Freiwilliges Milchgeld

Bewegung in den Milchmarkt bringen wird die Aktion „Allgäuer Milchgeld“ wohl nicht, die Susanne Felkner vom Bioladen „Ritterhof“ in Martinszell-Oberdorf gestartet hat. Aber mit dem freiwilligen Aufschlag auf den Verkaufspreis von Milch und Molkereinprodukten, will die Inhaberin des Bioladens auf die Situation der Allgäuer Milchbauern hinweisen - und auch darauf, dass Lebensmittel nicht verschleudert werden dürfen.

Als Susanne Felkner mit der Aktion startete, traf sie auf ganz unterschiedliche Reaktionen bei ihrer Kundschaft. „Die einen waren sofort hellauf begeistert“, berichtet sie. „Andere aber meinten: Solange viele Bauern selbst im Supermarkt Milch und Butter zu Billigpreisen einkauften, lehnten sie es ab, bei der Unterstützung der heimischen Bauern mitzuhelfen.“ Das „Allgäuer Milchgeld“ funktioniert ganz einfach: Beim Einkauf im „Ritterhof“ können Kunden beim Bezahlen „ihren Beitrag“ zur Aktion leisten und - freiwillig - zehn Cent in eine große Sammelbüchse in Form einer Milchkanne werfen. dafür gibt es einen kleinen Aufkleber, der signalisiert: Ich mache mit! Auch Susanne Felkner steckt den gleichen Betrag aus dem privaten Geldbeutel („nicht aus der Ladenkasse!“) in die Milchkanne. Damit alles registriert wird, ist ein Zählwerk oben an der Kanne montiert. Inzwischen, vier Monate nach Beginn der im Allgäu wohl einzigarteigen Aktion, sind mehr als 180 Euro in der Milchkanne. „Sicher, das ist kein großer Betrag“, meint Susanne Felkner und verweist auf die entsprechend kleinen Mengen, die sie in ihrem Laden in Oberdorf umsetzt. Sie setzt aber auf Solidarität und den langfristigen Effekt: Die Verbraucher sollen sehen, dass ihre Unterstützung nicht in irgendwelchen Konzern-Kanälen landet, sondern der Landwirtschaft vor Ort hilft. Deshalb soll das Geld, das in den nächsten Monaten als „Allgäuer Milchgeld“ gesammelt wird, über die Oberallgäuer Dorfhelferinnen-Station später an Familienbetriebe verteilt werden, die die schlechte Ertragslage in der Milchviehhaltung besonders hart trifft. Vielleicht gäbe es ja da und dort Nachahmer, die bei „Allgäuer Milchgeld“ mitmachten, hofft die Bioladen-Inhaberin. „Die Bauern in unserer Region haben doch keine Alternative zum Grünland“, kommt Michael Felkner auf die Idee mit der Milchgeld-Spende zurück. „Ackerbau geht hier einfach nicht. Und die Nischen für den Zuerwerb außerhalb der bäuerlichen Landwirtschaft sind klein.“

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