Heißes Eisen Ausschüttung: Sparkasse Allgäu will auf Nummer sicher gehen

Eine Frage der Sichtweise: Sparkasse Allgäu vs. Stadt Immenstadt

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Unterschiedliche Sichtweisen, wenn‘s ums Geld (der Sparkasse Allgäu) geht: Manfred Hegedüs (links) und Dr. Guido Eilenberger.

Immenstadt– Kein Geld für Immenstadt, keine Entscheidung, aber eine Vielzahl von Informationen gab es in der jüngsten Diskussionsrunde über eine mögliche Ausschüttung der Sparkasse Allgäu. Eine nichtöffentliche Debatte, in der Befürworter und Gegner der gewünschten Gewinn­ausschüttung zu Wort kamen.

Auf dem Podium der Vorstand der Sparkasse Allgäu, Manfred Hegedüs, und Prof. Dr. Guido Eilenberger, renommierter Fachmann für Themen der Betriebs- und Finanzwirtschaft. Fazit: keine Annäherung der Standpunkte, aber zumindest ein Austausch der Sichtweisen. Um wie viel Geld es letztlich gehen könnte, blieb offen.

Auf was es in der Praxis bei der Beurteilung der Fähigkeit eine Ausschüttung zu tätigen, ankomme, hatte Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp vorausgeschickt: „Die Sparkassenordnung lässt Ausschüttungen an die Träger zu. Allerdings ist wesentliche Voraussetzung, dass das Deckungspotenzial größer ist, als die bankenaufsichtlichen Kapitalanforderungen – jetzt und in Zukunft.“ Es müsse immer soviel Geld „in der Kasse“ sein, dass die Sparkasse Allgäu aktuelle und zukünftige Anforderungen der Bankenaufsicht erfüllen könne.

Es geht – vereinfacht dargestellt – um zwei wichtige Kennzahlen: das sogenannte Risikodeckungspotenzial einerseits, das verfügbare Eigenkapital mit Liquiditätsreserven, und andererseits die an denkbaren Finanzrisiken orientierte Kapitalausstattung, die die Bankenaufsicht fordert, damit das Unternehmen auch zukünftig im Bankgeschäft in der gesamten Breite mitspielen darf. Schaupp: „Dazu gibt es unterschiedliche Sichtweisen.“ Diese Sichtweisen den Mitgliedern des Stadtrates und Vertretern der Träger der Sparkasse detailliert darzustellen, war Ziel des Podiumsgesprächs in Immenstadt.

Man kämpfe gegen einen „Verfall der Ergebnisse“, skizzierte Vorstand Manfred Hegedüs die Situation der Sparkasse Allgäu. Je länger die Niedrigzins- phase andauere, umso mehr belaste das Ergebnis. „Bei den Zinserträgen rumort es.“ Folglich habe er die Szenarien der Geschäftsentwicklung für die nächsten Jahre bewusst vorsichtig entwickelt.

Entsprechend „unvorteilhaft“ präsentiere sich auch die zu erwartende Summe für das „Risikodeckungspotenzial“ im Jahr 2019 mit 423 Millionen Euro. Parallel dazu die zweite Schlüsselmarke: rund 502 Millionen Euro für die Kapitalanforderungen der Bankenaufsicht. Hegedüs: „Ich hoffe, dass wir das Szenario so nicht sehen.“

Prof. Dr. Eilenberger rechnet dagegen mit einem allmählichen Ende der Niedrigzinsphase und wachsenden Erträgen aus Zinsgeschäften. Eine „Rückkehr zur Normalität“ werde bis 2019 erreicht sein. Die Provisionsüberschüsse, also Gewinne aus Verkäufen von Wertpapieren oder Versicherungen, würden ebenfalls wieder mehr Gewinn abwerfen. In seinem Szenario kommt Eilenberger zu ganz anderen Zahlen. 478 Millionen Euro stehen hier als Deckungspotenzial gegenüber 366 Millionen an Eigenmittelanforderungen. Mithin grünes Licht für eine Ausschüttung. „Sie rechnen sich nicht reich, sondern arm!“, bringt Eilenberger seine Einschätzung auf den Punkt.

Hier widerspricht Hegedüs, der auf dem Provisionssektor „eine Sättigung“ erkennt. Die Sparkasse sei keine Drückerkolonne: „Noch ein Bausparvertrag geht nicht...“ Und die von Eilenberger beobachtete Trendwende sei womöglich nur eine der üblichen Wellenbewegungen. Die Sparkasse Allgäu sei überdies „relativ schwach beim Eigenkapital“ im bayernweiten Vergleich, gibt der Vorstand zu bedenken. Seine Sparkasse rangiere bei der Kapitalausstattung „ganz weit hinten“. Er, Hegedüs, habe den Auftrag, die Sparkasse Allgäu nach vorne zu bringen. „Ich halte daran fest und empfehle, von Ausschüttungen aus dem Sparkassenkapital abzusehen.“

Schützenhilfe bekam Ausschüttungsverfechter Eilenberger vom „Sparkassenschreck“ Rainer Gottwald aus Landsberg. Gottwald kritisiert seit längerem generell, dass die Geldinstitute ihre Gewinne lieber in Rücklagen stecken, statt die Träger – Kommunen und Landkreise – davon profitieren zu lassen. Die Sparkassen sollten jetzt die Interessen der Träger berücksichtigen, also Ausschüttungen vornehmen, plädiert Gottwald auch in Immenstadt. „Das geht, ohne dass es der Sparkasse weh tut.“ Die Bank werde nicht geplündert. Die Frage nach einer Ausschüttung wie sie aus dem Immenstädter Stadtrat gekommen sei, dürfe man durchaus stellen, fasst Hegedüs zusammen. „Wenn keine Lücke mehr da ist, können wir.“ Im Sinne eines „vorsichtigen Kaufmanns“ habe er sein Szenario aber „bewusst vorsichtig“ gestaltet.

Stadtrat Peter Schmid machte die Rechnung anhand der belegten Gewinnrechnung zum Jahresende 2016 auf: Dabei kämen beide Parteien zu einem Ergebnis, das eine Ausschüttung sehr wohl zulasse. „Da sehe ich kein Risiko. Es geht ja nicht um hunderte von Millionen.“ Sparkassen-Chef Hegedüs plädierte ein weiteres Mal energisch für seine Strategie des „heute Vorsorge betreiben“.

gts

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