Kraftakt am Alten Berg

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Am Alten Berg, wo sonst jeden Tag mehr als 15000 Fahrzeuge unterwegs sind, ging es in den vergangenen Tagen nur für die Waldarbeiter „rund“.

Fischen - Am „Alten Berg“ geht nichts. Am Alten Berg ging sehr wohl was, meinen die Verantwortlichen. Inzwischen sind die Bäumfällungen schon abgeschlossen, 1300 Festmeter Nutzholz abgefahren und etwa 1000 Kubikmeter Häckselgut verarbeitet.

Und irgendwie war es für alle Beteiligten auch Neuland, was bei dieser „konzertierten Aktion“ an der B 19 zwischen Sonthofen und Fischen über die Bühne ging. „Eine solche Aktion kann nur bei gesperrter Straße durchgezogen werden“, betont Förster Andreas Fisel. Schon vom Arbeitsablauf her könne man angesichts des Zeitdrucks nicht Tag für Tag die Bundesstraße „verkehrssicher her richten“. Schließlich sind ja alle Leitplanken und Verkehrsschilder demontiert worden. Freie Bahn hieß es in den vergangenen Tagen erst einmal nur für die Waldarbeiter-Trupps. 

Dass am Alten Berg etwas getan werden muss, hat sich laut Fisel schon seit Jahren immer deutlicher gezeigt. Stürme und Schneefälle hatten immer wieder geschwächte Bäume oder abgebrochene Äste auf die Bundesstraße geworfen. Und auch die Nutzung der 65 Waldflächen unmittelbar an der Straße war für die 20 Besitzer schier unmöglich. „Höchste Zeit, etwas für den Wald hier zu tun, war es auf jeden Fall.“ „Die Frage war eigentlich nur, wann wir es machen“, so Revierleiter Fisel. Der Aufwand, bei jeder Baumfällung eine Sperrung durchzusetzen, sei wenig praktikabel. Immerhin verlangen die Unfallvorschriften einen Sicherheitsabstand von zwei Bäumlängen zur Straße - also rund 60 Meter. Fisels Aufgabe war es dann, in Gesprächen und Versammlungen die Waldbesitzer ins Boot zu holen für eine „konzertierte Aktion“, die von der Forstbetriebsgemeinschaft FGB Oberallgäu koordiniert werden sollte. 

Für Tobias Keck und seine Mannschaft von der Straßenmeisterei ging es „rund“ bevor die ersten Motorsägen anliefen: die kompletten Leitplanken auf einer Strecke von rund zwei Kilometer Länge mussten abgebaut werden. Zum Teil werden sie bei der Wiedermontage nach den Fällarbeiten durch neue ersetzt. Die Umleitungsstrecken auszuschildern und die Sperreinrichtungen zu positionieren fiel ebenfalls ins Resort der Straßenmeisterei. „Aber so schnell wird sich eine vergleichbare Aktion am Alten Berg nicht wiederholen“, meint Tobias Keck. Daher nutze man jetzt die Sperrung, um alles zu erledigen, was anstehe. 

Für die Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu als Organisator erwies sich der Sammelhieb am Alten Berg als Paradebeispiel für ihr Dienstleistungsangebot. „Drei Ziele sollten erreicht werden: Bäume, von denen eine mögliche Gefährdung für den Straßenverkehr ausgehen könnte, sollten weg. Die Nutzung des Holzes ermöglichen und eine sinnvolle Waldpflege waren nicht minder dringlich“, beschreibt Tobias Schäfer von der FBG den „Dreikampf“ am Alten Berg. Der Sammelhieb veringerte zudem die Kosten für die beteiligten Waldbesitzer, da der Aufwand für die Sperrmaßnahmen auf alle verteilt würde; vom Genehmigungsverfahren ganz zu schweigen. 

Die schlagkräftige Holzertruppe legte sich dann richtig ins Zeug. Untertags wurden Bäume gefällt und abgelängt, Äste gehäckselt, nachts Stämme verladen und am frühen Morgen weggefahren. Natürlich habe es Einwände gegeben, als es hieß, der Alte Berg ist für zwei Wochen komplett gesperrt, berichtet Andreas Fisel. Warum gerade jetzt und nicht im Winter? „Weil die Waldarbeiten im Winter kaum möglich wären“, erklärt Fiesl. An eine Sperrung während der Skisaison wolle er gar nicht denken. „Es blieb praktisch nur dieser Zeitpunkt für die Arbeiten.“ Und was die Bedenken von Naturschützern und Vogelfreunden angehe, die gegen die Fällarbeiten protestiert hatten, ist Fisel sicher, das sich die Beeinträchtigungen für Brutvögel im Rahmen halten. Geschützte Arten gebe es am Alten Berg nicht. Fiesl, selbst im Natur- und Vogelschutz engagiert, ist zuversichtlich, dass die Vögel bald wieder am Alte Berg einziehen.

Josef Gutsmiedl

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