Gewitter bei der "Nacht des Feuers"

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Die Segnung der Firmlinge war Höhepunkt und Abschluss der „Nacht des Feuers“. Unser Bild zeigt (von links) Florian Wegscheider mit seinem Onkel Andreas Trunzer, sowie Michael Gerold und seinen Sohn Sven.

Altstädten – Dem Spaziergänger bietet sich an diesem Sonntagvormittag an der Iller nahe Altstädten ein ungewohntes Bild: Sechs Männer waschen auf einer Sandbank zwölfjährigen Jungen mit schneekaltem Flusswasser die Füße, trocknen sie ab und massieren wohlriechendes Rosenöl ein, das ihnen Diakon Gerhard Kahl gegeben hat.

Mit dem anschließenden Segen der Jugendlichen geht die „Nacht des Feuers“ zu Ende, ein gemeinsames Wochenende von Paten mit Firmlingen in der Natur zur Vorbereitung auf die bevorstehende Firmfeier.

„Das Dienen gehört für Männer dazu!“, erklärt der Leiter der Männerseelsorge im Bistum Augsburg, Gerhard Kahl, den Paten den Hintergrund für diese Fußwaschung am Gebirgsfluss. Seit einigen Jahren bietet er diese bistumsweite 24 Stunden dauernde „Nacht des Feuers“ an, die dieses Mal auf einem Zeltplatz in Altstädten stattfindet. Auf dem Weg zum Mannwerden bräuchten Jungs männliche Begleitung, betont Kahl. Männer seien unentbehrlich, um den Heranwachsenden ermutigende Bestätigung zu geben. „Die gemeinsame Zeit in der Natur stärkt die Beziehung zwischen Paten und Jugendlichem, sie öffnen für den Geist Jesu“, hat der Seelsorger festgestellt.

Aufmerksam geworden auf das Wochenende sind der 31-jährige Landwirt Andreas Trunzer aus Memhölz und sein elfjähriger Neffe Florian Wegscheider im Firmunterricht von Schwester Hannah Altmann. Mit dem Sohn seiner Schwester verbringt der Firmpate regelmäßig Zeit, wenn ihn dieser auf dem Hof besucht. „Dass wir jetzt hier zusammen dabei sind, macht Florian schon stolz“, berichtet Trunzer.

Der 45-jährige Physiotherapeut Michael Gerold aus Kempten ist mit seinem zwölfjährigen Sohn Sven bei der Firmvorbereitung in der Natur dabei. Er gehört der Pfarrei St. Ulrich in der Pfarreiengemeinschaft Kempten-Ost an. Für ihn sei es wichtig, Zeit mit dem Jungen zu verbringen und einmal ganz für ihn da zu sein, erzählt er und Sven strahlt zu seinen Worten.

Das Wochenende wurde durch einige praktische Programmpunkte und geistliche Impulse gestaltet. Der gemeinsame Zeltaufbau der „Paare“ und das Errichten eines Lagerfeuers seien der Auftakt gewesen, sagt Diakon Kahl. Wanderungen mit kleinen Aufgaben für die Teilnehmer folgten.

Und schließlich sei immer wieder in Abschnitten in gemeinsamer Runde die Josefsgeschichte vorgelesen und mit den Erwachsenen sowie den Jungs diskutiert worden. Vor dem Hintergrund der alttestamentlichen Geschichte griff Gerhard Kahl Themen wie „seelische Verwundungen“, „Enttäuschungen“ und „Schmerz“ auf. Genauso wie Neid oder Niederlagen gehörten sie zum Leben dazu und müssten entsprechend verarbeitet werden, hätten die Teilnehmer erfahren. Wie geht man mit Konflikten um, kann man verzeihen und sich versöhnen? „Es ist wichtig, dass man nach einem Streit wieder bei Null anfängt und nicht im Hintergrund eine Liste weiterführt“, formulierte es der Teilnehmer Christian Wilke aus Vöhringen.

Die Natur verlangte den Jungs und ihren Begleitern während der „Nacht des Feuers“ noch eine besondere Mutprobe ab: In der Nacht ging ein Gewitter auf den Zeltplatz nieder. „Wir haben uns dann zu zehnt im VW-Bus zusammengedrängt und die Blitze abgewartet“, erzählt Michael Gerold. Danach war eindeutig bewiesen: „Man(n) darf auch Schwäche zeigen.“

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