"Baustelle Bahn" im Allgäu

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Der Sozialverband VdK setzt sich für Barrierefreiheit ein. Der Vorsitzende des VdK-Ortsverbandes Sonthofen Peter Götz ( von links) informierte den Grünen Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel, Bezirkstagsvizepräsidentin Barbara Holzmann und den Landtagsabgeordneten Thomas Gehring über die „Probleme mit der Bahn“.

Die Besucher hatten Glück, dass es nicht regnete. Denn am Immenstädter Bahnhof ist auf Gleis 1 das Bahnsteigdach abmontiert, so dass die Fahrgäste beim Warten auf den Zug im Regen stehen.

Was zum Thema „Baustelle Bahn“ passte, mit dem Allgäuer Landtagsabgeordneten Thomas Gehring und der bahnpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion Matthias Gastel auf ihrer Bahnreise durch das Allgäu auch in Immenstadt Halt machten. Sie trafen sich mit örtlichen Kommunalpolitikern und Vertretern von Verbänden, um die Probleme rund um die Bahn im Allgäu zu diskutieren. „Wir machen in Immenstadt Halt, weil hier die Schwierigkeiten wie im Brennglas deutlich werden“, so Gehring. 

Schon länger stehen der Immenstädter Bahnhof und der Bahnverkehr in der Region in der Kritik. Von mangelnder Barrierefreiheit über fehlende Fahrradständer bis zu ausfallenden Züge. Und nun auch das abgebaute Dach, das wohl erst im kommenden Frühjahr ersetzt wird (wir berichteten). „Mal gespannt, wie das im Winter bei Schnee und Eis wird“, so einer der Anwesenden beim Ortstermin. Alles in allem kein Aushängeschild für den Bahnverkehr im Oberallgäu, so der allgemeine Eindruck der Grünen. 

Massive Beschwerden gibt es seit Jahren vonm Sozialverbänden wie dem VdK, weil wichtige Bahnhöfe wie Immenstadt und Sonthofen nicht barrierefrei ausgebaut werden. Zwischen den Bahnsteigen gibt es nur schwer passierbare Unterführungen mit Treppen. Auch das Zugmaterial ist oftmals nicht behindertengerecht. „Wir kämpfen seit Jahren dafür, Bahnhöfe und ÖPNV behindertengerecht umzubauen. Bisher leider vergeblich“, so Peter Götz vom VdK Sonthofen.

Peter Götz vom VDK in Sonthofen wirft Politik und Bahn vor, ihre Versprechen nicht zu halten. In der Ta klinge es zum Teil resigniert, zum Teil wütend, wenn die Betroffenen berichten, welche Schwierigkeiten sie beim Bahnreisen haben und welche Hürden sie überwinden müssten. Es sei schwer, bei der Bahn überhaupt entsprechende Ansprechpartner zu finden, schilderten Immenstädter Stadträte ihre Erfahrungen. 

„Mobilität ist die Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe“, so der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel bei seinem Besuch in Immenstadt: „Barrierefreiheit steht jedem zu.“ Ziel müsse sein, dass Menschen selbstbestimmt Bus und Bahn fahren könnten und nicht auf fremde Hilfe angewiesen seien. Von einem barrierefreien Umbau profitierten alle Fahrgäste, ob mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck. Die Bahn investiere nur da, wo es konkrete Vorgaben gebe, erklärte der Bundestags­abgeordnete. Darum brauche es klare Zielvorgaben, wie viele und welche Bahnhöfe entsprechend umgebaut werden. Genehmigungen müssten schneller erteilt werden. 

Den Kommunalpolitikern riet Gastel „ständig Druck zu machen, damit sich etwas bewegt“. „Das Grundproblem ist, dass die Bahn über viele Jahre unterfinanziert war“, so Gehring. Auch, wenn die Bahn weitgehend Bundessache sei, wolle er „schauen, wie weit es Fördermöglichkeiten auf Landesebene gibt“. Durch die Klimadebatte sei das Thema Bahn weiter nach vorne gerückt, aus Sicht der Grünen aber immer noch nicht weit genug. Bezirkstagsvizepräsidentin Barbara Holzmann kritisiert weiter, dass im vorigen Winter die Bahnstrecke nach Oberstdorf wegen Schneefall tagelang gesperrt war.

hb

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