Wenn‘s Radeln klappt, dann geht es: Sonthofen will Radstadt werden

So sieht es in einer Radstadt aus, wenn Stadt- und Verkehrsplaner konsequent auf Fahrrad-Mobilität setzen. Ein Beispiel aus Holland, das der Radverkehrsexperte Thiemo Graf in seinem Vortrag zeigte.

Sonthofen – Radfahren in der Stadt muss attraktiv sein. Dieser Schluss stand am Ende des jüngsten „Forum Radstadt“.

Unter dem Titel „Utopie oder Zukunft – Radstadt Sonthofen für Jung und Alt“ deutete der Radstadt-Experte Thiemo Graf an, wie der Weg der Stadt Sonthofen aussehen könnte, auf dem sie die Kriterien für das Prädikat „Radstadt“ ansteuern kann. Es muss im Alltag funktionieren, so das Rezept.

Eine „richtige“ Radstadt sollte einen Radverkehrsanteil von 40 Prozent am Gesamtverkehr haben. Für Sonthofen steht ein Ist-Anteil von 18 Prozent zu Buche. Radverkehrsexperte Thiemo Graf ist dennoch optimistisch: „Rund 50 Prozent sind möglich.“ Das hätten andere Städte bewiesen.

Das Auto „aussperren“ hilft Thiemo Graf zufolge nicht. Der beste Weg, die Menschen – egal welchen Alters – aufs Rad zu bringen, sieht der Radstadt-Experte in der klassischen Marketingstrategie: „Wenn die Menschen ein gutes Gefühl bei einer Entscheidung haben, machen sie‘s auch....“

Was für eine Kaufentscheidung gelte, treffe auch beim Mobilitätsbedürfnis zu. Das Auto werde gemeinhin mit dem Begriff „bequem“ verbunden. Um das Rad als Verkehrsmittel voran zu bringen, müsse man das Radfahren „bequem“ machen und Anreize schaffen, die zur Radnutzung ermunterten. Belohnungen seien der wesentliche Schritt Gewohnheiten und Routinen zu entwickeln.

Stellschrauben für die Kommunen sieht er vor allem in der Förderung des Radfahrens: „Die Kommune kann dafür sorgen, dass Radfahrer gut geleitet werden“. Ein gut wahrnehmbares, durchgängiges, schnelles Radwegenetz sieht Graf als Grundlage des Erfolges. „Pfadfinderlösungen“ wo der Radler seinen besten Weg erst mühsam erkunden müsse, schreckten dagegen ab. Anhand etlicher Beispiele und Erfahrungen aus Holland, untermauert Thiemo Graf seine Empfehlungen für den Radstadt-Kandidaten Sonthofen.

„Radfahren muss im Alltag problemlos funktionieren“, unterstreicht Graf. „Radfahren muss einfach sein.“ Und sicher: aus den schmalen Radwegen, oft kombiniert mit Fußwegen, könnten meist Radstraßen werden. Der Platz sei da, findet Graf: Je mehr Raum der Radfahrer habe, umso weniger Platz bräuchte der Autoverkehr. Als Patentrezept rät Graf: „Für kurze Strecken gilt es, das Rad zum schnelleren Verkehrsmittel zu machen.“ Wer die Gewissheit habe, mit dem Verkehrsmittel Fahrrad im Alltag klar zu kommen, fahre wo immer es in Frage komme, mit dem Rad.

Wie Radfahren in Sonthofen attraktiv und sicher sein solle, wenn die Straßenzustände oft „für Radler sehr gefährlich“ seien, wollte eine ältere Frau wissen. Die Stadt solle erst mal die maroden Straßen sanieren. Graf musste ihr Recht geben: Die Qualität der Straße mache in der Tat etwas aus, könne zu Stress führen und letztlich zur Verweigerung des Verkehrsmittels Rad.

Das Problem der Straßenschäden griff auch Bürgermeister Christian Wilhelm auf. Viele der städtischen Straßen stammten aus den 1960er und 1970er Jahren und seien somit Teil einer jetzt anstehenden „umfassenden Sanierungsaufgabe“; Löcher stopfen reiche nicht mehr. „Und jetzt ist der richtige Zeitpunkt, zu überlegen wie wir es machen“, stellte Wilhelm fest. Die Stadt werde „viel Geld in die Hand nehmen“, um als Radstadt wahrgenommen zu werden.

Josef Gutsmiedl

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