Umgang mit herausfordernden Kindern

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Auf großes Interesse bei den zahlreichen Forumsteilnehmern stießen die Ausführungen von Familientherapeutin Angelika Ritter (links) und Förderschullehrer Christian Frey (rechts) zur Präsenzpädagogik.

Wenn Eltern in der Familie die Autorität verlieren, nehmen die Kinder das Heft in die Hand. Dies kann sich durch renitentes Benehmen, offene Gewalt oder körperliche Symptomatik äußern. Das herausfordernde Verhalten dieser Kinder fällt ebenso in Schule oder Kindergarten auf.

Wie können Erwachsene mit „schwierigen“ Kindern und Jugendlichen besser umgehen? Mit diesem Thema beschäftigten sich 80 Lehrkräfte, Sozialpädagogen, Psychologen und Fachkräfte von Beratungsstellen beim fünften Fachforum Inklusion des Landkreises Oberallgäu in der Albert-Schweitzer-Schule in Sonthofen.

Einen Wegweiser zur „Autorität ohne Gewalt“ gaben Familientherapeutin Angelika Ritter (Jugendhilfeeinrichtung Herzogsägmühle) und Christian Frey, Konrektor der Albert-Schweizer-Schule. Kindern mit herausforderndem Verhalten fehlen demnach wichtige Entwicklungsbausteine. Belastende Faktoren können die Trennung der Eltern, Bindungsstörungen und mangelnde Wertschätzung, aber auch Alkohol- oder Drogensucht von Vater oder Mutter sein. Haltlose Kinder seien mit schulischem und gesellschaftlichem Leistungsdruck rasch überfordert: Sie flüchten in auffälliges Verhalten oder spielen den Klassenclown.

Angelika Ritter stellte die erfolgreiche Präsenzpädagogik nach Prof. Dr. Haim Omer vor. Idealerweise ziehen dabei Lehrkräfte, Sozialpädagogen und Psychologen mit den Eltern an einem Strang. Gemeinsam wird dann schrittweise versucht, die Autorität ohne Anwendung von Gewalt wiederherzustellen. Gleichzeitig werden gewohnheitsmäßige Eskalationen entschärft. Diese Pädagogik verhindert auch, dass die betreffenden Kinder ihr Gesicht in der Gruppe verlieren. „Wichtig ist in jedem Fall, auf herausforderndes Verhalten adäquat zu reagieren und Reiz-Reaktionsmuster zu vermeiden“, mahnte die Familientherapeutin.

In Workshops vertieften die Forumsteilnehmer den Teilbereich „Unterstützung/Netzwerk“ aus dem pädagogischen Ansatz von Omer. „Wir freuen uns über den fruchtbaren Austausch und die Anregungen von fachlicher Seite“, resümierten die Organisatorinnen, Dr. Gloria Petraschka und Andrea Schmid vom Bildungsbüro im Landratsamt. Die Ergebnisse der Veranstaltung werden nun von der fachlichen Steuerungsgruppe bewertet und nach Möglichkeit in praktische Umsetzungen integriert. Ralph Eichbauer, Leiter der Abteilung „Mensch und Gesellschaft“ im Landratsamt stellte den hohen Stellenwert der Veranstaltung heraus: „Das jährliche Fachforum liefert vielfältige Ergebnisse für die praktische Bearbeitung des Themas Inklusion im Rahmen der Bildungsregion Oberallgäu.“

cis

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