Ex-Juso sieht bei "grün" rot

Wo Allgäu drauf steht, muss auch Allgäu drin sein! Das meinen Rudi Holzberger (Mitte), Ofterschwangs Bürgermeister Alois Ried (rechts) und Gästeamtschef Michael Redecker (links) am Aschermittwoch. Foto: Josef Gutsmiedl

Die Zeiten derber verbaler Rundumschläge am Aschermittwoch sind zumindest für die Oberallgäuer CSU passé. Statt Knüppel setzt man auf Information, Dialog und interessante Anregungen - von Rednern, die auch mal kritische Seitenhiebe austeilen. Diesmal hatten die Oberallgäuer Ortsverbände mit Rudi Holzberger („den Doktor lassen Sie ruhig weg“) einen „Grünen der ersten Stunde“ gewonnen, der mit „grünen Märchen“ aufräumte und eine Lanze für die Region, ihre Menschen und ihre Produkte brach.

Das hätte er sich nie träumen lassen, dass er, der Ex-Juso und ehemalige Grüne, einmal bei einer CSU-Veranstaltung würde auftreten. Diese bezeichnende Bemerkung schickte Dr. Rudi Holzberger, Initiator der Aktion „LandZunge“ seinen „bösen und lieben“ Anmerkungen zum Thema „Alles Allgäu, alles Bio oder was?“ voraus. Tatsächlich rechnet er dann beim traditionellen Politischen Aschermittwoch der Oberallgäuer CSU-Ortsverbände ab mit vielen „grünen Märchen“ - nicht ohne an die Chance zu erinnern, die „im Allgäu“ lägen. „Bar jeglicher Ahnung werden Thesen verbreitet“, stellt Rudi Holzberger zum Sammelsurium der Szenarien fest. „Die Klischees haben auch das Allgäu erreicht.“ Und Klischees wurden und werden gerne geglaubt. Gerade beim Thema Landwirtschaft und Ernährung sei „alles grün unterminiert“ meint Holzberger, der selbst Landwirtschaft studiert hat. „Und der Bauernverband steht da und tut nichts!“ Geradezu absurd ist für den 57-jährigen Allgäuer Buchautor und Journalist aus dem Kreuzthal bei Buchenberg der Vorschlag, weniger oft Fleisch zu essen, und stattdessen auf höchste Qualität zu setzen. Gutes Fleisch sei nicht ungesund, bemerkt Holzberger und zieht den Vergleich: „Wenn Ihnen eine schöne Frau begegnet, sagen Sie sich da vielleicht: Mit der möchte ich möglichst nichts zu tun haben?“ Kaum zu glauben sei der Unsinn, der über Ernährung verbreitet werde, wettert Holzberger. Die Allgäuer Bauern - und Hobby-Landwirt Holzberger rechnet sich dazu - wüssten sehr gut, was sie tun. Letztlich hätten sie mit ihrer Arbeit das Allgäu in seiner heutigen Form geschaffen, stellt sich der Redakteur der Zeitschrift „LandZunge“ vor den Berufsstand. Ein Anbindestall müsse nicht zwangsläufig Ausdruck von Tierquälerei sein, greift er ein „grünes Thema“ auf. Geradezu „religiöse Schlachten“ würden allerorten - auch in seiner Heimat Kreuzthal - ausgetragen. Egal, ob es um Mobilfunkmasten gehe, um Freizeiteinrichtungen oder um Skigebiete. „Alle Grünen sind für Windkraft - aber keiner will Windräder vor der eigenen Haustüre“, bringt Holzberger das Strickmuster auf den Punkt. Holzberger räumt ein, dass er von der B 19 neu geradezu begeistert sei, auch wenn er das Projekt vor 40 Jahren vehement bekämpft habe. Damals, in den 1970er und 1980er Jahren, sei es das Waldsterben gewesen, das den Leuten Angst einjagte, angeheizt von einem ungeheuren Medienrummel. Jetzt rede man nur noch vom Klimawandel. „Wir glauben, was wir glauben wollen.“ Holzbergers Dissertation befasst sich mit der Rolle der Medien bei der Berichterstattung über das so genannte Waldsterben. Recherche fände kaum statt, das Meiste werde abgeschrieben, die Thesen aufgeblasen, mit Klischees verbunden. „Wissenschaftler müssen ihre Thesen öffentlich machen, sonst bekommen sie kein Geld“, skizziert Dr. Holzberger den Weg und die Wirkung vieler Untersuchungen. Nach dem „bösen“ Kapitel und den grünen Märchen lenkte Holzberger den Blick auf sein Lieblingskind, die Aktion LandZunge. Ziel ist es, regionale Produkte in größeren Mengen für die Gastronomie in der Region in bester Qualität zur Verfügung zu stellen. „Wir müssen in der Region was Gscheites machen“, sei der Initialzünder vor fast zehn Jahren gewesen, erinnert sich der „Erfinder“ Holzberger. Dabei legt die Aktion Wert darauf, nicht elitär, sondern populär zu sein, als Wertschätzung der Region und ihrer Produkte. Aktuell sollen jetzt auch Großküchen ins Boot geholt werden. Holzberger: „Wenn uns das gelingt, ist das Beste geschafft.“ Mithin mehr Absatz für Allgäuer Rindfleisch. „Wir dürfen das Fleisch nicht verstecken, sondern müssen was daraus machen!“ so Holzbergers Appell. Vielmehr sieht er im Rindfeisch eine Alternative zum kränkelnden Milchmarkt in der Region. Der Begriff „Bio“ müsse regional gebunden sein, betont Holzberger. „Massenware und bio geht nicht“ kritisiert er die Bio-Schienen der Lebensmittel-Discounter. Mit dem Allgäu, so schließt Holzberger den Kreis, seien gemeinhin positive Wertvorstellungen verbunden. „Ein Pfund, mit dem wir wuchern können.“ Wo Allgäu draufstehe, müsse auch Allgäu drin sein. Die Zukuft liegt in der Region, ist sich Holzberger sicher.

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