Geld für große Sprünge?

Mit der 30 Jahre alten HS-100-Schanze (Bildmitte) ist kein Staat mehr zu machen. Im kommenden Jahr soll ein Neubau an ihre Stelle treten. Foto: Josef Gutsmiedl

Die wichtigste der Oberstdorfer Sprungschanzen, die HS-100, ist in die Jahre gekommen und zählt zu den ältesten Schanzen weltweit. Jetzt steht ein Neubau ins Haus, der - einschließlich der Sanierung des Sprungrichterturmes - knapp fünf Millionen Euro kosten wird. Der Oberallgäuer Kreistag hat sich mehrheitlich (bei 19 Gegenstimmen) dafür ausgesprochen, wie der Markt Oberstdorf 600 000 Euro zur Finanzierung beizutragen. Einmal mehr wurde im Kreistag die Frage aufgeworfen, in wie weit sich der Landkreis in solchen Projekten engagieren solle.

„Da, wo es Geld gibt, fließt es ab - wo es kostet, bleiben die Lasten beim Steuerzahler“, brachte Kreisrat Heinz Möschel (Grüne) seinen Bedenken gegen eine weitere Beteiligung an den Kosten auf den Punkt. Das Geschäft mit Sportgroßveranstaltungen machten andere, so Möschels kritisches Fazit. Als Landkreis müsse man darüber nachdenken, wie Geld ausgegeben und eingespart werde. An einem Neubau werde kein Weg vorbei führen, deutete Kreiskämmerer Reinhard Reitzner an. Aufgrund der seit Jahren üblichen Sprungtechnik (der so genannte V-Stil) und Ausrüstung der Athleten sei eine grundlegende Anpassung der Schanzenkonstruktion not-wendig. Ein hochwertiges Training, so meinten die Fachleute, sei hier nicht mehr möglich. Auch in puncto Sicherheit sei die mittlerweile 30 Jahre alte HS-100 nicht mehr Stand der Zeit. Der Schanzentisch muss zurückversetzt und ins Gelände neu eingepasst werden. Zugleich soll der Sprungrichterturm im Zuge der Bauarbeiten saniert und auf moderne Ansprüche „aufgerüstet“ werden. Wegen der bestehenden Mängel darf die Normalschanze HS-100 ab dem Jahr 2013 nicht mehr für Wettkämpfe genutzt werden. Im Kreisausschuss hatte Stefan Huber, Geschäftsführer der Nordische Skisport GmbH, erläutert, dass die HS-100 „die wichtigste Schanze der Anlage“ sei. Es gehe um dem Erhalt des Standortes Oberstdorf als Bundesstützpunkt und als Leistungszentrum. Insgesamt wird der Neubau mit Turmsanierung knapp fünf Millionen Euro kosten. Der Bund und der Freistaat Bayern tragen 80 Prozent. Den Rest von rund 1,2 Milionen Euro sollen sich die Marktgemeinde Oberstdorf und der Landkreis Oberallgäu teilen. Dafür werden die Beteiligungen an der Nordischen Skisport GmbH entsprechend erhöht. Zusätz-lich übernimmt der Kreis eine Bürgschaft für 1,9 Millionen Euro, bis die Fördermittel für den Neubau eingehen. Nicht gerade glücklich über das Engagement des Lankreises zeigte sich auch Roman Haug (Freie Wähler): „Da könnte einem das Messer im Sack aufgehen.“ Letztlich bleibe es wohl bei „einer geballten Faust im Hosensack“, meinte der Hindelanger Kreisrat. Roman Haug erkennt „die typische Situation, dass dem Gremium von außen Maßnahmen aufgezwungen werden“. Es gebe den Druck „wenn wir nicht mitmachen, ist Oberst-dorf als Skisprungort weg“, so Haug im Kreistag. „Wo bleibt unser Einfluss? fragte er. Seine Fraktionskollegin Irmgard Kiechle ergänzte, sie sei nicht gegen den Schanzenbau, wohl aber dagegen, dass der Landkreis mitzahle. „Es kann nicht sein, dass wir immer alles mittragen müssen“, betonte SPD-Kreisrat Lothar Seidel. Wenn irgendwo ungedeckte Beträge auftauchten, so Seidel, sei „der Ruf nach Kommunen und Landkreis zu hören“. Ob es nicht andere Möglichkeiten der Finanzierung gebe, wollte der Kreisrat wissen. Ganz anders sieht CSU-Kreisrat Alois Ried aus Ofterschwang das Engagement des Landkreises. Die HS-100-Schanze sei entscheidend für das Training der Skispinger und die Nachwuchsförderung. „Leistungs-sport ist auch Jugendarbeit“, appellierte Ried und verwies auf rund 250 Nachwuchsspringer in der Region. Viele Verbände und Athleten aus ganz Deutschland nutzten die Anlage regelmäßig, gibt er zu bedenken. Ried sieht das Prädikat „Eliteschule des Sports“ gefährdet. Mit dem Schanzenbau könne die Region „ein Zei-chen setzen“.

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