Freie Wähler: "Ernährungswirtschaft ist systemrelevant"

Krisenpaket für Landwirtschaft

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Landwirtschaft ist systemrelevant und darf in und nach der Corona-Krise nicht alleine gelassen werden, fordern die Freien Wähler im Bayerischen Landtag.

Oberallgäu – Die Land- und Ernährungswirtschaft ist systemrelevant. Das betonen die Freien Wähler in Bayern in einer aktuellen Pressemitteilung.

Die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln stehe für unsere Gesellschaft mit an vorderster Stelle. Der Handel von Grundnahrungsmitteln, wie etwa Milchprodukten, sei essenziell für die Nahrungsmittelsicherheit in der EU, weil die natürlichen Voraussetzungen unterschiedlich sind – und nicht immer eine Eigenversorgung mit heimischen Nahrungsmitteln gegeben ist. Daher dürfen die Folgen der Krise nicht zu einem Strukturwandel in Verarbeitung und Erzeugung führen, der diese Sicherheit für die Zukunft gefährdet. In mehreren Anträgen fordern die Freien Wähler, darunter der Oberallgäuer Landtagsabgeordnete Dr. Leopold Herz, Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses, wirksame Maßnahmen.

„Corona greift tief in das Leben der Menschen in Bayern ein – Land- und Forstwirte sind besonders betroffen.“ Darauf macht die Landtagsfraktion der Freien Wähler aufmerksam und stemmt sich mit einem Krisenpaket im Agrarausschuss des Bayerischen Landtages gegen die „zerstörerischen Auswirkungen der Pandemie“ am Land. „Wir wollen den Betroffenen rasch helfen. Zwar haben Milchviehbetriebe, die den Lebensmitteleinzelhandel bedienen, nach wie vor gute Abnahmebedingungen“, ergänzt Alexander Hold, Landtagsvizepräsident aus Kempten. Doch wer Molkereien beliefere, deren Milch für Großmarkt und Gastronomie bestimmt ist, leide wegen des monatelangen coronabedingten Shutdowns unter fehlenden Absatzmöglichkeiten, so Hold weiter.

„Um eine Milchkrise wie 2015 zu verhindern und den landwirtschaftlichen Strukturwandel nicht unnötig zu beschleunigen, setzen wir uns dafür ein, rechtzeitig wirksame Krisenmaßnahmen zu aktivieren – und zwar bevor es zu einem flächendeckenden Überangebot und Marktverwerfungen kommt“, so der Abgeordnete. Hierzu sollten auf europäischer Ebene rechtliche Grundlagen geschaffen werden, die als letzte Möglichkeit auch eine zeitlich befristete, EU-weite, obligatorische, entschädigungslose Milchmengenreduktion in Betracht ziehen. „Bayern ist die wichtigste Milcherzeugerregion der Europäischen Union. Eine weitere Milchkrise würde zu einem bisher nicht gekannten Hofsterben führen – das wollen wir unbedingt verhindern.“

Auch Bayerns Forstwirtschaft stehe derzeit vor großen Herausforderungen: „Stürme, Trockenheit und Borkenkäferbefall hätten zu einem massiven Holzüberangebot geführt“, weiß Leopold Herz. „Deshalb sind die Holzpreise im Keller und unsere bayerischen Waldbesitzer geraten zunehmend unter Druck.“ Mit einem umfangreichen Antragspaket greife die Landtagsfraktion der angeschlagenen Forstwirtschaft nun unter die Arme. Oberstes Ziel sei eine Förderung einheimischen Holzes als Roh- und Brennstoff. „Wir werden die Nachfrage nach Brennholz ankurbeln, eine thermische Verwertung von Holz fördern sowie Förderprogramme aufstocken und erweitern“, erläutert Herz. Außerdem fordere seine Fraktion eine generelle Förderung holzbasierter Kleinfeuerungsanlagen und Prüfung von Zuschüssen für Heizungsanlagen, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden, so Hold abschließend.

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