Offene Fragen beim FFH-Gebiet "Kempter Wald und Oberes Rottachtal"

Runder Tisch keine "runde Sache"

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Die Pläne zum FFH-Gebiet „Kempter Wald und Oberes Rottachtal“ werden demnächst in den betroffenen Gemeinden ausgelegt.

Oberallgäu – Auf großes Interesse stieß die jüngste Informationsveranstaltung zur Ausweisung eines sogenannten FFH-Gebiets „Kempter Wald mit Oberem Rottachtal“.

Allerdings zeigten sich viele der mehr als 250 Besucher enttäuscht über den „Wert“ des Runden Tisches in Oy-Mittelberg. Sie vermissten klare Aussagen, wie sich „die FFH-Geschichte“ in der Praxis auswirke. Im Februar werden die Unterlagen und der Managementplan in den Gemeindeverwaltungen ausgelegt.

Das Gebiet sei schon lange interessant“, brachte Ludwig Geitner vom Landwirtschaftsamt Kempten die Beweggründe für die Ausweisung des Kempter Waldes und Oberen Rottachtales als anerkanntes FFH-Gebiet auf den Punkt. Das mehr als 4000 Hektar große Areal wird forst- und landwirtschaftlich genutzt, umfasst ausgedehnte Wälder und Moore sowie einen Übungsplatz der Bundeswehr. Und: das Gebiet glänzt durch eine hohe Artenvielfalt. Mit der „Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie“ FFH wolle die EU solche schützenswerten und zusammenhängenden Naturräume im europäischen Naturschutzprojekt „Natura 2000“ dauerhaft sichern, deutete Geitner die Zielrichtung der „FFH-Geschichte“ an.

Die FFH-Gebiete sind Teil des europaweiten Schutzgebietsverbundes „Natura 2000“. Neu sei das nicht, aber jetzt gehe es an die Umsetzung. „Wir wollen, dass Sie freiwillig mitmachen!“, appellierte Geitner an gut 250 Grundbesitzer und Nutzer, die zum Runden Tisch gekommen waren.

In den vergangenen Jahren wurde das Gebiet bereits einer Art „Inventur“ unterzogen und sämtliche Lebensraumtypen und Schutzgüter fachlich bewertet. 250 Arten der Roten Liste wurden gefunden; fast 90 Arten werden davon als „bedroht“ oder „stark gefährdet“ eingestuft.

Was in dem FFH-Gebiet letztlich passieren soll, regelt ein spezieller Managementplan. „Für Grundeigentümer und Nutzer hat der jetzt vorliegende Managementplan lediglich Hinweischarakter – verpflichtend ist allerdings das Verschlechterungsverbot“, stellte Ludwig Geitner nach den Erläuterungen der im Kempter Wald vorgefundenen Lebensraumtypen klar. Mit anderen Worten: erlaubt ist weiterhin, was die Qualität des FFH-Gebietes nicht mindert. Etwa die fachgerechte land- und forstwirtschaftliche Nutzung, soweit sie keine seltenen Arten oder Lebensräume beeinträchtigt. „Bewirtschaftung bleibt möglich!“, betonte Geitner.

Nicht alle Interessierten und Betroffenen, die zu dem Runden Tisch gekommen waren, sahen die Sache so einfach. „Keiner weiß, was das soll“, kritisierte Durachs Bürgermeister Gerhard Hock enttäuscht den Informationsgehalt des Runden Tisches. „Jetzt gibt es mehr Fragen als Antworten.“ Er habe zunächst eine Planauslegung in den Gemeinden erwartet, um zu klären, welche Flächen konkret betroffen seien und wie weiter verfahren werde. „Momentan sehe ich lauter Fragezeichen.“

Gerade die Planauslegung sei wenig zielführend, konterte Förster Ludwig Geitner. Zu solchen Terminen komme in der Regel kaum jemand, zeige seine Erfahrung. Darum habe man auf den Runden Tisch gesetzt. „Es wird keiner enteignet“, versuchte Geitner die Stimmung im Saal etwas zu beruhigen. Der Managementplan sei ein Fachplan, kein Verwaltungsakt – also ohne Möglichkeit eines Einspruchs. „Der Staat schlägt nur vor – Sie müssen gar nichts.“

Doch genau das nahmen viele der Grundeigentümer dem Behördenmitarbeiter nicht ab. Etliche treibt die Sorge um, dass Außenstehende mitreden wie die Nutzung in der Praxis aussehen solle. Ein Landwirt aus Betzigau sprach von einer „Pseudo-Veranstaltung“, die er gerade erlebe – erfahren habe er gar nichts. Die bisherige Bewirtschaftung sei offenbar so schlecht nicht gewesen, wenn weite Teile des Kempter Waldes als „wertvoll“ eingestuft würden.

Den Begriff „Pseudo-Veranstaltung“ wies Geitner zurück. Das Verfahren schreibe die Runden Tische vor mit dem Ziel, den Managementplan für das FFH-Gebiet zu verankern: „Nicht gegen Sie, sondern mit Ihnen.“ Natürlich sei es möglich, auf Gemeindeebene zu diskutieren und mit den Betroffenen zu sprechen. Anreize, mitzumachen bieten etwa die laufenden Regelungen des Vertragsnaturschutzes oder andere Förderprogramme. FFH sei letztlich nur eine Art Anweisung für den Umgang mit dem Gebiet. Im Vergleich zu anderen Schutzprädikaten sei FFH „eher harmlos“, so Geitner.

Dass der Runde Tisch seinen Rahmen in Oy-Mittelberg sprengte, lag wohl auch am unerwartet hohen Interesse – und der großen Anzahl von Betroffenen und den Besitzstrukturen. „Viele Zwerge und ein paar Riesen, acht Gemeinden, zwei Landkreise“, so beschrieb Ludwig Geitner die komplexen Besitzverhältnisse im Kempter Wald. Der Großteil der Grundeigentümer hat mit Parzellen zu tun, die kaum ein Hektar groß sind. Bayernweit betrachtet sei das FFH-Gebiet „Kempter Wald und Oberes Rottachtal“ durchaus als groß zu anzusehen. Konkret eingeladen habe die Behörde rund 100 Beteiligte. Dass fast 300 kamen, überraschte alle. Im Februar sollen die Planunterlagen und der Entwurf des Managementplans in den Kommunen ausgelegt werden. Wer es wünsche, dem werde vor Ort die Situation auch erläutert, betont Geitner gegenüber dem Kreisbote.

Josef Gutsmiedl

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