Ohne Handwerk geht nichts

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Kreishandwerksmeister Ulrich Kennerknecht (rechts) und Landrat Anton Klotz (von links) gratulierten den Innungssiegern Markus Bechteler, Raphael Vogler und Simon Übelhör.

Auf die Walz, die einst traditionelle mehrjährige Wanderschaft vieler Handwerksgesellen, gehen die wenigsten. Aber den „Goldenen Boden“, der den Handwerksberufen nachgesagt wurde, scheint es immer noch zu geben.

Zumindest sei eine Ausbildung im in Handwerk nach wie vor ein solides berufliches Fundament, betonten die Festrender der jüngsten Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Oberallgäu in Fischen. Im Rahmen der Feierstunde wurden 92 Junggesellinnen und Junggesellen aus der Ausbildung entlassen. Die meisten wollen erst einmal ihrem Ausbildungsbetrieb treu bleiben. 

Ein paar Monate „Walz“ könne er sich schon vorstellen, meinte Markus Bechteler, Innungssieger 2019 der Zimmerer. „Aber gleich drei Jahre... das wäre mir zu lange. Allen Respekt dem, der es macht.“ Tatsächlich ist dieser Brauch früherer Jahrhunderte, berufliche Erfahrungen zu machen, offenbar „out“ bei den jungen Berufsanfängern. Heute gebe es andere Wege, sich innerhalb seines Berufsfeldes weiter zu entwickeln, Erfahrungen zu sammeln und über den Tellerrand hinaus zu blicken, ergänzte Schreiner-Obermeister Stefan Holzer in der Gesprächsrunde, moderiert von Thomas Häuslinger. Und eigentlich könne es sich kaum ein Betrieb leisten, den gut ausgebildeten Nachwuchs langfristig auf die Walz zu schicken. 

„Gesellen werden benötigt“, unterstrich Kreishandwerksmeister Ulrich Kennerknecht. „Wir sind froh, dass es Euch gibt!“ „Gute Gesellinnen und Gesellen braucht das Land.“ In seiner Begrüßung hatte der Kreishandwerksmeister angedeutet, dass die 92 Junghandwerker des Jahrgangs 2019 „in eine gute Zukunft“ gingen. Offene Stellen in vielen klassischen Handwerksberufen gebe es derzeit zu Hauf. „Und unwahrscheinliche Möglichkeiten.“ Menschen mit Wissen und praktischem Können würden in allen Branchen notwendig gebraucht: „Ohne Handwerk geht einfach nichts!“ 

Auch der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz bescheinigte den Absolventen einen „wertvollen Grundstock für das berufliche Leben“, mit weitgehendem Schutz vor Arbeitslosigkeit und einem guten Verdienst. „Auszubildende sind inzwischen Mangelware“, so Klotz. Zudem würden Industriebetriebe zunehmend die Besten aus dem Handwerk abwerben. Es gelte, das Image des Handwerkberufes zu verbessern. Nicht zuletzt den Eltern solle man klarmachen, welche Chancen eine Ausbildung im Handwerk bieten könne, betonte der Landrat. 

Höhepunkt der Feierstunde war die traditionelle „Freisprechung“ mit der das Ende der Ausbildung und die Entlassung aus den Pflichten der Lehrzeit verbunden ist. Den Schritt in die Gesellenzeit vollzogen damit acht Friseurinnen, acht Maler / Lackierer, 17 Zimmerleute, 22 Lehrlinge in Bauberufen und 37 Schreinerinnen und Schreiner. 

Mit Urkunden und Preisen wurden wieder die Innungsbesten aus dem Bereich der Kreishandwerkerschaft Oberallgäu ausgezeichnetr: Raphael Vogler (Maurer), Simon Übelhör (Schreiner) und Markus Bechteler (Zimmerer). Die Förderpreise Holztechnik, ausgelobt von den ehemaligen Lehrern im Fachbereich Holztechnik der Staatlichen Berufsschule Immenstadt, gingen heuer an Mazimilian Leicht, Benedikt Huber und Simon Übelhör. Desweiteren erhielt mit Yosief Weldeslasse aus Eritrea ein junger Schreiner einen Sonderpreis für sein großes Engagement und eine persönliche Bestleistung während der Lehrzeit.

gts

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