An der Kuh führt kein Weg vorbei

Zu seiner 85. Mitgliederversammlung hatte der Alpwirtschaftliche Verein im Allgäu – Vereinigung zur Erhaltung der Kulturlandschaft – nach bad Hindelang eingeladen. Der Zeitpunkt vor der neuen Alpsaison ist regelmäßig auch Anlass für eine Standortbestimmung. Jetzt gelte es, die Weichen zu stellen und Partner für überregionale Zusammenarbeit zu finden, so der Tenor der politischen Grußworte.

Mit den Fragen des Alltags der Bergler befasste sich der Geschäftsbericht des Alpwirtschaftlichen Vereins. „Ein Sommer, den man gerne wieder nehmen würde“, brachte Franz Hage, Erster Vorsitzender des Vereins, den vergangenen Alpsommer auf den Punkt. „Genau richtig, nicht zu nass, nie zu lange trocken. Futteraufwuchs bis in den Herbst hinein.“ Das Alp-vieh kam in meist sehr guter Verfassung ins Tal zurück, bestätigte Geschäftsführer Dr. Michael Honisch die positive Bilanz. Verluste hielten sich im Rahmen des Normalen. Von der Förderung der EU und des Freistaates Bayern profitierten im vergangenen Jahr auch die Alpen. Mehr als eine Million Euro wurden an Fördermitteln ausbezahlt. Da bewahrheite sich die Erfahrung, „wo investiert wird, wird nicht aufgehört“, so Honisch, seit Herbst vergangenen Jahres Geschäftsführer in der Nachfolge von Peter Danks. Zur Zukunftssicherung rechnet Honisch auch die Erschließungsmaßnahmen durch den Alpwegebau. Im Jahr 2010 werden voraussichtlich fünf Wegebauten oder Wegeverbesserungen ausgeführt. Der Alpwirtschaftliche Verein setzt sich auch auf politischer Ebene für die Belange der Berglandwirtschaft und der Alpwirtschaft ein. Honisch: „Ziel ist es, in der Alpwirtschaft das Erreichte zu erhalten und die Milchwirtschaft im Berggebiet insgesamt zu unterstützen.“ Hierbei, so seine Forderung, brauche es Verbündete, und „eine starke Politik, die hinter uns steht“. In wenige Jahren beginnt eine neue Förderperiode der Europäischen Union; und im Jahr 2015 endet die Milchquoten-Regelung. Dann gelten neue Spielregeln. Bis dahin müsse die Berglandwirtschaft ihren Platz als Produzent hochwertiger Lebensmittel und als Garant einer intakten Kulturlandschaft gefestigt haben. Wohin die Erntwicklung gehen werde, skizzierte der Schwäbische Europaabgeordnete Markus Ferber in seinem Vortrag „Europäische Perspektiven für die Berglandwirtschaft“. „Nicht jammern, sondern anpacken!“ appellierte der neue Amtschef im Bayerischen Landwirtschaftministerium, Ministerialdirektor Martin Neumeyer, an die Versammlung im Kurhaus in Bad Hindelang. Bayern und die Europäische Union setzten sich „Hand in Hand und aktiv für die Alpwirtschaft ein“, unterstrich Neumeyer. Strukturelle Anpassungen auf den sich veränderten Markt gebe es für die Berglandwirtschaft nicht. Umso mehr gelte es jetzt, die Rahmenbedingungen für die zukünftige Förderperiode der EU vorzubereiten. Ganz ähnlich beurteilt auch der Vorarlberger Landesrat Erich Schwärzler die Situation: Es stelle sich die Frage nach der Qualität der Produkte und der Erhaltung der Kulturlandschaft im Alpenraum. „Wir müssen bald Antworten haben; spätestens im Jahr 2012 brauchen wir eine Strategie, wenn wir bei der neuen Umverteilung der Förderungen mitreden wollen.“ Sonntagsreden seien dann nicht gefragt, vielmehr alltagtaugliche Konzepte, so Schwärzler. Ohne Viehhaltung gebe es keine Alpwirtschaft, ohne Alpwirtschaft gingen viele Arbeitsplätze verloren. „Ohne die Menschen und ihre Arbeit geht es nicht“, sagte Schwärzler. Die vielfältigen Leistungen der Landwirtschaft in der Bergregion müsse sich die Gesellschaft auch etwas kosten lassen, ergänzte der Landesrat, stets ein leidenschaftlicher Verfechter der Belange der Berglandwirtschaft. „Wenn eine Leistung gewünscht wird, muss man sie auch bezahlen“, brachte es Schwärzler auf den Punkt. Das seien keine Subventionen, sondern vielmehr die gerechte Entlohnung für Leistungen wie hochwertige Produkte oder Pflege der Kulturlandschaft. Auf einen „angemessenen Ausgleich“ für die schwierigen Arbeits- und Produktionsbedingungen legt auch der stellvertretende Oberallgäuer Landrat, Anton Klotz, Wert, wenn die Weichenstellungen für eine neue Basis der Förderung getroffen werden. „Die Alpwirtschaft hat nicht die Riesenumsätze, aber einen hohen Stellenwert“, unterstrich Alfons Zeller, Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Bergbauernfragen. Die Region brauche gerade mit Blick auf den Tourismus „ein Gesicht“. Wer die Prospekte durchsehe, die für den Allgäu-Urlaub werben, komme an der Allgäuer Braunviehkuh kaum vorbei. Einen Blick auf die Entwicklung auf die „Europapolitische Perspektive für die Berglandwirtschaft“ warf der Europa-Abgeordneter und Vorsitzende der CSU-Europagruppe, Dipl.-Ing. Markus Ferber. Auch er kommt zu dem Schluss: Die Zeit nutzen bis zum Jahr 2015, das definitiv das Aus für die Milchquote bringe. Die Berglandwirtschaft sei ein prägender Faktor für die Bergregion und mithin ein Markenzeichen für Heimat und Identität, von den vielfältigen Umweltschutzeffekten ganz abgesehen. „Der großartige Einsatz für die Gemeinschaft ist unbestreitbar, und ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Die Gesellschaft muss bereit sein, diesen Beitrag zu honorieren.“ Dennoch gelte es, den Schulterschluss der Bergbauerngebiete zu suchen und „grenzübergreifend klare Positionen zu beziehen“, drängte Ferber. Nur so sei man in den Verhandlungen gewappnet.

Auch interessant

Meistgelesen

Dorffest in Burgberg
Dorffest in Burgberg
„tatvorort“-Projekten der Blaichacher Bosch-Azubis
„tatvorort“-Projekten der Blaichacher Bosch-Azubis
Berglar Kirbe auf dem Fellhorn
Berglar Kirbe auf dem Fellhorn
Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu

Kommentare