Forstbetriebegemeinschaft Oberallgäu erwartet spannenden Holzmarkt

Warnung vor mehr Einflussnahme

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„Energieholz“ ist gefragter denn je. Das stellt man auch bei der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu fest.

Ofterschwang – Die gute wirtschaftliche Entwicklung und die anhaltende Nachfrage nach Bau- und Energieholz spielte auch der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu FBG in die Hände. Dennoch scheinen die Zeiten anhaltend hoher Holzpreise erst einmal vorbei: der Sturm Niklas, der vor einem Jahr über den Alpenraum fegte, führte in der Folge zu einem Überangebot und ließ den Holzpreis um rund 20 Prozent fallen.

Ein langfristiges Problem werde zudem der Strukturwandel in der Sägewerksbranche werden, da industrielle Großsägewerke letztlich eine Markt beherschende Rolle einnähmen, wie der Vorsitzende der FBG, Johann Jordan anlässlich der Mitgliederversammlung anmerkte.

Dass der Sturm Niklas Ende März vergangenen Jahres den Holzmarkt kräftig durcheinanderwirbelte, sei zwar bedauerlich, so erklärten die Geschäftsführer der FBG, Tobias Schäfer und Roman Prestele, die aktuelle Situation. In der Tat erwischte der Sturm die Waldbesitzer genau zu dem Zeitpunkt, als die wesentlichen Hiebsmaßnahmen weitgehend abgeschlossen waren. Folglich kam das Sturmholz völlig unpassend in den ohnehin vollen Markt; der Einschlag ging drastisch zurück. Der Preis rutschte von rund 100 auf fast 80 Euro ab. Es sei dennoch absehbar gewesen, dass der gute Preis von rund 100 Euro pro Festmeter Stammholz, der sich in den Köpfen festgesetzt habe, nicht auf Dauer würde zu halten sein. Schäfer tröstete die Waldbesitzer: „Auch bei 80 bis 85 Euro kann man noch von einem mittelguten Holzpreis sprechen.“ Und: es könne immer Ausschläge nach oben oder unter geben. „Das muss man im Hinterkopf behalten.“

Der Bedarf sei aber wieder da und Sägewerkskapazitäten frei, ergänzt Roman Prestele, der mit einem „spannenden Jahr“ rechnet. Spannend auch deshalb, weil der Holzpreis in Deutschland trotz des Einbruchs noch deutlich über dem Weltmarktniveau liege. Und da Entfernungen heute kaum noch eine Rolle spielten, wie Schäfer fortsetzt, müsse sich das relativ teuere Fichtenstammholz aus der Region mit wesentlich billigerer Weltmarktware messen. Der doch erhebliche Preisunterschied könne sogar den Export beeinträchtigen.

Erneut erfreulich entwickelte sich im vergangenen Jahr der Bereich Energieholz. Die Nachfrage nach Holzhackschnitzel legte weiter zu und neben fast 52000 Festmeter Stammholz brachte die FBG 16000 Festmeter Energieholz an den Mann. Größte Abnehmer waren die Heizkraftwerke im Kleinwalsertal, in Sonthofen, Oberstaufen und Immenstadt.

Was Vorstand Johann Jordan schon hatte anklingen lassen, macht auch den Geschäftsführern Sorge: der Rückzug der mittelständischen Sägewerksbetriebe. „Ein schleichendes Sägewerkssterben“, macht Tobias Schäfer aus. Viele kleine Betriebe stünden vor großen Investitionen oder einer Nachfolgeregelung. „Es ist ein klarer Konzentrationsprozess im Gang.“

Mit abnehmender Zahl der kleineren Unternehmen, verbessere sich die Marktposition der verbleibenden großen Sägewerke. Liefersicherheit werde zum entscheidenden Faktor, und die Zulieferung über weite Strecken zur Normalität. Man sei oftmals schon gezwungen, an Großsägen zu liefern, weil die kleinen aufhörten, beklagt Johann Jordan. „Es muss unser Interesse sein, die Strukturen zu erhalten.“

