Gutes "Rating" für den Chef

Die Vorstandskollegen Wilhelm Oberhofer (links) und Heinrich Beerenwinkel (rechts) „übergaben“ Otto Schmid in die Obhut seiner Frau Marianne. Foto: Josef Gutsmiedl

Nach fast 46 Berufsjahren wurde Ende März der langjährige Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank Oberallgäu-Süd eG in den Ruhestand verabschiedet. Der 60-Jährige prägte die Entwicklung der Oberallgäuer Raiba in den vergangenen Jahren maßgeblich. Schmid zeigte sich offen für Neues, schuf der Bank ein breites Fundament und förderte regionale Wertschöpfung ohne jemals den Genossenschaftgedanken aus den Augen zu verlieren.

„Du hast im Leben zwei oder drei Chancen - das ist eine davon“, habe sein Großvater gesagt, als ihm, dem jungen Otto Schmid, 1966 eine Lehrstelle bei der damaligen Gewerbe- und Landwirtschaftsbank in Fischen angeboten wurde. Auch der Klasslehrer hatte geraten, das Angebot anzunehmen, erinnerte sich Otto Schmid nach fast 46 Berufsjahren bei der Raiffeisenbank Oberallgäu-Süd und ihren Vorgängerunternehmen. Damals musste man als Lehrling einer kleinen örtlichen Bank wie in Fischen auch im angeschlossenen Lagerhaus mit anpacken. „Heute nicht mehr vorstellbar“, so Schmids Nachfolger im Amt des Vorstandsvorsitzenden, Heinrich Beerenwinkel, am Abend der Verabschiedung. „Hervorragend bewährt“ habe sich Schmid auf seinen Stationen zunächst bei der Raiba Oberstdorf-Sonthofen, die zunächst die kleine Fischinger Landwirtschaftsbank übernommen hatte, und später mit den Raiffeisenbanken in Hindelang und Immenstadt-Waltenhofen fusionierte. 1994 wurde Schmid in den Vorstand berufen, 1999 übernahm er den Vorstandsvorsitz und gestaltete maßgeblich die Fusionen mit den beiden Nachbarbanken. „Heute ist die Raiffeisenbank Oberallgäu-Süd eine der gedeihlichsten Banken der Region und Schwabens“, sagte Beerenwinkel. „Eine bemerkenswerte berufliche Laufbahn. Ganz außergewöhnlich.“ Schmid habe mit seiner beruflichen Tätigkeit für die Raiba „tiefe Spuren hinterlassen - in der Bank und in der Region“. Und Schmid sei immer bereit gewesen, Verantwortung zu tragen. „Er hat den Genossenschaftsgedanken tief verkörpert und einen riesigen Beitrag zur erfolgreichen Entwicklung der Bank zu einem der erfolgreich-sten Unternehmen in Schwaben beigetragen.“ Eine Zäsur werde der Ruhestand Otto Schmids allemal mit sich bringen - für die Bank, für Schmid und dessen Familie, sagte Heinrich Beerenwinkel weiter. Der Bank werde „der Kopf und Motor“ fehlen; