"Frostschutzmittel" Caritas

„Schwache und hilfsbedürftige Menschen an den Rand unserer Gesellschaft getrieben – solche Menschen gibt es bei uns im Oberallgäu viele“, weiß Stadtpfarrer Anton Siegel . Mit einem Dankgottesdienst dankte der Caritas Verband Kempten-Oberallgäu in der St. Nikolaus-Kirche für fünf Jahre Caritas-Tafel-Laden in Immenstadt. Tagtäglich kaufen gegenüber der Kirche rund 200 Menschen ihren Bedarf an Lebensmitteln ein.

„Der Caritas-Laden erfüllt eine wichtige Aufgabe für uns als Kirche, für unsere Gesellschaft und für uns als Mitmenschen.“ Bereits ins Stammbuch geschrieben sei es jedem Christen, sich um Schwächere in Liebe zu kümmern. „Ein Auftrag, der der Kirche durch die Heilige Schrift vorgegeben ist, in der aber auch lebendiger Glaube sichtbar wird“, betont Anton Siegel. Geradezu ein Reizsatz ist für Siegel: „Sie sind doch selber Schuld an ihrer Situation!“ – „Niemand kommt bei einem schweren Verkehrsunfall auf die Idee zu fragen, ist der Fahrer selber Schuld? …dann lassen wir ihn liegen! Genauso ist es unsere Aufgabe zu helfen, ohne zu hinterfragen“, ermahnt der Stadtpfarrer. Frage der Würde Eugen Stier, Vorsitzender im Caritasrat des Caritasverbandes Kempten-Oberallgäu weiß, dass viele Bedürftige trotz Einkaufsberechtigung sich für ihre Not schämen und der erste Schritt über die Tür des Caritas-Ladens ein unüberwindbares Hindernis bleibt. Ein freundlicher Gruß, ein nettes Wort der Mitarbeiter gebe den Menschen ihre Würde wieder. Siegel wie Wolf betonten: „Wenn auch zu günstigerem Preis, die Menschen bezahlen für ihre Ware.“ Eugen Stier gab mit Blick auf den Gottesdienst zu bedenken: „Wir vergessen oft als Erwachsene für Dinge zu danken, die wir als selbstverständlich empfinden. Fünf Jahre gemeinnützige Arbeit zum Wohle der Menschen am Rande der Gesellschaft, sind keine Selbstverständlichkeit.“ Seinen Dank richtete er an die, welche die Ware liefern, an die ehrenamtlichen Mitarbeiter und auch an die Menschen, welche die Ware nutzen. „Armut ist weiblich – nicht nur grammatikalisch. Unter den Besuchern trifft es besonders eine Zielgruppe von Schwachen“, rüttelte Wolf auf. Nachdenklich fügte er ein Zitat an: „Die Caritas ist ein Frostschutzmittel in einer kälter werdenden Gesellschaft.“

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