Neujahrsempfang von Stadt Sonthofen und Bundeswehr

Christian Wilhelm braucht einen "Mix aus Geduld und Beharrlichkeit"

+
Seit dem Stadtjubiläum im Jahr 2013 erklingt zu Beginn des Neujahrsempfangs die „Stadtfanfare“, präsentiert von der Stadtkapelle Sonthofen.

Der traditionelle Neujahrsempfang von Stadt Sonthofen und Bundeswehr heuer erstmals im Haus Oberallgäu statt. Das Casino in der Jägerkaserne war für die Schar der Gäste einfach zu klein geworden. Größtes Thema: Die Verzögerungen beim Umbau der General-Oberst-Beck-Kaserne.

„Manchmal braucht es viel Zeit, bis etwas Neues entsteht – mehr Zeit, als man eigentlich investieren wollte“, schlug Erster Bürgermeister Christian Wilhelm in seiner Rede beim Neujahrsempfang den Bogen von den langwierigen Sondierungsgesprächen in Berlin bis nach Sonthofen. „Zu Beginn meiner Tätigkeit als erster Bürgermeister bin ich davon ausgegangen, dass im kommunalen Bereich alles etwas schneller gehen könnte – wenn man nur will. Aber jetzt bin ich eines Besseren belehrt worden. Es gibt Projekte, die dauern und dauern“, so Wilhelm weiter. Um derartige Projekte zu einem guten Abschluss zu bringen, sei ein „Mix aus Geduld und Beharrlichkeit“ vonnöten.

Eines der Projekte, von denen Wilhelm bei seinem ersten Neujahrsempfang als Bürgermeister 2015 „niemals gedacht“ hätte, dass sie immer noch nicht abgeschlossen sind, ist der Bahnhof, der „in seiner Trostlosigkeit unverändert“ da stehe; jedoch fänden nach langem Hin und Her nun endlich Kaufpreisverhandlungen statt, so dass Wilhelm sich zuversichtlich zeigte, „dass in naher Zukunft ein wirkliches Schmuckstück entsteht, welches unsere Gäste begrüßt“. Auch im weiteren Umfeld des Bahnhofes werde sich einiges tun, wenn voraussichtlich im nächsten Jahr der Wertstoffhof zur Müllumladestation verlegt werde. Gut für die Sonthofer, die dann „in einem Aufwasch“ sämtlichen Abfall an einer Stelle entsorgen können und gut für das Image der Stadt, wenn Bahnreisende nicht mehr durch den Wertstoffhof „begrüßt“ werden.

Dauerbaustelle GOB

Der Umzug der Bundeswehr aus Jäger- und Grüntenkaserne auf die „Burg“, angekündigt für 2018, verzögert sich weiter. Bürgermeister Christian Wilhelm sprach die Wut der Anwohner in der Hofener Straße an, die „täglich mit der unfertigen Betonfassade der LKW-Garagen“ leben müssen. Er wandte sich an die anwesenden Vertreter des Staatlichen Bauamtes mit der Bitte, den Zustand nicht länger als nötig bestehen zu lassen und für eine ästhetische Gestaltung durch Bepflanzungen zu sorgen. Wilhelm zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass trotz der Verzögerungen die anvisierte Durchführung der Landesgartenschau 2028 möglich ist – „ich hoffe, dass wir es gemeinsam schaffen, durch unsere Begeisterung den Zuschlag für dieses Jahrhundertevent in Sonthofen zu erhalten und somit aus den Flächen ein Juwel für die Stadt zu entwickeln“, so Wilhelm weiter.

Dass sich auf der „Burg“ durchaus etwas tut, hatte der Standortälteste Klaus Werner Schiff zuvor in seiner Ansprache betont. So ist die erste Dienststelle des Standortes, das Zentrum Brandschutz der Bundeswehr, nun vollständig in ihre Räumlichkeiten in der General-Oberst-Beck-Kaserne gezogen. Wann die übrigen Dienststellen umziehen können, konnte Schiff jedoch auch nicht sagen, lediglich, dass sich der Umzug verschieben wird – „diese Prognose kann letztendlich nur das Staatliche Bauamt in Kempten“ abgeben.

Die Bundeswehr, so Schiff, befinde sich derzeit erneut in einer „Phase der Neuausrichtung und teilweisen Umstrukturierung“. Damit reagiere sie auf die geänderten politischen und militärpolitischen Rahmenbedingungen. Sowohl personell als auch materiell werde die Bundeswehr wieder aufgebaut – für den Standort Sonthofen sei das durchaus positiv, schließlich bleibe der Standort in seiner Existenz gesichert, und er wachse auch personell, da wieder mehr Lehrgangsteilnehmer an den Standort kämen: zwischen 8 000 und 10 000 im Jahr.

Das Zentrum Brandschutz und die Schule ABC-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben am Standort bilden laut Schiff eine „starke Gemeinschaft“ und arbeiten gut zusammen. Schiff hob auch die gute Arbeit der Sportschule Bundeswehr und der Sportfördergruppe in der Grüntenkaserne – „ein Dutzend der für Pyeongchang nominierten deutschen Sportler hat hier ihre militärische Heimat“ – hervor. Sowohl der Standortälteste als auch der Bürgermeister sprachen die Soldaten des Standortes an, die sich derzeit im Auslandseinsatz befinden.

Erfolgsgeschichten

Sonthofens Erster Bürgermeister Christian Wilhelm

Natürlich gibt es in Sonthofen nicht nur Verzögerungen, auch von Erfolgsgeschichten konnte Bürgermeister Christian Wilhelm berichten. So entwickle sich die Schuldensituation „weiter positiv nach unten, so dass wir Handlungsspielraum bekommen haben, den wir auch dringend brauchen, um die großen Projekte der Konversion angehen zu können.“ Und auch wenn sich die Entwicklung der Konversionsflächen derzeit verzögere, schreite die Stadt in ihren Planungen weiter voran; unter anderem unterstützt seit Jahresanfang ein Konversationsmanager die Stadt in dieser Hinsicht.

Das „Netzwerk Industrie 4.0“, von der Stadt Sonthofen initiiert, umfasst inzwischen 70 Unternehmen aus der Region sowie zahlreiche Bildungseinrichtungen und Institutionen. Die Netzwerkteilnehmer haben die Möglichkeit, sich über das Thema „Industrie 4.0“ untereinander auszutauschen. Durch das Netzwerk hofft die Stadt auch auf die Einrichtung eines Technologietransferzentrums auf den künftigen Konversionsflächen. Die Hochschule Kempten möchte dieses in Sonthofen einrichten.

Positive Entwicklungen gibt es auch beim Thema „Radstadt Sonthofen“. Mit Hilfe eines Radverkehrskonzeptes wird derzeit ein „attraktives Radwegenetz“ für Sonthofen ausgearbeitet, „ab dem späten Frühjahr werden auch die Bürgerinnen und Bürger die ersten Umsetzungen durch neue Fahrradwege und Fahrradleitsysteme genießen können“, versprach Bürgermeister Christian Wilhelm. Von der Entwicklung zur Radstadt werden in seinen Augen sowohl die Bevölkerung als auch die Urlauber profitieren.

eva

Auch interessant

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Innovatives Trailer Spray System sorgt für Sicherheit
Innovatives Trailer Spray System sorgt für Sicherheit
Viehscheid in Gunzesried
Viehscheid in Gunzesried
Viehscheid in Kranzegg
Viehscheid in Kranzegg

Kommentare