verdi: Reha-Kliniken im Oberallgäu bedroht

Reha hängt am Tropf

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Die Reha-Klinik Sonthofen leide wie vergleichbare Einrichtungen an „massiver Unterfinanzierung“, kritisiert ver.di Allgäu in einem offenen Brief.

Oberallgäu - Bei der Gewerkschaft ver.di im Allgäu läuten die Alarmglocken: die Reha-Kliniken in der Region drohen auszubluten!

Die Gewerkschaft ver.di - Bezirk Kempten/Allgäu und Landkreise Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen - schlägt Alarm: In einem offenen Brief an alle politischen Mandatsträger der Region macht sie auf „negative Zeichen für die Zukunft der Reha-Kliniken“ im Allgäu aufmerksam. Konkret drohten Einschnitte „wegen mangelnder Belegung“ bei der Alpenklinik Santa Maria in Oberjoch und der Reha-Klinik Sonthofen. 

Den Kern des Problems sieht Jutta Aumüller, Gewerkschaftssekretärin bei ver.di in Kempten, vor allem in den politischen Entscheidungen, durch die weniger Mittel aus der Renten- und Krankenversicherung für medizinische Reha-Maßnahmen zur Verfügung stünden. Die Voraussetzung für Reha-Verordnungen würden zudem immer weiter eingeengt. 

Auswirkungen sieht Jutta Aumüller jetzt ganz deutlich in der Region. So habe man den Beschäftigten der Alpenklinik Santa Maria in der Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge vor Kurzem „Umstrukturierungen wegen mangelnder Belegung“ angekündigt. „Unseren Informationen zufolge werden in der Alpenklinik Stellen abgebaut und rund 16 Beschäftigte ihre Kündigung erhalten“, so die Gewerkschaftssekretärin in dem offenen Brief. 

Das klinge – für die Adressaten des offenen Briefes – vielleicht „nicht besonders aufregend“, heißt es in dem ver.di-Papier weiter, „aber wir halten dies für äußerst dramatisch und ein negatives Zeichen für die Zukunft der Reha-Kliniken und der dort Beschäftigten in der Gesund- heitsregion Allgäu“. Ernst sei die Lage auch deshalb, weil damit die ortsnahe geeignete Behandlung bedroht sei. 

Die schlechte Belegung der Reha-Einrichtungen führt ver.di auf die Deckelung des Budgets für Reha-Maßnahmen und ein fehlendes Wahlrecht für Patienten zurück. Zudem kritisiert die Gewerkschaft eine Zuteilungspraxis an Kliniken, die sich nicht am Krankheitsbild der Patienten orientiere. Gerade die Alpenklinik in Oberjoch leiste als einzige Hochgebirgsklinik in Deutschland wertvolle Reha-Arbeit vor allem für Kinder. 

Eine Maßnahme die Klinik zu stützen sieht ver.di etwa darin, dass Kosten für die Begleitung erkrankter Kinder durch die Eltern bis zum Alter von zehn Jahren erstattet werden und nicht nur bis drei Jahre. Auch über den „Betreuungsschlüssel“ müsse man sich Gedanken machen in dieser speziellen Klinik, die vor allem „sehr kleine und sehr kranke Patienten“ aufnehme. 

Schließlich solle das Wunsch- und Wahlrecht wieder eingeführt werden, so eine weitere Forderung an die politisch Verantwortlichen: „Momentan entscheidet nicht die Krankheit über die Klinikwahl, sondern die Interessen der Kostenträger.“ Jutta Aumiller ist sich sicher : „Die Gesundheitsregion insgesamt wird unter dieser Entwicklung leiden.“ Die politischen Vertreter sollten ihren Einfluss geltend machen – für den Erhalt bewährter Reha-Einrichtungen und „zum Wohle der Bürger“.

Josef Gutsmiedl

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