Im Geländejeep zum Notfalleinsatz

40 Jahre Notarztdienst im südlichen Oberallgäu – "Mann der ersten Stunde" erinnert sich

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Roland Muxel (von links), Wachleiter Sonthofen, Rettungsassistent und NEF-Fahrer Rainer Bumann, Bastian Frank (Wachleiter Immenstadt) und Notarzt Bernd Leix warfen einen Blick auf die „Rettungsdienst-Geschichte“ im südlichen Oberallgäu.

Allgäu – „Bis vor 40 Jahren gab es im südlichen Oberallgäu keinen Notarztdienst. Die Krankenwagen waren spartanisch ausgerüstet und nur mit einem Sanitäter als Fahrer besetzt. „Was sich seit damals im Rettungsdienst alles getan hat, ist schon enorm“, findet Rainer Bumann. Er ist seit 50 Jahren im Rettungsdienst des BRK Oberallgäu tätig.

„Ich wurde mit 13 Jahren mehr oder weniger zufällig zu einem Einsatz mitgenommen und bin dabei geblieben“, so der sympathische Sonthofer. Zehn Jahre später war er als Rettungssanitäter an der Einführung der Notarztversorgung im südlichen Oberallgäu beteiligt. „In Kempten gab es den Notarztdienst zu dieser Zeit schon seit drei, vier Jahren. Wir strebten das auch im südlichen Oberallgäu an. 1980 war es dann soweit“, erinnert sich Bumann. Unter der ärztlichen Leitung von Dr. Peter Fuhren, dem damaligen Chefarzt der Anästhesie am Kreiskrankenhaus Immenstadt, stand der Notarztwagen wochentags von 8 bis 19 Uhr zur Verfügung. Nachts und an Wochenenden gab es zunächst keinen offiziellen Notarztdienst.

Viel Eigeninitiative

Die allererste Notärztin war Dr. med. Paule Harbarth, Oberärztin in der Anästhesieabteilung am Immenstädter Krankenhaus. Sie absolvierte gemeinsam mit Rainer Bumann und Fritz Adler im Mai 1980 die allerersten Einsätze mit Notarztbeteiligung. „Ganz am Anfang fuhr sie noch im Rettungswagen mit. Uns war es aber wichtig, dass der Notarzt immer auch eigenständig im sogenannten Rendezvous-System mit einem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) und mit einem eigenen Fahrer zum Einsatzort kommen konnte. Darum bauten wir in Eigeninitiative einen VW Passat, ein Fahrzeug der BRK-Verwaltung, mit sehr einfachen Mitteln um. Zupass kam uns, dass der Sonthofener Wachleiter, Karl Wörle, nicht nur Rettungssanitäter, sondern auch KFZ-Meister war“, lacht Rainer Bumann in Erinnerung daran, was damals alles problemlos möglich war.

„1982 stellten uns die Kollegen vom BRK Kaufbeuren ein Notarzteinsatzfahrzeug, einen BMW 320, zur Verfügung. Dies war möglich, da die Indienststellung eines Notarztdienstes dort noch nicht vollzogen war. Später bekamen wir dann über eine großzügige Geldspende der Firma Bosch, die Dr. Harbarth organisiert hatte, einen Geländejeep als Notarztfahrzeug.“ 

Freizeit im Dienst

Nachdem ein NEF zur Verfügung stand, bot Frau Dr. Harbarth an, auch in manchen Nächten und an Wochenenden das Fahrzeug zu besetzen. Dr. Harbarth und Rainer Bumann verbrachten in vielen Nächten und Wochenenden ihre Freizeit im Notarztdienst.

Parallel zu alledem machten es sich Rainer Bumann und Fritz Adler zur Aufgabe, die Rettungs- und Krankenwagen einheitlich mit Notfallkoffern auf- und auszurüsten. Fritz Adler war es, der einen sogenannten Notarzthelfer-Kurs implementierte. An vielen Abenden und Wochenenden waren Adler und Bumann im südlichen Oberallgäu unterwegs, um die ehrenamtlichen Sanitäter für den Notarztdienst fit zu machen. Für die ehrenamtlichen Fahrer des Notarztzubringers (NEF), die nachts und an Wochenenden Dienst taten, galt es, zusätzlich über eine entsprechende Ortskenntnis für den riesigen Einsatzbereich zu verfügen. Damals seien Sätze gefallen wie „bevor du im Oberallgäu NEF fahren darfst, machen andere Menschen ein Medizinstudium“, schmunzelt Rainer Bumann. Tatsächlich erstreckte sich das damalige Einsatzgebiet vom Kleinwalsertal über Wertach, Balderschwang und Oberstaufen bis Thanners.

Rund um die Uhr

Nach und nach nahmen zusätzlich Ärzte der Kliniken Immenstadt und Sonthofen sowie praktische Ärzte am Notarztdienst teil. Somit konnte rund um die Uhr ein Notarztdienst gewährleistet werden. Und noch etwas habe sich im Lauf der Jahrzehnte wesentlich verändert: „Heute sind Notärzte und Sanitäter durch die oft belastenden Einsätze freundschaftlich verbunden und arbeiten als Team auf Augenhöhe zusammen“, so Bumann. Früher wurden Sanis halt nur als Krankenträger bezeichnet.“

Es ist der Initiative und Beharrlichkeit einzelner engagierter BRK-Mitglieder und der Unterstützung von politischer Seite zu verdanken, dass sich schließlich in allen Allgäuer Regionen eigene Notarztdienste etablieren konnten: Heute befinden sich Notarztstandorte in Oberstdorf, Pfronten, Marktoberdorf, Kaufbeuren, Buchloe, Kempten, Lindenberg, Lindau sowie Immenstadt und Sonthofen (letztere beiden gehören zusammen). Sie sind aus unserem Alltag gar nicht mehr wegzudenken.

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