Funkmasten ja, aber wo?

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Nicht überall ist eine so elegante Lösung wie an der Skiflugschanze möglich. Hier könnten die Antennen für den Digitalfunk in die vorhandenen Fahnenmasten integriert werden.

Oberstdorf - Bis Ende 2015 soll in Bayern der Funkverkehr von Behörden, Polizei und Rettungskräften flächendeckend auf den Digitalfunkstandard TETRA umgestellt werden. In elf europäischen Staaten ist der Digitalfunk schon in Betrieb, in acht weiteren im Aufbau.

Für das neue System müssen neue Funkmasten aufgestellt werden, was im Gemeinderat Oberstdorf für kontroverse Diskussionen sorgte. Angesicht der Gemeindegröße und der alpinen Lage sind auf dem Gemeindegebiet insgesamt acht solcher Anlagen notwendig, um eine lückenlose Versorgung zu gewährleisten. 

Dies erläuterten Ulrich Wittfeld und Wilhelm Kielmann von der Firma Telent, die im Auftrag des Bayrischen Innenministeriums mit dem Aufbau des Netzes beauftragt ist. Auch wenn die Pläne nicht auf grundsätzliche Ablehnung stoßen, gab es in der Gemeinderatsitzung zahlreiche Bedenken. Kritische Fragen kamen vor allem zur Strahlenbelastung, zur Beeinträchtigung der Landschaft und zu möglichen Alternativen. Während einige Standorte (wie etwa im Bereich der Bergbahnen und auf der Skiflugschanze) vom Landschaftsbild eher unproblematisch sind oder relativ gut eingebunden werden können, sind andere umstritten. So könnte es bei dem Weiler Rohrmoos Probleme mit dem Denkmalschutz geben. Bei der Mindelheimer Hütte ist es von der Stromversorgung her schwierig. 

Kritischster Standort ist – neben dem Einödsberg – das Oytal, wo der Mast praktisch auf freier Fläche in Sichtweite des Oytalhauses stehen soll. „Ein 20-Meter-Mast kommt hier nicht infrage”, kündigte Gemeinderat Fritz Sehrwind (CSU) Widerstand an. Die Entscheidung zwischen den Sicherheitsbedürfnissen, gesundheitlichen Aspekten und dem Erhalt von Natur und Landschaft bereitete einigen Gemeindräten Kopfzerbrechen. So sieht Toni Huber (CSU) einen „Spagat zwischen Sicherheit und den Belangen des Tourismus”. Er möchte ein Gutachten zu den Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt und klare Regelungen bei der Kostenfrage. 

„Die Technik ist veraltet und zu teuer”, will Bergith Hornbacher-Burgstaller (Grüne) eine breitere öffentliche Diskussion mit Fachleuten und Kritikern der Technologie. Zu den schon vorhandenen 21 Mobilfunkmasten kämen nun noch acht hinzu, befürchtet sie eine zu starke Belastung. „Es geht um die Sicherheit unserer Bürger und Gäste”, forderte dagegen Otto-Mäx Fischer (Allianz für Tourismus) ein „positives Signal”. Martin Rees (Freie Wähler) möchte die Entscheidungsträger vor Ort stärker mit einbezogen wissen. Laut allen Studien gebe es keine Erkenntnisse zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, verteidigte Wittfeld die Pläne. 

„Man muss festhalten, dass wir deutlich außerhalb aller Grenzwerte sind”. Im Endeffekt blieb es beim Beschluss des Bauausschusses vom Dezember vorigen Jahres, das Verfahren „positiv zu begleiten”. Ein unabhängiges Immissionsgutachten des Umweltinstitutes München soll die gesundheitlichen Folgen untersuchen. Bürgermeister Laurent Mies sagte auch eine öffentliche Veranstaltung zu, um die Bürgerschaft zu informieren. Alternativvorschläge zu den Standorten Einödsberg und Oytal, wie von Anton Weiler (UOL) und Siegmund Rohrmoser (Grüne) angeregt, wollen die Planer prüfen lassen.

Heinrich Bonert

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