Ordentlicher Holzpreis

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Die Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu versteht sich als Partner vieler kleiner Waldbesitzer und will ihre Mitglieder an der Wertschöpfung bestmöglich beteiligen.

Die Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu FBG profitiert weiterhin von der guten Auftragslage der Baubranche. Der Holzpreis ist nicht schlecht, könnte aber besser sein. Beim Holzmengenumsatz legte die FBG zu und immer mehr Waldbesitzer werden Mitglied der Einrichtung.

Sorge bereite allerdings die anhaltende Konzentration in der Sägewerkslandschaft: kleine Betriebe machen dicht, die verbleibenden „Großen“ suchen große Holzmengen und sind knallhart bei Verhandlungen. Nicht zuletzt um weiterhin schlagkräftig agieren zu können, wurde ein Erhöhung des Mitgliedsbeitrages beschlossen.

Jedes Jahr nutzt der Erste Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu, Johann Jordan, die Mitgliederversammlung, um das Bild der Sägewerksstruktur zu zeichnen. Ein Bild, das immer deutlicher zeigt: Den Markt beherrschen „die Großen“. Einzelne forstliche Vereinigungen wie etwa auch die FBG Oberallgäu seien längst zu klein, um mit den Konzernen auf Augenhöhe zu verhandeln, beklagte Jordan auch heuer. Um weiter „mitspielen“ zu können habe man im Jahr 2004 die Vermarktungsgenossenschaft in.Silva gegründet. Doch auch in.Silva müsse wachsen. „Wir versuchen für unsere Mitglieder die Wertschöpfung aus ihren Wäldern zu erhöhen“, betonte Jordan. Als jüngstes Beispiel für einen Coup im Wettbewerb führte der Vorsitzende das Projekt Kinderkrippe Waltenhofen an, wo die FBG 1000 Festmeter mondgeschlagenes Holz platzieren konnte. „Das ist deutschlandweit der erste öffentliche Bau dieser Größenordnung, der mit mondgeschlagenem Holz errichtet wird.“

Ordentlicher Holzpreis

Von einem „ordentlichen Holzpreis“ berichteten Geschäftsführer Roman Prestele und sein Kollege Tobias Schäfer. Der Holzmarkt kranke allerdings seit Anfang 2015 unter dem „Knick bei den Preisen“. Damals rutschte der Holzpreis nach dem Sturm „Niklas“ von knapp 100 Euro pro Festmeter ab auf 80 Euro. Dort verharrt er seitdem ohne wesentliche Ausschläge. „Uns fehlen fünf bis acht Euro“, bringt Prestele die Situation auf den Punkt. Zudem sei es schwierig, aus diesem Tal zu kommen, da große Kunden inzwischen die gewünschte Menge und Qualität europaweit transportierten.

Beim Holzmengenumsatz geht es für die FBG seit einigen Jahren weiter bergauf. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 73541 Festmeter, rund 7000 mehr als 2016. Damit liege die FBG nach mehreren Jahren wieder über den Zehnjahresmittel von 67000 Festmetern, so Tobias Schäfer.

„Gut aufgestellt“ sieht sich die FBG auch beim Thema Energieholz. Die Menge von 35000 Schüttraummeter Hackschnitzel entspreche rund 3,1 Millionen Liter Heizöl, rechnete Geschäftsführer Prestele um. Der Löwenanteil der Hackschnitzelproduktion geht an die Heizwerke und Heizkraftwerke im südlichen Landkreis Oberallgäu und im Kleinwalsertal.

Stetig nach oben geht es bei der Zahl der Mitglieder: aktuell sind 2876 Mitglieder mit einer Gesamtfläche von mehr als 22000 Hektar im Boot. Nach fast drei Jahrzehnten wurde die Beitragsstruktur „angepasst“. Bis 50 Hektar Waldfläche sind jetzt 27 Euro Mitgliedsbeitrag fällig (bislang 15 Euro); für größere Flächen kostet die FBG-Mitgliedschaft dann 120 Euro nach 80 Euro.

Abgerundet wurde die Versammlung mit einem Vortrag von Florian Vögele, der sich mit der Frage „Sind wir auf größere Schadensereignisse vorbereitet?“ befasste. Ausgehend von den Stürmen der vergangenen Jahre und deren zum Teil deutlichen „Eingriffe“ in den Holzmarkt, skizzierte Vögele eine Strategie, die letztlich verhindern soll, dass im Katastrophenfall „alles aus dem Ruder läuft“. „Das Konzept ist noch nicht ausgereift“, so Vögele. Zusammen mit forstwirtschaftlichen Partnern wolle die FBG wichtige Aspekte klären und gegebenenfalls Notfallpläne entwickeln.

Josef Gutsmiedl

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