Geschäfte im Würgegriff

Einzelhandel und Gaststätten im Krisenmodus: Kein Verkauf, kein Umsatz – und dann?

Seit Mitte März gilt eine Schließungsanordnung für die meisten Einzelhandelsgeschäfte. Alle hoffen auf einen baldigen Neustart nach der Krise.
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Die Coronakrise greift längst massiv in das Arbeits- und Geschäftsleben ein. Seit in Bayern der Katastrophenfall ausgerufen und weitgehende Ausgangsbeschränkungen wirksam wurden, sind weite Teile des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft lahm gelegt. Mit Ausnahme Lebensmittelläden und Supermärkten sind nahezu alle Einzelhandelsgeschäfte seit zwei Wochen geschlossen. Inzwischen gelten Ausgangsbeschränkungen. Firmeninhaber, Unternehmer und Dienstleister machen sich Gedanken und Sorgen, wie sie ihre Geschäfte durch diese Krise bringen. Eine Krise, von der keiner weiß, wie lange sie dauern wird.

Oberallgäu – „Die generelle Schließung von Geschäften trifft uns natürlich ganz massiv – wie den gesamten Einzelhandel”, betont Tobias Schaber, Geschäftsführer von Trachtenmoden Schaber in Immenstadt. „Geschlossene Geschäfte bedeuten letztlich: kein Verkauf, kein Umsatz.” Schaber spricht von einem massiven Einschnitt auf den man nicht habe reagieren können. „Inzwischen haben wir Kurzarbeit beantragt, um zusammen mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Krise zu bewältigen.” In einigen Bereichen – etwa in der Vereins- und Gastronomieausstattung würden noch Aufträge weiter bearbeitet; der klassische Verkauf im Geschäft sei wie angeordnet eingestellt, der Online-Verkauf laufe selbstredend weiter. „Unsere Mitarbeiter gehen diesen Weg gemeinsam mit uns und zeigen dadurch eine starke Verbundenheit“, so Tobias Schaber weiter. „Ich bin stolz, dass unsere Mannschaft so engagiert bei der Stange bleibt. Gemeinsam meistern wir diese gewiss nicht einfache Situation; wir lassen uns den Mut nicht nehmen. Ich bleibe zuversichtlich.” 

„Das Beste daraus machen“ will auch Thomas Bühler, Inhaber von „T & M Sport“ in Blaichach. Auch Bühler hat bald nach der Schließungsanordnung den „Schalter“ auf Kurzarbeit gestellt, um Zeit zu gewinnen und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten. „Irgendwann geht es ja weiter“, meint er und hofft auf staatliche Unterstützung, falls es finanziell für sein Unternehmen düster werden sollte. Man sei schließlich auf Verkauf angewiesen. Auf diesen Schub hoffe er nach der Krise. 

Sich den Optimismus bewahren will auch Andi Brittain, Inhaber des Laufsport-Geschäftes „Bergling“ in Sonthofen. Schon vor einigen Monaten habe er die Online-Präsenz forciert. Jetzt bietet Brittain einen Lieferservice im südlichen Landkreis an und spezielle Corona-Schnäppchen. „Wir sind online und telefonisch weiterhin erreichbar; sogar eine kontaktfreie Übergabe der Ware lässt sich meist problemlos arrangieren“, so Andi Brittain. 

Das Unternehmen und das Ladengeschäft in der Stadt selbst hat er auf „Sparflamme heruntergefahren“, will möglichst kostensparend über die Krisenzeit kommen. Auf Dauer reiche das allerdings nicht zum Überleben; Kredite müssten irgendwann bezahlt werden, etwaige Stundungen würden fällig, laufende Kosten blieben... 

„Und wer kauft in diesen Wochen großartig ein, wenn massive Unsicherheit herrscht?“, fragt Brittain und appelliert: wenn schon jetzt online einkaufen, dann bei einem Geschäft vor Ort. „Diese gilt es über die Krise zu bringen!“, so Brittain. 

Besonderes Pech in der Krise hatte Axel Reusch, Inhaber des „LaufLadens“ in Sonthofen. Mitte März eröffnete er nach dem Umbau sein Geschäft nach einer mehrwöchigen Pause wieder – um ein paar Tage darauf erneut dicht zu machen: Corona-Alarm. „Richtig Angst habe ich nicht. Irgendwann wird die Neueröffnung erneut stattfinden“, gibt sich Reusch gelassen. Er hofft wie die Branchenkollegen, dass das Geschäft im wesentlichen nur verschoben ist. Seine Zulieferfirmen hätten sich kulant und kooperativ gezeigt. „Die Unsicherheit und die verhaltene Kauflaune spüre ich natürlich sehr wohl, etwa im eigenen Online-Handel.“ Reusch hofft, dass möglichst wenige seiner Kunden „fremdgehen“ bei großen Online-Anbietern, und ihre Kaufabsicht nach der Krise ihren Ladenschließungen bei ihm im Geschäft wahr machen. 

Heinz Kellershohn, Hotelier in Oberstaufen, musste wie alle Beherbergungsbetriebe vor gut einer Woche komplett schließen. „Die Gäste, die abreisen mussten, fühlten sich sicherer hier und bei uns, als dort wohin sie zurückreisen mussten.“ Auch für sein Familien-Unternehmen bedeute diese Maßnahme einen massiven wirtschaftlichen Einschnitt. Der SPD-Gemeinderat denkt weiter: Industrie, Handel, Dienstleistungen und Gewerbe müssten – nicht nur in Oberstaufen – breiter aufgestellt werden, damit keine Monostrukturen auf dem Arbeitsmarkt entstehen. Notwendig sei daher die Gründung eines Wirtschaftsbeirats zur Abstimmung aller unternehmerischen Aktivitäten, findet Heinz Kellershohn.

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