Gegenwind für Windräder

Droht eine "Verspargelung" des Allgäus? Foto: Josef Gutsmiedl

Wieviel Windräder verträgt die Allgäuer Landschaft? Diese Frage wurde kürzlich vom Regionalen Planungsausschuss Allgäu diskutiert. Nicht neu ist der Widerstand gegen regelrechte Windparks in der attraktiven Landschaft der Region. Die Initiative Landschaftsschutz Kempter Wald und Allgäu e.V. verdeutlicht in einer Stellung-nahme ihre Bedenken gegen weitere Windkraftanlagen im Allgäu und eine weitere „Verspargelung“ der Gegend durch die hohen Türme und Rotoren.

„Das Allgäu hat andere Stärken, denn als Windparkregion zu glänzen“, stellt Reinhold Faulhaber, Erster Vorsitzender der Initiavie, in seinem Schreiben an die Mitglieder des Planungsverbandes fest. Die Mitglieder des Gremiums sollten verhindern, „dass Hand an den Ast gelegt wird, auf dem die Region wirtschaftlich sitzt“. Die herrliche Allgäuer Alpen- und Voralpenlandschaft sei nach wie vor Grundlage des Tourismus, von dem viele Tausende Menschen direkt und indirekt lebten, so Faulhaber weiter. 150 weitere Windkraftanlagen im West-, Ober- und Ostallgäu mag sich Reinhard Faulhaber nicht vorstellen: „Nachweislich sinkt der Erholungswert in Naturräumen, die durch technische Bauten belastet sind.“ Der Blick ruhe nicht mehr auf der reizvollen Voralpenlandschaft mit ihren grünen Wiesen, sondern wandere unweigerlich zu den Windrädern. „Das Allgäu hat die Chance, wenigstens im Süden sich als windradfreie Region auszuzeichnen und - windradgeschädigten - Erholungssuchenden das Juwel als unverbaute Oase anzubieten“, kontert Faulhaber alle Pläne einer Windrad-Aufrüstung im Allgäu. Allgäu – Für die Gegner von Windkraftanlagen (WKA) in der Region Allgäu ist die Sache klar: Schon jetzt verschandeln ihrer Ansicht nach zu viele „Stromspargel“ die Landschaft. Im Ober- und Ostallgäu sind es derzeit 30. Die „Initiative Landschaftschutz Kemptener Wald und Allgäu“ (ILKA) machte dies mit Plakaten vor dem Kaufbeurer Rathaus deutlich. Hintergrund war die Sitzung des Planungsausschusses des Regionalen Planungsverbandes der Region Allgäu, der über den Zubau weiterer WKA beriet. Im Verlauf der Sitzung wurde klar, dass mit einer Überarbeitung des Kapitels „Nutzung der Windenergie“ zukünftig durchaus mehr WKA entstehen können. Mehr Windkraftanlagen könnten durch Vergrößerung von Vorrang- und Vorbehaltsflächen zu Lasten von bisher ausgewiesenen Ausschlussgebieten entstehen. Das Gremium (siehe Infokasten) unter derzeitigem Vorsitz von Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse will mit eigenen Planungen den angekündigten Vorgaben der Staatsregierung über das Landesentwicklungsprogramm (LEP) zuvor kommen und das Heft des Handels in der Hand behalten. Auslöser ist das kürzlich beschlossene Bayerische Energiekonzept „Energie innovativ“ für den Umbau der Energieversorgung in Bayern bis 2021, in dem Wind und Gas eine stärkere Bedeutung zukommen sollen. Auch der Allgäuer Bundestagsabgeordente Dr. Gerd Müller hatte anlässlich der AllgäuSchau in Sonthofen angemahnt, dass im Zuge der sogenannten Energiewende auch das Allgäu Standort weiterer Wind- und Wasserkraftanlagen sein müsse. Durch die Allgäu GmbH und eza werden derzeit ein regionales Energiekonzept erarbeitet, welches Martin Sambale als Geschäftsführer der eza vorstellte. Auf der Grundlage der Auswirkungen des Klimawandels in der Region werden Handlungsfelder definiert und unter anderem auch eine detaillierte Potenzialstudie zur Windhöffigkeit in der Region erstellt. Daraus könnten interessante Standorte abgeleitet werden. Der Regionale Planungsausschuss beschloss, auf der Basis dieses Ergebnisses weitere Unter- suchungen hinsichtlich Naturschutz, Landschaftsbild und anderen Ausschlussgründen einzuleiten. Energiemix Vorsitzender Bosse warb für eine Fortschreibung des regionalen Energiekonzeptes mit Überarbeitung des Kapitels „Nutzung der Windenergie“ im Regionalplan. Allerdings müsse im großen Konsens mit allen Akteuren genau geprüft werden, wo Veränderungen erfolgen sollen. Außerdem sei zwingend eine Datenbasis erforderlich, da bisherige Quellen wie der Windatlas Bayern und diverse Studien Diskrepanzen aufzeigten. Der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser stützte diesen Vorschlag. Landrat Johann Fleschhut aus dem Ostallgäu ergänzte, die höhere Dynamik dürfe jedoch nicht in Aktionismus ausarten und sprach sich für einen intelligenten Energiemix aus. Auch Kemptens Oberbürgermeister Ulrich Netzer meinte: „Wir sollten das Heft des Handelns in der Hand behalten und nicht investorengetrieben handeln!“ Kreisrat Dr. Leopold Herz wies darauf hin, dass auch energetische Sanierungen und Fotovoltaik Alternativen darstellten und warnte davor, die Bürger über den Tisch zu ziehen. Auch Bürgermeister Josef Schweinberger sah dies ähnlich und möchte den Bürger als Investor mitnehmen, damit die Wertschöpfung in der Region bleibt. Deutlich wurde dies durch ein Modell der Gemeinde Bidingen. Deren Bürgermeister Franz Martin erläuterte, dass die Gemeinde selbst sich mittels Bürgerentscheid für den Bau und Betrieb einer WKA entschieden habe, nachdem externe Investoren dies geplant hatten. Nach Abzug aller Kosten bleiben der Gemeinde nach jetzigen Prognosen jährlich 150000 Euro Gewinn. gts/wb

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