Dank des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes konnte die Hans-Böckler-Straße in Sonthofen gebaut werden

Vom Feldweg zur Hauptverkehrsstraße: 50 Jahre Hans-Böckler-Straße

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Die Hans-Böckler-Straße in Sonthofen ist eine der Hauptverkehrsadern durch die Kreisstadt.

Sonthofen – Die Hans-Böckler-Straße, die sich von der Grüntenstraße bis zur Illerstraße durch Rieden schlängelt, ist eine der Haußtverkehrsstraßen der Kreisstadt. Sie ist die erste Straße, die nach dem Muster des GVFK in Sonthofen finanziert und gebaut wurde und feiert heuer ihren 50. Geburtstag.

Vor dem Ausbau der Hans-Böckler-Straße verlief an jener Stelle noch ein ungeteerter Feldweg mit dem Namen Riederweg. Heute undenkbar, ist doch die Hans-Böckler-Straße eine der meistfrequentiertesten Straßen Sonthofens. Sie verbindet Rieden mit der Innenstadt, ist gesäumt von zahlreichen Wohnhäusern und Geschäften.

Mit dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz gewährt der Bund den Ländern Finanzhilfen für Investitionen zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden. Das GFVK trat zwar erst am 1. Januar 1971 in Kraft, hatte aber eine rund fünfjährige „Vorlaufzeit“, die die Stadt Sonthofen nurzen konnte. Der Bau der Hans-Böckler-Straße wurde mit einem Staatszuschuss von 60 Prozent der beihilfefähigen Kosten gefördert. Ohne diese Förderung wäre der Bau der Straße für die Gemeinde kaum zu stemmen gewesen.

Als am 1. Dezember 1966 die erste schwarz-rote Koalition unter Kurt Georg Kiesinger und Willi Brandt gebildet wurde, hatte der damalige Münchner Oberbürgermeister Jochen Vogel „seiner“ SPD geraten, schwarz-rot nur unter der Bedingung, zuzustimmen, dass endlich das Thema „Ausbau und Finanzierung der innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen in Städten und Gemeinden“ behandelt wird. So kam zum 1. Januar 1967 per Steuerveränderungsgesetz die Erhöhung der Mineralölsteuer, mit dessen Aufkommen die Straßenfinanzierung mit 60 Prozent Staatszuschuss möglich geworden war. Deshalb genügte ein Telefonat des damaligen Sonthofer Bürgermeisters mit dem zuständigen Ministerialrat Pawlak im bayerischen Finanzministerium, um die Zuschusszusage zu bekommen. Voraussetzung war allerdings, dass ein Generalverkehrsplan vorhanden war. Genau den hatte der Sonthofer Stadtrat durch das Ingenieur-Büro Meinel in Augsburg gerade erst schaffen lassen. Damit war die Zuschusszusage perfekt. Ohne Papierkram, der später nachgeholt wurde, konnte die Stadt mit dem Bau der Straße beginnen.

Ab 1971, dem Inkrafttreten der GVFK, gab es in Sonthofen alle paar Jahre ein solches Straßenbauprojekt: Die Albert-Schweitzer-Straße, die Freibadstraße, die Berghofer Straße samt Salzweg und neuer Ostrachbrücke, das erste Teilstück der Elsa-Brandström-Straße und schließlich, zu Beginn der 1990er Jahre, die Altstädter Straße. Die Winkeler Straße baute und finanzierte die Bundeswehr als Zufahrt zum Winkeler Schießplatz. Die Hindelanger Straße folgte unter Bürgermeister Hubert Buhl.

Den heutigen Oberallgäuer Platz mit dem ihn umgebenden Straßensystem ließ der Stadtrat als „Erbe der Altvorderen“ unangetastet, weil niemand eine bessere Lösung wusste als die bestehende: verkehrstechnisch unfallfrei und stadtgestalterisch glänzend beurteilt durch den aus einem öffentlichen Architektenwettbewerb als Sieger hervorgegangenen „Schelle-Plan“. Der jetzige Stadtrat unter Bürgermeister Christian Wilhelm hat nun beschlossen, Sonthofen zur Radstadt zu entwickeln. Das ist gut, nicht nur für die Wanderwege im Außenbereich, sondern auch für die Weiterentwicklung des bestehenden innerstädtischen Straßenverkehrsnetzes. 

Karl Blaser, Altbürgermeister von Sonthofen

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