Grüne: Windräder zu einem Markenzeichen machen

Regionalität auch beim Strom

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Mit Windrädern das Image verbessern? Die Grünen jedenfalls meinen, dass solche Anlagen keine „abschreckende Wirkung“ haben.

Oberallgäu - Gäste sind gegenüber Windrädern unempfindlicher als vermutet, so das Fazit des Touristikers Dr. Enno Schmoll, Professor an der Jadehochschule Wilhelmshaven. Eingeladen hatten die beiden Oberallgäuer Grünen Landtagsabgeordneten Adi Sprinkart und Thomas Gehring zum Thema „Windkraft und Tourismus – ein Konflikt?“, wobei beide überzeugt sind: „Wir wollen den Ausstieg aus der Atomkraft und brauchen die Windkraft für einen Energiemix in der Region, der in ein Tourismuskonzept eingebettet sein muss!“

Die Einwände einiger Zuhörer brachten deren Ängste zum Ausdruck: Urlauber im Allgäu hätten eine andere Erwartungshaltung als die in Norddeutschland, wo die Windkraft eine lange Tradition habe, und würden wegen Windrädern wegbleiben.  Dem hielt Sprinkart die Zahlen von Freiamt entgegen, einer Schwarzwaldgemeinde mit fünf Windkraftanlagen und einer Zunahme der Gästezahlen um 16 Prozent allein vom Jahr  2010 auf 2011, was nicht gerade auf eine abschreckende Wirkung von Windkraft hinweise. 

Der zweite Referent Ernst Leimer vom dortigen Verein zur Förderung von Windenergie berichtete von anfänglichen Bedenken 1996, die man mit Gesprächen und transparenter Vorgehensweise überwunden habe. Viele Diskussionen sowie Bürgerbeteiligungen an den Windkraftanlagen haben den Zusammenhalt in der Gemeinde gestärkt. Und die traumhafte Landschaft dort ist durchaus vergleichbar mit den Allgäuer Voralpen, wie die mitgebrachten Bilder bewiesen.

In der Schwarzwaldgemeinde wie an der Nordsee seien die Verantwortlichen offensiv mit dem Thema Windenergie umgegangen. „Norden Nordeich hat die Energiewende zur Imagewende genutzt“, so Prof. Schmoll. Auf der dortigen Internetseite findet sich ein Bild mit Windrad und Sonnenuntergang. Zudem seien Windräder touristisch genutzte Attraktionen. Sie störten eine große Mehrheit der Gäste weniger als hohe Getreidesilos oder gar Kohlekraftwerke, da sie für frische Luft und saubere Energiegewinnung stünden, so die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Untersuchung, die der Touristikfachmann aus dem hohen Norden vorstellte. 

Ein ähnliches positives Image stellte sich der Grünen-Abgeordnete Gehring fürs Allgäu vor: „Wir brauchen Regionalität nicht nur beim Ei, sondern auch beim Strom!“

 Der stellvertretende Landrat Anton Klotz betonte in der kontroversen Diskussion, jede Landschaft  habe ihren Reiz: „Ich finde Transparente mit der Aufschrift „Das Allgäu ist zu schön für Windräder“ überheblich!“ Klotz widersprach damit auch dem Sprecher der Allgäu Top Hotels, Dirk Schoppmann, der Windräder als „Entwürdigung der Allgäuer Landschaft“ bezeichnete. 

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