Tunnelneubau bei Obermaiselstein löst "mystische Tropfsteinhöhle" ab

Ein "Bypass" für die Lebensader

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Zum Richtzeichen „Tunnel“ montierten Bürgermeister Peter Stehle (von rechts), Landrat Anton Klotz, Bürgermeister Konrad Kienle und die Landtagsabgeordneten Eberhard Rotter und Eric Beißwenger (hinten) das Namensschild für den neuen Burgschrofentunnel.

Obermaiselstein – Der herbstliche Termin am Riedbergpass hat schon Tradition: seit rund 20 Jahren wird an der Kreisstraße OA 9 zwischen Obermaiselstein und Balderschwang abschnittsweise gebaut. Schwerpunkte in diesem Sommer waren der Tunnelbau und die Arbeiten auf der Passhöhe.

Nach vielen Jahren mit normalem Gebirgsstraßenbau an der rund 15 Kilometer langen Passstraße zwischen Obermaiselstein und Balderschwang gab es mit dem Tunnelbau bei Obermaiselstein eine Besonderheit. Und gleich zwei Feiern: Nach Bergmannsbrauch wurde der Tunnelanstich im April ebenso gefeiert wie das Ende der Arbeiten. Inoffizielle Freigabe der neue Tunnelröhre sollte bereits der Viehschied in Obermaiselstein sein. Tatsächlich konnte der Stichtag gehalten werden und die Alpviehherden waren am 23. September die ersten Nutzer des des neuen „Viehdurchlasses”. Die offizielle Verkehrsfreigabe für den neuen „Burgschrofentunnel” fand jetzt statt.

Deutlich schneller als geplant ging der Neubau der Tunnelröhre bei Obermaiselstein über die Bühne. Nach dem Tunnelanstich im April konnte jetzt die offizielle Verkehrsfreigabe des neuen „Burgschrofentunnels” gefeiert werden. Abgeschlossen wurde zudem der Bauabschnitt X auf der Passhöhe. Gebaut an der wichtigen Verbindungsstraße über den Ried­bergpass wird schon seit mehr als 20 Jahren. Einige kleinere Baustellen stehen noch auf dem Programm.

Ein Kuhhandel war es nicht, die Absprache mit der Tunnelbaufirma, möglichst schnell zu sein. „Wenn es länger dauert, kostet es, wenn es schneller geht, gibt`s Geld”, erläutert Christoph Wipper, Chef der Kreistiefbau-Verwaltung, das Geschäft. Gewonnen hatten das Rennen die Firma Baresel und als Subunternehmen die Firma Dobler, die den inoffiziellen Stichtag 23. September einhalten konnten und eine Punktlandung zum Viehscheid hinlegten. Tatsächlich konnten das Alpvieh den vergrößerten Tunnel als „Viehdurchlass” noch vor den Autos nutzen.

Als fünf Meter „Alpweg” war die heutige Passstraße Ende der 1950er Jahre geplant und ab 1960 ausgebaut worden. Für den Freistaat Bayern und später den Landkreis Oberallgäu wurde die Straße nach Balderschwang zur Dauerbaustelle. Das schwierige Gelände mit großen Steigungen und immer wieder auftretenden Rutschungen hielt die Bauverwaltung wie Baufirmen – und den Kreiskämmerer – auf Trab. „In den vergangenen 20 Jahren wurden rund 60 Millionen Euro am Riedbergpass verbaut”, zieht Landrat Anton Klotz anlässlich der Tunnelfreigabe eine Bilanz des kontinuierlichen Ausbaues. Die „immens wichtige Lebensader” Kreisstraße OA 9 zwischen Obermaiselstein und Balderschwang sei mehr als eine normale Gemeindeverbindung, sondern von hoher touristischer Bedeutung. Das rechtfertige den hohen finanziellen Aufwand. Ganz allein steht der Landkreis bei der Daueraufgabe Riedbergpass allerdings nicht. Der Freistaat Bayern beteiligt sich mit einer Förderung von 90 Prozent an den Baukosten. Beim Tunnelbau geht es mithin um insgesamt rund 6 Millionen Euro, wobei der Landkreis knapp eine Million investiert.

Der alte Tunnelbau aus dem Jahr 1959 unter dem sogenannten Burgschrofen entsprach längst nicht mehr den heutigen Anforderungen. Ein Begnungsverkehr von LKW war bei einer Fahrbahnbreite von viereinhalb Metern nicht möglich; die Durchfahrtshöhe auf 3,80 Meter beschränkt. Der Bauabschnitt VIII des Ausbauprojektes Riedbergpass hat diesen Missstand beseitigt.

Der neue „Burgschrofentunnel” ist 65 Meter lang und deutlich größer als sein Vorgänger, eine „mystische Tropfsteinhöhle”, wie Landrat Klotz meint. Die Firma Baresel, ein Spezialunternehmen für Tunnelbau, begann im April mit den Bauarbeiten. Während der erforderlichen Sprengungen in der Tunnelröhre und den weiteren Bauarbeiten musste der Fahrzeugverkehr über eine eigens gebaute Umfahrung geleitet werden. Das bei der Aufweitung anfallende ge Gestein wurde aufbereitet und sowohl beim Tunnelneubau als auch beim Straßenbau größtenteils wieder verwendet.

Die zweite jetzt abgeschlossene Baustelle befand sich heuer auf der Passhöhe. Hier wurde die im Vorjahr neu gebaute Renkertobelbrücke endgültig an die Kreisstaße OA 9 angebunden und die Zufahrt zum Skigebiete Grasgehren und den dortigen Parkplätzen neu gebaut. Zusammen mit dem Brückenbau, dem Abbruch der alten Brücke und Neuordnung der Anbindungen kostete der Bauabschnitt X rund 13 Millionen Euro – der dickste Brocken seit Jahren. Auch für den Kreishaushalt, wo immerhin rund 2 Millionen Euro Eigenanteil veranschlagt sind.

Im kommenden Frühjahr geht es weiter mit dem Ausbau der Passstraße. „Eher ein paar kleinere Sachen”, wie Christoph Wipper andeutet. Einige Steilstücke am sogenannten „Hennenbrunnen” werden abgeflacht und entschärft, weitere steile Felswände dauerhaft gesichert.

Mit der Tunnelfreigabe endete nach einem halben Jahr auch die Amtszeit der Tunnelpatin Claudia Stehle. In bergmännischer Tradition ist eine Tunnelbaustelle während der Arbeiten nach einer örtlichen Patin benannt. Jetzt wurde der „Claudia-Tunnel” nach der kirchlichen Segnung wieder auf den bisherigen Namen umbenannt und heißt ganz offiziell „Burgschrofen-Tunnel”.

Josef Gutsmiedl

Eröffnung des Burgschrofen-Tunnels

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