Wichtige Weichenstellung beim Frauenbund St. Michael

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Finni Simon (von links) Elisabeth Schad, Karin Henser und Hermine Hug hoffen auf eine gute Zukunft nach der „Fusion“ und einen weiterhin lebendigen Frauenbund.

„Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?“ Dieses Zitat des Malers Vincent van ­Gogh steht auf der Titelseite des aktuellen Programms des Sonthofer Frauenbundes St. Michael in Sonthofen.

Neben einigen Veranstaltungen, die in den kommenden Wochen stattfinden werden, weist der Zweigverein auch auf den Termin einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 24. April hin. Dann soll nämlich die Frage geklärt werden, wie es weitergeht. Weil der Nachwuchs fehlt, steht eine „Fusion“ mit dem Frauenbund Maria Heimsuchung zur Debatte.

„Ja, wie geht es weiter?“, fragen sich schon seit längerem die Frauenbund‘lerinnen um die Vorsitzende des Zweigvereins St. Michael Sonthofen, Karin Henser. „Wir jammern nicht“, betont die umtriebige Dame. Aber irgendwie müsse der Verein mit seinen rund 90 älteren Mitgliedern ja sehen, wie er aus dieser Notlage herauskomme.

In einem Unternehmen würde man sagen „die Personaldecke ist dünn“. Wie vielen Vereinen fehlt auch dem Frauenbund der Nachwuchs. „St. Michael ist da wirklich nicht alleine“, räumt Karin Henser ein, die seit fast 30 Jahren den Zweigverein leitet. Im Oberallgäu haben bereits mehrere Frauenbund-Vereine dicht gemacht, sich anderen Frauenbund-Vereinen in der Nachbarschaft angeschlossen.

Elisabeth Schad ergänzt: „Es gibt heute so viele Angebote, so viele Vereine und Möglichkeiten. Vor 30 und 40 Jahren war das anders.“ Dazu komme noch die Besonderheit, dass der Frauenbund nun einmal das Image habe, sich vorrangig um kirchliche Angelegenheit zu kümmern: Pfarrfeste, Blumenschmuck und Kaffeekränzchen für Senioren. Und das trage nicht dazu bei, junge Menschen für den Frauenbund zugewinnen. Karin Henser: „Schluss jetzt! Uns fehlen die jungen Leute.“

Dabei brauche sich der Frauenbund St. Michael nicht verstecken. Viele Aktionen habe der harte Kern des Zweigvereins angestoßen, mitgetragen und erfolgreich gestaltet, erinnert sich Henser. Vorträge, Kursangebote, Ausflüge, Verkaufsaktionen und Spenden hätten viel gebracht und den sozialen, caritativen Gedanken unterstrichen, der den Frauenbund als wichtige Institiution einer Pfarrgemeinde letztlich auch ausmache und präge.

„Nach solchen Aktionen waren wir immer super glücklich“, erinnert sich Karin Henser. Manche wertvolle Anregungen konnten die Sont- hoferinnen auch in den Diözesanverband in Augsburg einbringen, in dem auch Karin Henser mitarbeitete.

Als „Handlanger“ des Pfarrers etwa, oder der Kirchenverwaltung hätten sie sich jedenfalls nie gesehen, auch mal was Neues gewagt. Es entstand ein Zusammengehörigkeitsgefühl, es wuchsen Freundschaften, die nicht selten ein Leben lang Bestand hatten. Regelmäßig treffen sich die Frauen beim Gesprächskreis „Mona Lisa“ im Frauenbund-Stüble.

Zusammen arbeiten, etwas bewegen und miteinander in einer fröhlichen Gesellschaft sein, das seien die Dinge gewesen, die sie an der Gruppe stets geschätzt hätten, berichten Elisabeth Schad, Finni Simon und Hermine Hug. „Damals“, also als sie junge Frauen in der Pfarrgemeinde waren, erinnern sich die Drei, sei der Frauenbund der Treffpunkt gewesen, um dem Haushalt zu entfliehen für ein paar Stunden. Und beim Frauenbund seien Ehefrauen ja wohl gut aufgehoben, dachten die Männer, die dann ihrerseits da und dort für Männer-Jobs eingespannt wurden.

„Tradition“ des Frauenbundes St. Michael waren bis heute die Palmbuschen, die in mühevoller Arbeit vor der Osterzeit gebunden wurden, um am Palmsonntag verkauft zu werden. „Das waren oft ganz wilde Aktionen, bis uns die Männer die Zweige von Tannen und Weiden gebracht haben“, erinnert sich Karin Henser an diese „Glanzzeiten“. Die „Sache mit den Bienen“ habe damals schon Kritik ausgelöst: Man nehme den Bienen mit den Palmkätzchen die erste Nahrungsquelle nach dem Winter weg. „Wir sind da aber immer sehr behutsam gewesen...“, meint Henser weiter. Heuer ist auch damit Schluss. Osterkerzen gibt es aber trotzdem; die liebevoll und kreativ gestalteten Kerzen werden am Palmsonntag nach den Gottesdiensten verkauft.

Karin Henser sieht der geplanten „Fusion“ mit dem Frauenbund Maria Heimsuchung optimistisch entgegen. Die Mitglieder sollen in der Versammlung entscheiden, wie es weiter geht. Das müsse vereinsrechlich alles korrekt laufen, meint Henser. Einfach „verschwinden“ könne der Zweigverein St. Michael nicht. Man werde versuchen, ein bisschen St. Michael zu bleiben. Im Herzen. Dennoch: Die eine oder andere werde wohl nicht mehr wie bisher mitmachen, weil es einfach „weiter weg“ sei, wenn es Treffen gebe oder Aktionen. „Das ist dann nicht mehr nur ein paar Straßen weiter. Womöglich brauche ich dann ein Auto oder jemanden, der mich dorthin fährt...“, bedauert Finni Simon.

Josef Gutsmiedl

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