Geplantes Gewerbegebiet in Sonthofen Winkel: Anwohner laufen Protest

"Isch es bold üs mit dr Rüeh?"

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Am Zaun um den „Alten Schießplatz“ haben die Bürgerinnen und Bürger ihre Transparente fest gemacht.

Burgberg / Sonthofen - Hohe Wellen schlagen die Planungen für ein Gewerbegebiet im Sonthofer Ortsteil Winkel. Auf dem Gelände der „Alten Schießstätte“ an der Grenze zur Nachbargemeinde Burgberg will die Stadt Sonthofen ein „reduziertes Gewerbegebiet“ ausweisen. 

Der Haken: Die geplante Erschließung soll über ein Burgberger Wohngebiet führen. Die Anwohner fühlen sich schon jetzt „überfahren“ und protestieren. Mit der Ruhe und der Erholung in freier Natur direkt vor der Haustüre sei es dann wohl vorbei, befürchten vor allem die Anwohner der Edelweißstraße in Burgberg: mehr Verkehr, mehr Lärm. 

Den Planungen zufolge würde es diese Straße „treffen“, wenn die Erschließung des Gewerbegebietes wie geplant verwirklicht wird. Im Rahmen einer frühzeitigen Bürgerinformation bemühten sich Sonthofens Bürgermeister Hubert Buhl und sein Kollege Dieter Fischer aus Burgberg zusammen mit dem Planungsbüro Sieber die Wellen zu glätten und rund 70 Bügerinnen und Bürger aus Winkel und Burgberg im Rathaus zu informieren. Die nämlich fühlen sich von den bisherigen Beschlüssen und Planungen regelrecht überfahren und verkauft. Statt jetzt 250 Fahrzeugen pro Tag würden dann weit mehr als doppelt so viele durchs Wohngebiet fahren. 

Auch in Winkel würde es noch enger. Die Stadt habe die Planungen „nicht aus der hohlen Hand und aus den Wolken heraus“ eingeleitet, so Buhl. Der Bedarf an Gewerbeflächen sei „relativ hoch“ und man müsse nachdenken, wie man Unternehmen in der Region halten könne. Buhl verweist auf eine Reihe von konkreten Nachfragen. Es handle sich nicht nur um Verlagerungen, sondern auch um Zuzüge von auswärts, mithin um Schaffung neuer und Sicherung bestehender Arbeitsplätze. Auf dem Gelände können den Plänen zufolge etwa acht bis zehn Firmen und Handwerksbetriebe Platz finden. „Mehr sind es nicht; mehr werden es nicht sein“, versichert Buhl. 

Die Stadt hat im Zuge einer Änderung des Flächennutzungsplanes einen Bebauungsplan für das rund zwei Hektar große Areal aufgestellt, der auf der bisherigen Brachfläche des ehemaligen Schießplatzes ein „reduziertes Gewerbegebiet“ vorsieht. Reduziert deshalb, weil hier sehr konkrete Vorgaben gemacht werden können, welche Nutzung zulässig ist, welche Lärmwerte einzuhalten sind und wieviel Verkehr zusätzlich verursacht wird. Es gehe ausschließlich um ein „reduziertes Gewerbegebiet“, nicht um eine Industrieansiedlung, betont Buhl. Die Beschreibung vergleicht Andreas Eppinger vom Planugsbüro Sieber mit einem „großen Topf“ aus dem man quasi schöpfe und Zulässigkeiten, aber auch Nicht-Zulässigkeiten definieren könne. 

Die Bedenken der Anwohner und der neu gegründeten Bürgerinitiative könne er sehr wohl verstehen, ergänzt Burgbergs Bürgermeister Dieter Fischer, der selbst in der Edelweißstraße wohnt. „Bitte versorgen Sie mich in Zukunft auch mit Ihren Flugblättern“, bittet Fischer. „Doch bloß weil man da wohnt zu sagen es geht es nicht, geht nicht!“ stellte Fischer fest und erteilte dem Floriansprinzip nach dem Motto „gerne, aber nicht bei mir“ eine Absage. „Es muss erlaubt sein, nachzudenken, was wir machen“, so Fischer weiter. Klar sei auch, dass jeder selbst Verkehr „produziere“ – in einem „verdammt engen Raum“. Man werde die Überlegungen weiter verfolgen, mit „völlig offenem Ausgang“. 

Das Gelände an der Erzflöße stehe aus Gründen des Trinkwasserschutzes leider nicht zur Verfügung. Die Vertrter der neuen Bürgerinitiative „buwi“ (für Burgberg / Winkel) hegen dagegen den Verdacht, dass alles schon „unter den beiden Bürgermeistern geregelt“ sein könnte und Burgberg als Zufahrt für das gemeinsame Gewerbegebiet dienen soll. „Wir werden nicht locker lassen“, sagt Andreas Janßen aus der Burgberger Edelweißstraße. „Es geht uns ums Thema, nicht um Personen.“ Warum man nicht mehr auf die gemeinsame Strategie zum Gewerbeflächen-Management „Comunis“ setze, lautete eine Frage aus dem Publikum. 

Immerhin stünden im Landkreis rund 190 000 Quadratmeter Gewerbeflächen zur Verfügung. Comunis, so entgegnet Buhl, beschäftige sich mit Flächen größer als zwei Hektar; kleinere Areale, also auch der „Alte Schießplatz“, gingen außen vor. Und warum man nicht auf den Erwerb der Kasernenflächen warte, die in absehbarer Zeit für eine „gscheite“ Gewerbeansiedlung zur Verfügung stünden. „Weil’s schnell und einfach zu erreichen ist“, vermutet ein Bürger. Ein anderer befürchtet: „Die gesamte Planung schreit schon jetzt nach Ausweitung!“

Josef Gutsmiedl

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