Skigebiet am Grünten soll "aufgerüstet" werden

Schluss mit Nostalgie-Ski

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Der Grünten könnte mit dem Konzept „Grünten 2020“ wieder Tritt fassen, meinen die Projektentwickler. Der neuen Kabinenbahn (rote Linie auf der Karte) komme dabei eine Schlüsselrolle zu.

Rettenberg - Die Zeichen stehen auf „Aufrüstung“ im Skigebiet am Grünten. Zusammen mit der Gemeinden Rettenberg sucht Inhaber Andreas Prinzing interessierte Investoren, die das attraktive Skigebiet und den Grünten wieder flott machen – nicht nur als Skiberg.

Erste – dennoch schon recht fundierte – Überlegungen zur Zukunft am Grünten wurden jetzt vorgestellt. Eine moderne Kabinenbahn, eine zeitgemäße Beschneiung und attraktive Erlebnisangebote sollen unter dem Arbeitstitel „Grünten 2020“ das Gebiet nach vorne bringen. Heuer werden die Grüntenlifte jedoch wie gewohnt fahren. 

Das Interesse an der Zukunft des Skigebietes am Grünten ist offenbar groß. Selbst der nicht gerade kleine „Mohrensaal“ in Kranzegg war bis in den letzten Winkel besetzt. „Mehr als am Mädleball“, kommentierte ein Besucher der Informationsveranstaltung das Gedränge am Eingang und im Saal. Und Bürgermeister Oliver Kunz meint überrascht vom großen Interesse: „Mir fehlen die Worte.“ 

„Der Grünten“, so beschreibt Kunz die aktuelle Lage am ‘Wächter des Allgäus’, sei ein attraktives Gebiet, aber mit seinen Anlagen in die Jahre gekommen. Angesichts vieler modernisierter und neuer Lift- und Bergbahnanlagen ringsum sei der Grünten nicht mehr konkurrenzfähig. 

Dieser Tatsache sieht sich Familie Prinzing, die die Grüntenliste seit mehr als einem halben Jahrhundert betreibt, gegenüber. „Wir sind eines der attraktivsten Skigebiete im Oberallgäu, aber ein 100-Tage-Betrieb in der Wintersaison deckt nicht das ganze Jahr ab“, unterstreicht Andreas Prinzing und verweist auf einen enormen Modernisierungsbedarf. „Das ist leider nicht aus eigener Kraft zu schaffen!“ Die Familie Prinzing werde sich aus dem Liftgeschäft zurückziehen. Daher suche er ab sofort Investoren. 

Konkrete Planungen gibt es zwar noch nicht, doch ein ziemlich detailliertes Konzert „Grünten 2020“ steht bereits. Geradezu begeistert zeigt sich Edgar Grämiger von grischconsulta; das schweizerische Büro gehört zu den führenden Beratungsunternehmen für Bergbahnen, Hotels und touristische Organisationen im deutschsprachigen Raum. „Der Grünten hat enormes Potenzial“, schwärmt Grämiger von der Lage, dem Panorama, der Erreichbarkeit... „Ich glaube an den Grünten.“ Rund 2,8 Millionen Menschen könnten den Grünten innerhalb von zwei Autofahrstunden erreichen, steckt er das Einzugsgebiet ab. „Und 18 Prozent dieser Menschen fahren Ski.“ 

„Alle um Sie herum investieren. Das ist doch ein Zeichen, dass sie an die Zukunft glauben“, so Edgar Grämiger weiter zu den „starken Anzeichen, dass es aufwärts geht“. Aber aufwärts könne es am Grünten nur gehen, wenn sich entscheidende Dinge änderten. 

Aus dem „Gittermastenparadies“ am Grünten soll den Planern und Beratern zufolge ein modernes, attraktives Ganzjahreserlebnisgebiet werden. Statt der bisherigen 100-Tage-Saison müssten es 300 Tage „rund gehen“ – sommers wie winters. Die Orte um den Grünten würden von der touristischen Entwicklung ebenso profitieren wie die gesamte Destination AlpseeGrünten, stellt Grämiger fest. 

Knackpunkt am Grünten sind die betagten Lifte – eine Sesselbahn und sieben Schlepplifte. Statt der alten Sesselbahn stellen sich die Planer eine komfortable 10-Personen-Kabinen- bahn vor, die 2400 Personen pro Stunde auf das Plateau an der jetzigen Grüntenhütte bringt – in einer Fahrzeit von knapp sieben Minuten. Dort sollte eine attraktive, barrierefrei zu erreichende – familien- und kinderfreundliche – Gastronomie platziert sein. Vielleicht auch eine Aussichtsplattform, mit der die Trumpfkarte „Panoramablick“ gespielt werden könnte. 

„Diese moderne Bahn braucht es zwingend“, unterstreicht Grämiger. Die anvisierten Zielgruppen seien anders nicht zu erreichen. Eine Aufrüstung steht damit auch der Beschneiungstechnik ins Haus. Die Verbesserung der Skipisten erfordere jedoch nur „ganz geringfügige Maßnahmen“. Flächige Rodungen seien nicht notwendig. 

Unterm Strich schätzen die Planer das Investitionsvolumen bei „Grünten 2020“ auf rund 17 Millionen Euro für Bergbahn und Pistenbau. Dazu kommen weitere acht Millionen für die neue Gastronomie an der Bergstation und Erlebnisangebote. Alles in allem 25 Millionen würde der Umbau vom „Gittermastenparadies“ zum Erlebnisberg Grünten kosten. „Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Ganzjahresbetrieb“, sagt Grämiger. Man suche Investoren aus der Region „ohne übertriebene Renditeerwartungen“. Ab sofort könnten sich Interessenten melden. 

Der Rettenberger Gemeinderat hat sich schon eingehend mit den Überlegungen befasst und steht hinter dem Konzept, das wohlgemerkt als Grobkonzept betrachtet werden soll. Die betroffenen Grundstückseigentümer am Grünten sind mit im Boot. Sogar Voranfragen zu den erforderlichen Genehmigungen wurden bereits eingeholt. „Ein sehr wichtiges Konzept, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, meint Bürgermeister Oliver Kunz und ergänzt: „Naturtourismus spielt bei AlpseeGrünten eine entscheidende Rolle.“ Dabei habe man allerdings nicht allzu viel Zeit; bestenfalls noch drei, vier Jahre. Dann komme so oder so das Aus für die Grüntenlifte.

Josef Gutsmiedl

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