"Wir brauchen mehr Frauen mit politischer Verantwortung!" Katharina Schulze beim Grünen Frauenfrühstück

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Gemütliche Atmosphäre beim Frauenfrühstück der Oberallgäuer Grünen mit, von links: Christine Rietzler, Kreis- und Bezirksrätin, die stellvertretende Landrätin Ulrike Hitzler, 3. Bürgermeisterin Ingrid Fischer, Kreissprecherin Christina Mader und die Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag Katharina Schulze.

„Warum müssen unbedingt mehr Frauen in die Politik?“ Unter diesem Motto hatten die Oberallgäuer Grünen zu einem Frauenfrühstück  in Sonthofen geladen. Mit dabei: die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag Katharina Schulze und mehrere Oberallgäuer Kommunalpolitikerinnen

„Mehr Macht den Frauen!“ – über diesen Spruch, mit der einer der Tische beim Frauenfrühstück dekoriert war, freute sich Katharina Schulze sichtlich. Schließlich, so Schulze, dürften Frauen zwar seit inzwischen 100 Jahren in Deutschland wählen – „wir haben aber noch lange nicht die Hälfte der Macht!“ 

Frauen in Deutschland, so Schulze weiter, verdienen nach wie vor weniger als Männer, arbeiten verhältnismäßig oft in Berufen, die chronisch schlechter bezahlt werden, sind in Vereinsvorständen, Parteien und politischen Gremien unterrepräsentiert. „Bundestag und bayerischer Landtag sind so testosterongetränkt wie lange nicht mehr!“ 

Als die Grünen ihren „Hälfte der Macht“-Gesetzentwurf im Bayerischen Landtag präsentiert haben, sei es bei der Debatte hoch her gegangen. Der Entwurf sieht eine Änderung des Bayerischen Wahlgesetzes vor, der für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Gremium sorgen soll. Bei ihrem Redebeitrag, erzählte Schulze, habe sie in „wutverzerrte Gesichter auf der Männerseite“ geblickt – auf der Seite des Landtags, in der die Fraktionen von CSU und AfD sitzen. Ihre Erklärung für die Empörung unter den – konservativen – Männern: sie wollen keine Macht abgeben! 

Frauenrechte seien noch nie Geschenke gewesen. Vor mehr als 100 Jahren hätten mutige Frauen, teils unter Einsatz ihres Lebens, für ihr Recht zu Wählen gekämpft. Auch der Gesetzes­änderung von 1997, laut der Vergewaltigung in der Ehe nicht mehr straffrei ist, seien teils harte Debatten vorangegangen. Deshalb, so Schulze weiter, werde auch der Kampf um mehr Macht in der Politik nicht ohne Kämpfe vonstatten gehen – und genau deshalb sei Solidarität unter Frauen so wichtig. „Wir brauchen mehr Frauen in der politischen Verantwortung, damit Frauenthemen mehr Gewicht bekommen!“ Frauenthemen, wie beispielsweise Zuschüsse für Frauenhäuser: seit sie 2013 im Landtag sitzt, werde darüber gestritten, so Schulze. „Frauen brauchen Schutzräume! Es ist ein Armutszeugnis für das reiche Bayern, wenn Frauen im Frauenhaus abgewiesen werden, weil kein Platz für sie ist!“ 

Aber auch auf kommunaler Ebene gebe es genügend Themen, die vor allem Frauen betreffen. Dazu zählen Gehsteige ohne Absenkung, die ein Hindernis auch für Kinderwägen darstellen, oder ein schlecht getakteter Busfahrplan, so dass Kinder auf den „Fahrdienst“ der Mutter angewiesen sind,... „Macht mit, mischt euch ein, tretet in Parteien ein, lasst euch aufstellen!, rief Katharina Schulze die anwesenden Frauen auf, sich politisch zu engagieren. Denn: „Man bekommt die Welt nicht besser gemeckert, man bekommt sie besser gemacht!“ 

Im gemütlichen Ambiente des Café Herrlein sprachen anschließend mehrere Kommunalpolitikerinnen von ihrer politischen Arbeit und von den Vorurteilen, die ihnen gerade zu Beginn ihres Engagements entgegengeschlagen seien. Bezirks- und Kreisrätin Christine Rietzler erzählte, dass man sie ganz erstaunt gefragt habe, ob sie „das auch noch“ machen wolle; Irene Gehring, stellvertretende Blaichacher Bürgermeisterin erinnerte sich, dass „Mann“ ihr, als sie neu im Gemeinderat war, geraten habe, einfach dazusitzen und nichts zu sagen. Ulrike Hitzler, stellvertretende Landrätin, erzählte, dass der Frauenanteil im Kreistag weniger als 25 Prozent betrage. Oft würden auf den Wahllisten gut platzierte Frauen von Männern überholt – es sei nach wie vor so, dass auch Frauen eher Männer wählten. Eine Erfahrung, die auch Christine Rietzler bei den letzten Kommunalwahlen gemacht hat. Gerade in ländlichen Gemeinden seien auch Frauen davon überzeugt, dass Männer die besseren Politiker sind. „Wir müssen an den Frauen noch viel mehr arbeiten als an den Männern“, so Rietzlers Fazit. 

Wie unterschiedlich die Frauen in den Gemeinderäten repräsentiert sind, machte Sonthofens dritte Bürgermeisterin Ingrid Fischer klar. Sie ist seit nunmehr 20 Jahren im Sont­hofer Stadtrat, schon damals saßen dort recht viele Frauen. Ganz im Gegensatz zu Immenstadt, wo derzeit nur eine Stadträtin die Geschicke mitbestimmt – bei insgesamt 24 Stadträten. Dass sich das ändert, dafür will im kommenden Jahr eine „Frauenliste“ sorgen, die als parteiunabhängige Wählervereinigung zu den Kommunalwahlen antreten will. 

In familiärer Atmosphäre saßen die rund 20 Frauen noch beim Frühstück zusammen und tauschten sich untereinander aus.

Eva Veit

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