„Eine bedenkliche Entwicklung“, findet auch Roman Prestele. „Wir brauchen Sägewerke vor Ort, auch kleine.“ Die vielfältige Struktur sei für den Holzmarkt in einer Region wichtig. „Der beste Holzpreis nützt nichts, wenn das Geschäft nicht zustande kommt.“ Umso mehr sei eine Bündelung der Holzmengen angesagt, um im Markt mitzuspielen, so Prestele weiter. „Holz wird eingesetzt, Holz ist in!“ Es stelle sich aber immer mehr die Frage „woher kommt‘s, wer macht‘s“.

Die FBG sieht sich als schlagkräftiger Partner der Waldbesitzer. Und auch als entschiedener Gegner aller Bestrebungen, die Nutzung des Waldes einzuschränken etwa durch verordnete Flächenstilllegungen. Derzeit vertritt die Gemeinschaft mehr als 2700 Mitglieder, die eine Fläche von insgesamt 23000 Hektar Wald „mitbringen“. Wald sei nicht nur ein Wert an sich, sondern stehe auch für eine Vielzahl von Wohlfahrtswirkungen, nicht zuletzt als Klimafaktor, unterstrich Johann Jordan.

Mit großer Sorge beobachtet Jordan die aktuellen Diskussionen über eine mögliche Änderung des Bundeswaldgesetzes. Vor allem in den Forstlichen Zusammenschlüssen hegt man den Verdacht, dass damit Privatwaldbesitzern und Kommunen die Verantwortung für eine nachhaltige Bewirtschaftung aus der Hand genommen werden könnte. Die geplante Änderung des Gesetzes laufe darauf hinaus, dass nicht nur Forstliche Vereinigungen wie etwa die FBG Oberallgäu, sondern auch der Staat tätig werden dürfen wenn es um Forstwirtschaft gehe, insbesondere bei der Vorbereitung des Holzverkaufs oder die Organisation und Abwicklung von Holzerntemaßnahmen. Jordan befürchtet eine weitere staatliche Einflussnahme auf den Wald: „Da kommt alles mögliche raus – nur nichts Gescheites. Wir können bloß hoffen, dass das nicht Bundesgesetz wird.“ In den „Nachrichten vom Amt“ skizzierte Dr. Ulrich Sauter, Leiter des Bereichs Forsten die Ergebnisse des jüngsten „Verbiss-Gutachtens“. Während sich für das Gesamtbild bezogen auf Bayern keine erkennbaren Veränderungen ergäben, sei der ermittelte Verbiss von Waldbäumen im Bereich der Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen deutlich rückläufig gegenüber der Erhebung des Jahres 2012. „Ein sensationeller Erfolg“, so Sauters Kommentar, „oder das Ende des Anstiegs?“ Seit einem auffälligen Tiefstand um das Jahr 2003 war die Verbissbelastung wieder kontinuierlich angestiegen.

Hellwach sein müssten Waldbesitzer in den kommenden Wochen mit Blick auf eine mögliche Borkenkäfer-Massenvermehrung nach einem langen, warmen Herbst und milden Winter. Wehret den Anfängen, laute die Devise, empfahl Sauter. Dem Borkenkäfer dürfe man keine Chance geben.

Einen ganz speziellen Blick „auf die lieben Tierchen im Wald“ hatte zuvor schon Ludwig Straßer von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft LWF geworfen und festgestellt, dass zunehmend Schadinsekten einwanderten, die bislang nur in südlichen Ländern beheimatet seien. „Einheimische“ wie Buchdrucker und Kupferstecher seien ebenso auf dem Vormarsch wie Exoten, etwa der Asiatische Laubholzbockkäfer. Auch die Ausbreitung des Eschentriebsterbens mache Förstern und Waldbesitzern Sorge. Allerdings, so Straßer, werde die Esche als typischer Waldbaum nicht verschwinden.

Josef Gutsmiedl

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