Die Fronten sind verhärtet beim Thema Riedberger Horn

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„Hände weg vom Riedberger Horn“ (im Hintergrund) fordern – von rechts – MdL Thomas Gehring, der Fraktionschef der Grünen im Bundestag Toni Hofreiter und Erna Kathrein Groll (Direktkandidatin für den Bundestag).

Balderschwang – Die Fronten um eine Lifterschließung am Riedberger Horn sind verhärtet. Bei einem Besuch vor Ort bekräftigte der Fraktionsvorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Toni Hofreiter, den Widerstand seiner Partei gegen die Liftpläne und äußerte die Hoffnung, dass der Bau verhindert werden kann.

Das Thema hatte in den letzten Monaten bayern- und bundesweit hohe Wellen geschlagen. Grüne und Naturschützer lehnen das Projekt und die damit verbundene Änderung des Alpenplanes vehement ab. Sie befürchten, dass mit einer Sondergenehmigung der Bayerischen Staatsregierung ein Präzedenzfall für den gesamten Alpenraum geschaffen wird.

Die Gemeinden Obermaiselstein und Balderschwang wollen die Skigebiete Balderschwang und Grasgehren verbinden. Die Planungen liegen jedoch teilweise in der streng geschützten Alpenschutzzone C. Nach einer Bürgerbefragung in beiden Gemeinden strebt die Bayerische Staatsregierung nun eine Änderung des Alpenplans an.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Gehring informierte Hofreiter über den aktuellen Stand des Verfahrens. Nach der Entscheidung des Kabinetts liegt das Thema nun beim Landtag. Zuletzt gab es eine Expertenanhörung, bei der sich Naturschützer und Landschaftsplaner massiv gegen eine Änderung des Landesentwicklungsprogramms (LEP), zu dem der Alpenplan gehört, aussprachen (der Kreisbote berichtete). Nach weiteren Beratungen soll im Herbst entschieden werden, ob es eine Ausnahme im LEP für den Liftbau gibt, die dann am 1. Januar in Kraft treten soll.

„Das Thema bereitete der CSU erhebliche Bauchschmerzen“, so Gehring: „Aber die Mehrheit steht scheinbar noch“. Dann wäre der Weg für ein Planungsverfahren im Landkreis frei, das sich aber durch Einsprüche und Prozesse erheblich verzögern kann. „Im Grund genommen hält sich die Staatsregierung fein heraus und überlässt die Entscheidung dem Landratsamt“, so der Abgeordnete. Der Bund Naturschutz hat für den Fall einer Änderung der Ruheschutzzone C schon mit Klage gedroht.

Thomas Frey – Bezirksbeauftragter des Bund Naturschutz für Schwaben – nannte das Ried­berger Horn „den Schicksalsberg der bayerischen Alpenpolitik“. Er erklärte den Besuchern die Entstehung des Alpenplans und wo die Liftanlagen und die Abfahrts­pisten entstehen sollen. Er verwies auf die labile Bodenstruktur des Gebietes und sprach von einem „vielfältigen Mosaik verschiedener Biotoptypen“ und „Top-Standort des geschützten Birkwildes“.

„Dann ist das Biotop kaputt“, so Hofreiter nach den Erklärungen, wo laut Planung gebaut werden soll. Er nannte es „grundfalsch“ in dem sensiblen Gebiet neue Erschließungen vor zu nehmen. Auch aus touristischer Sicht sei dies nicht notwendig, da durch den Klimawandel der Skitourismus an Bedeutung verliere. „Es geht grundsätzlich um den Artenschutz als Teil unserer Lebensgrundlagen“, geht es für Hofreiter nicht nur um einzelne Biotope. Bei einer Verletzung der Alpenkonvention könne das Riedberger Horn auch ein Thema für die Bundesebene werden, so der Fraktionschef. Eine Sonderregelung im Oberallgäu berge die Gefahr, dass der Alpenschutz durchlöchert wird.

Heinrich Bonert

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