"Ministerium muss tätig werden"

Gülleausbringung: Allgäuer Landwirte fordern weitere Versuchsreihen

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Die Vorschriften der neuen Düngeverordnung müssten der landwirtschaftlichen Praxis Rechnung tragen, fordern die Allgäuer Grünlandbauern.

Allgäu – Die Landwirte im bayerischen Alpenvorland wehren sich gegen die Pflicht zur streifenförmigen Gülleausbringung ab dem Jahr 2025. Das erste Etappenziel war die nun erfolgreich eingereichte Petition der Allgäuer Bergbauern, die darin vom Bayerischen Landtag fordern, von der Düngeverordnung 2025 ausgenommen zu werden. Doch wie geht es jetzt weiter? Die nächsten Schritte stellte der Allgäuer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (Freie Wähler) zusammen mit drei Landwirten vor.

Das vorrangige Ziel der Initiatoren besteht darin, die Berglandwirte aufgrund der naturräumlichen und agrarstrukturellen Besonderheiten von der Verschärfung der Düngeverordnung 2025 auszunehmen. Dies forderten sechs Landwirte aus dem Ostallgäu gemeinsam mit Bernhard Pohl und der Günzacher Bürgermeisterin Wilma Hofer sowie der FW-Kreisvorsitzenden des Ostallgäus, Susen Knabner, in einer Petition an den Bayerischen Landtag. Vergangene Woche hatte der Ausschuss für Landwirtschaft und Forsten des Landtags die Petition, die von über 14 000 Unterschriften von Landwirten getragen wird, mit den Stimmen aller Fraktionen einhellig positiv beschieden. Dabei wurde auch die Anmerkung der CSU umgesetzt, die Petition dürfe sich nicht nur auf das Allgäu beziehen, sondern müsse den gesamten bayerischen Alpenraum umfassen. Der Ausschuss plädierte für „Würdigung“ und fordert damit die Staatsregierung auf, auf der Grundlage dieses Votums eine Lösung im Sinne der Landwirte zu finden.

Wenn die Landwirtschaft ab dem Jahr 2025 Gülle nur noch in neuen Fässern nach dem Schlitz-, Schleppschlauch- oder Schleppschuh-Verfahren ausbringen dürfte, müsste jeder einzelne Betrieb neue Güllefässer und Zugmaschinen anschaffen. Das wären, so die Berechnung der Bauern, Investitionen im unteren bis mittleren sechsstelligen Bereich und für viele Landwirte ruinös. Die bisherigen Maschinen würden zudem wertlos, merkte der Günzacher Landwirt Fleschutz an. „Wir verteufeln die Technik nicht und möchten den Schleppschuh nicht schlechtreden“, nur funktioniere dieses Verfahren eben nicht im Bergland, sagte Fleschutz weiter. Es würde nur dazu führen, dass die Gülle ungleichmäßig auf den Feldern verteilt würde und „Güllewürstchen“ entstünden, die wiederum von den Rindern gefressen werden könnten. Das hätte Euterentzündungen, Fieber, Koliken bis hin zum Tod zur Folge.

Da sie dies nicht in Kauf nehmen wollen, plädieren die Bauern „für eine gute fachliche Praxis“, die Witterung, Temperatur, Niederschlag und Verdünnung der Gülle berücksichtigt. Die Landwirte in den Regionen mit Hangneigung hätten, wie es in der Petition heißt, „noch eigene Güllefässer, die grünlandtauglich sind und eine bodennahe Ausbringung ermöglichen“. Durch die angewandte Verteiltechnik seien die Landwirte in der Lage, mit großer Tropfenbildung und einer zu zehn Prozent mit Wasser verdünnten Gülle eine Ausgasung und damit Geruchsemissionen nahezu zu vermeiden.

„Nun ist das Landwirtschaftsministerium am Zug!“, zeigt Pohl den weiteren Weg auf. Notfalls werde er immer wieder nachfragen, wie weit die Dinge gediehen sind. Den Kleinbauern müsse eine Zukunftsperspektive über das Jahr 2025 gegeben werden. Wichtige nächste Schritte seien nun einerseits, dass die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber ins Allgäu kommt und sich die Situation ansieht. Sie habe bereits zugesagt, nur der Termin stünde noch nicht fest, so Pohl.

Andererseits müssten, so fordern es die Landwirte, weitere Gülleversuche am Kemptener Spitalhof unter Realbedingungen durchgeführt werden. Mit den bisherigen Versuchen sind die Landwirte nicht zufrieden, da die Verfahren auf Kleinparzellen und per Hand nachgeahmt worden seien. „Und das wird dann als wissenschaftlicher Versuch verkauft“, monierte Fleschutz. Durch die Würdigung der Petition werde das Ministerium nicht drum herumkommen, dass praxisnahe Tests durchgeführt werden. Die würden beweisen, dass das neue Verfahren untauglich sei, so der Landwirt.

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