Leseorten schuf.

Am Eröffnungsabend las der tschechisch-österreichische Schriftsteller Michael Stavari aus seinem Roman „Stillborn“, bevor mit Verlagsleiterin Eva Steffen und der Literaturkritikerin Antje Weber über die Bedingungen im Literaturbetrieb diskutiert wurde. Der Samstag begann mit der Eröffnung der Ausstellung „Harigasti“ von Ulrich Gabriel im Walserhaus. Ein Ausflug in die Entstehung der indogermanischen Sprache und zu den Wurzeln alemannischer Dialekte. „Mundart ist ein altes Gut“, will Gabriel Vorurteile abbauen und mehr Bewusstsein für die Dialekte schaffen. Im Rettungsgebäude der Bergwacht fanden Mundartlesungen mit Eliane Fritz, Cornelia Beßler und Ulrich Gabriel statt – im düsteren Erdkeller der Bücherei gab‘s „Fanthasy“ von den beiden Walserinnen Nani Fritz und Caroline Willand. In einem Oldtimerbus las Sarah Rinderer aus ihren Roman „Mutterschrauben“. Darin begibt sich eine junge Frau gemeinsam mit ihrer Großmutter auf eine Reise in die Vergangenheit.

Bei der Firma Walserdruck konnten die Besucher in einer „Dichterschmiede“ ihr eigenes Gedicht auf Büttenpapier verfassen und es mit ihren Initialen schmücken lassen. „Das Meer ist auch nichts anderes als eine Fischsuppe, eine stark versalzene“, befand Christian Futscher in seinem Buch „Suppen“, das er im Hotel Birkeneck vorstellte. Nach der Lesung durften die Besucher die Küche besichtigen und ein Süppchen auslöffeln. Dass sich Bankberater und ein säumiger Kreditrückzahler und Weinliebhaber nicht immer auf der gleichen Wellenlänge befinden, entlarvte ein Text von Gerhard Dick aus Immenstadt im Konferenzraum der Walser Privatbank. Im Wohnhaus des Künstlers Detlef Willand trug Andrea Gerster amüsante Geschichten vor, zu denen Lika Nüssli live mit Tablett und Beamer blitzschnell die passenden Bilder zeichnete.

Bei einem weiteren Höhepunkt lieferten sich an der Walmendingerhornbahn Peter Fitz und Alex Burkhard ein wortgewaltiges Sprachduell Österreich gegen Deutschland in Form einer „Poetry-Battle“. Nach drei vom Publikum mit Applaus bewerteten Runden stand Burkhard aus München als Sieger der „Schlacht“ fest. Zum Schluss schuf Michael Vögel im Hotel „Alte Krone“ aus seinem Text „Im Anfang war das Wort“ eine mitunter gesellschaftskritische Persiflage auf den Heimatroman. Das breit gefächerte Programm zog ein bunt gemischtes Publikum an, das sich gemeinsam zu dieser literarischen Wanderung – bzw. mit dem Shuttlebus – quer durchs Tal aufmachte. 2019 soll es eine Neuauflage des Literaturfestes geben.

Heinrich Bonert

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