Ohne Holzernte geht's nicht voran

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Gut aufgestellt und verstärkt duch Neuzugang Astrid Schneider (vorne rechts) will der Erste Vorsitzende Johann Jordan (Mitte) mit Norbert Kohler (von links), Josef Eggensberger, Hannes Übelhör und Geschäftsführer Roman Prestele „den Kahn FBG am laufen halten“.

Oberallgäu – Die Delle, die der Orkan „Niclas“ Ende März 2015 in den Grafiken zum Holzpreis der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu FBG hinterließ, ist noch nicht ganz wettgemacht. Dennoch läuft das Geschäft für den Forstlichen Zusammenschluss „erfreulich“.

Sorge bereitet dem Ersten Vorsitzenden, Johann Jordan, nicht allein die Zurückhaltung beim Holzeinschlag, sondern die anhaltende Diskussion um Flächenstilllegungen. Der Wald brauche eine Bewirtschaftung in der gesamten Fläche; das sei der beste Artenschutz. Bei den Neuwahlen wurde Jordan in seinem Amt bestätigt.

Mit dem Holzmengenumsatz von 66 000 Festmeter erreichte die FBG Oberallgäu im vergangenen Jahr die Durchschnittsmenge der zurückliegenden zehn Jahre. Der leichte Anstieg gegenüber den Vorjahr sei „erfreulich“, so Geschäftsführer Roman Prestele, aber das Umsatzziel liege höher. Nach zunächst drei durchwachsenen Quartalen habe das vierte Quartal 2016 mit idealem Holzerwetter bis Jahresende dem Umsatz einen kräftigen Schub gegeben. Auch im ersten Quartal des laufenden Jahres liege man „gut im Plan“, so Prestele. Der Holzpreis bewege sich seit einem Jahr um die Marke von 85 Euro je Festmeter.

Als zunehmend schwierig erweist sich die Vermarktung von Starkholz, da es kaum noch entsprechende Sägewerke gebe. Qualität sei deshalb das schlagende Argument bei der Vermarktung. „Beim Starkholz müssen wir uns am Kunden orientieren“, betont Prestele.

Im Feld Energieholz sieht Co-Geschäftsführer Tobias Schäfer die FBG „gut aufgestellt“. Rund 41 000 Schüttraummeter wurde ausgeliefert, vor allem an die Heizkraft- und Heizwerke in der Region. Auch hier hofft die FBG-Führung auf bessere Zeiten. Es sei zuviel Energieholz auf dem Markt und auf Lager. „Aber richtig schlecht läuft‘s nicht“, so Schäfer.

Sorge, dass reifes Holz in den Bergen bleibt, macht Prestele ebenso wie dem Vorsitzenden der FGB, der Umstand, dass die staatliche Förderung für Seilkranbringungen auf Eis gelegt wurde. „Das ist kein Dauerzustand“, meint der Geschäftsführer, sieht aber derzeit keine Anzeichen dafür, dass dieser Zuschuss für Einschlag in schwer zugänglichen Waldflächen bald wieder bezahlt wird.

Weitere Erfolgszahlen: Der Mitgliederstand erreichte mit 2 805 nach einem Plus von 54 Neuzugängen eine Rekordmarke. Prestele ist optimistisch, bis zum 50-jährigen Jubiläum in zwei Jahren die Marke von 3 000 zu knacken. Aufwärts geht es auch bei den Waldpflegeverträgen mit 106 Verträgen für eine Gesamtfläche von jetzt 562 Hektar.

Mit Astrid Schneider beschäftigt die FBG Oberallgäu seit wenigen Wochen eine weitere Försterin. Und Neuzugang Förster Robert Baldauf soll dem Zusammenschluss helfen, weitere Entwicklungsmöglichkeiten zu nutzen. Gut „verdaut“ habe die FBG den Umzug in die „eigene Immobilie“ im neuen Grünen Zentrum in Immenstadt. „Alle fühlen sich wohl.“ Vorstand Jordan schätzt nicht zuletzt die kurzen Wege, die manches vereinfachten, da man nur ein paar Türen weiter den richtigen Ansprechpartner finde. „Denn nur gemeinsam halten wir den Kahn am laufen“, sagt Jordan.

„So übrig wie ein Kropf“, bringt Johann Jordan seine Meinung zu den Überlegungen zu einem dritten bayerischen Nationalpark plakativ auf den Punkt. Genauso wenig hält der FBG-Vorsitzende von den immer wieder ins Gespräch gebrachten Flächenstilllegungen im Wald. Das nicht geschlagene heimische Holz werde dann „woanders geerntet und vermarktet“, befürchtet Jordan eine unerfreuliche Marktreaktion. „Ziel bleibt die Bewirtschaftung auf der gesamten Fläche!“

Auch auf den Biber ist Jordan nicht gut zu sprechen. Der Artenschutz habe sein Ziel längst verfehlt. Wenn sich die Nager durch den Auwald gefressen hätten, würden sie im nahen Wald zur Plage. „Bei einem Bestand von rund 22 000 Tieren in Bayern kann man nicht so tun als wäre es eine ganz seltene Tierart“, kritisiert Jordan und fordert Bestandsanpassungen an den Lebensraum. „Das wird auch geschehen“, so die prompte Antwort von Vize-Landrat Alois Ried. Grenzen gibt es auch im Wald – Grundstücksgrenzen. Sogar sehr viele, und oft kaum auffindbare Grenzpunkte und unklare Grenzlinien, wie Hans-Peter Mögele vom Vermessungsamt Immenstadt in seinem Kurzvortrag aufzeigte. Das Dienstleistungspaket der Behörde helfe im Fall des Falles bei der Grenzfeststellung und neuen Grenzziehungen, etwa bei Grundstückteilungen oder Abmarkungen im Gelände.

Bei der fälligen Neuwahl des Ersten Vorstandes gab es keine Neuerung. Jordan, seit 17 Jahren an der Spitze der FBG Oberallgäu, war „noch einmal“ bereit zu kandidieren und wurde erwartungsgemäß mit klarer Mehrheit bestätigt. Martin Dorner, Josef Eggensberger und Hannes Übelhör wurden zu Beisitzern gewählt; das Amt des Kassenprüfers blieb bei Norbert Kohler.

Josef Gutsmiedl

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