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Förster zeigen auf, wie das Fitnessprogramm für den Bergwald funktioniert

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Von: Josef Gutsmiedl

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Wald in Schöllang Revierleiter Robert Proksch (und Förster Patrick Preusch
„Waldumbau ist kein Hexenwerk“, versicherten Revierleiter Robert Proksch (links) und Förster Patrick Preusch beim Waldbegang oberhalb von Schöllang. © Josef Gutsmiedl

Schöllang/Oberstdorf – Waldumbau heißt die Divise angesichts immer heißer und trockenerer Sommer. Doch wie funktioniert der Umbau zum widerstandfähigen Bergmischwald?

Waldumbau tut Not. Die Sommer der vergangenen Jahre haben es gezeigt. Es wird heißer und trockener. Und die Forstleute sind sich einig: Der fortschreitende Klimawandel erfordert dringende Anpassungen, damit der Wald auch in Zukunft seine wichtigen Funktionen erfüllen kann und zugleich Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten bleibt. Am Beispiel eines typischen Fichten-Reinbestandes zeigten der zuständige Revierleiter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten, Robert Proksch, und Förster Patrick Preusch von der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu FBG, wie dieser Umbau „eingefädelt“ wird und letztlich gelingen kann.

Der Wald in 20 Jahren

Die ersten Schritte zum Aufbau eines zukunftsfähigen und ertragreichen Waldes. Ein Wald, wie er womöglich in 20 Jahren aussehen könnte, so der Blick in die Zukunft. „Ein Stück weit werden wir uns verabschieden müssen vom bislang gängigen Waldbild“, erläuterte Revierleiter Robert Proksch den rund 20 Waldbesitzern und Interessierten beim Waldbegang bei Schöllang in einem (bislang) reinen Fichtenbestand. Hier sei der Umbau bereits eingeläutet.

Ein Umbau, der nicht gerade „schleichend“ erfolge, aber doch Schritt für Schritt. Denn, so der Förster weiter, von heute auf morgen sei das Ziel, der zukunftsfähige Bergmischwald, nicht zu erreichen. Zum einen gelte es, die Risikostreuung zu beachten, zum anderen die unterschiedlichen Ansprüche der wesentlichen Baumarten, die beim Umbau entscheidende Rollen spielten. „Auch in Zukunft wollen wir ertragreiche Bestände, aber auch eine bessere Risikostreuung, um Totalausfälle etwa durch Ereignisse wie Stürme oder Schädlingsbefall möglichst zu minimieren.“

Fichte auf dem Rückzug

In der Fläche werde die Fichte sich auf dem Rückzug befinden, aber keinesfalls ganz verschwinden, so Proksch weiter in seinem Szenario. Angestrebt werde ein Mischung von etwa 55 Prozent Fichte, 20 Prozent Weißtanne und etwa 15 Prozent Buche, plus weitere Nebenbaumarten wie Bergahorn, Vogelbeere und andere.

Entscheidend für das Gelingen, sei das Zusammenwirken aller Akteure, sämtlicher Beteiligten von Anfang an, sind sich Proksch und sein Förster-Kollege Patrick Preusch von der FBG einig. Also eine fachliche Beratung und Begleitung genauso wie die Abstimmung mit den Besitzern benachbarter Waldflächen, aber auch mit der örtlichen Jagd. Das alles habe sich im konkreten Fall der Umbaufläche oberhalb von Schöllang beispielhaft bewährt, betonte Proksch in seiner ersten Bilanz.

Schlüsselrolle Jagd

„Wenn’s mit der Jagd nicht klappt, klappt der Waldumbau nicht.“ Die Waldverjüngung sollte ohne Schutzeinrichtungen auf die Beine kommen, erinnerte der Förster an die gesetzliche Vorgabe. Und dass gerade frisch gepflanzte Weißtannenbäumchen „einladend“ wirkten auf das Wild, sei bekannt. Hier habe er mit dem zuständigen Berufsjäger einen Weg gefunden, der eine Einzäunung der Umbaufläche nicht voraussetze, so Prosch mit Blick auf einige junge Pflanzen ohne Verbissspuren. „Es kann klappen.“

Und gerade der Waldumbau biete nicht nur eine langfristige Perspektive für eine dauerhafte wirtschaftliche Nutzung des „neuen Waldes“, sondern schaffe auch soviel zusätzliches Äsungsangebot für das Wild, dass es sich nicht zwangsläufig wie jetzt an den Leckerbissen wie jungen Weißtannen oder Buchen „vergreife“. Da und dort könnten Buschgruppen dazu beitragen, den Druck auf diese Leckerbissen zu vermindern. Wie gut und rasch sich der Wald auf einer gezäunten Fläche entwickeln könne, zeige das Bild einer benachbarten Waldfläche. Prosch kommentierte den Vergleich: „Alles da, was hier noch fehlt.“

Klimatauglicher Wald

Die neue „Ordnung“ im Wald mit mehr Licht verbessere auch die Zuwächse am Altbestand. „Dicke Stämme haben besseren Zuwachs“, so die Erfahrung, die Preusch und Proksch machen. „Es sind überproportionale Zuwächse zu erwarten; also eine Wertsteigerung im Altbestand. Der Umbau hin zum zukunfts- und klimatauglichen Wald sei eine Investition in die Zukunft. Im konkreten Fall des aufgesuchten Waldstücks sei die Rechnung jedenfalls aufgegangen, rechnete Robert Proksch vor. Und das in einer Zeit wo der Holzpreis im Keller gewesen sei. Heute wäre man sogar gut in der Gewinnzone.

„Der Kauf von Pflanzen geht aber richtig ins Geld“, weiß Proksch und ergänzt, dass es hier allerdings attraktive staatliche Förderungen gebe. Überhaupt raten beide Forstleute zu einer fachlichen Beratung entweder durch die Forstbehörde oder Forstliche Vereinigungen wie die FBG.

Naturnah ist sicherer

Sei der Umbau erst einmal in Gang gekommen, laufe es auf ein ständiges Kommen und Gehen hinaus mit behutsamer Entnahme alter, starker Bäume und gleichzeitiger Verjüngung durch die nächste Waldgeneration. Fast schleichend, aber auf einem stabilen Niveau. Der alte Spruch von der „Sparkasse Wald“ komme so quasi zu neuer Bedeutung, meinte Förster Proksch. „Das ist für alle gut. Was naturnah ist, ist risikoärmer und sicherer.“ Dennoch, wiederholte er: „Ohne Jagd läuft nichts.“ Proksch und Preusch zerstreuten die Bedenken der knapp 30 Waldbesitzer und Interessierten bei dem Ortstermin auf 1000 Meter Höhe und versicherten: „Waldumbau ist kein Hexenwerk.“

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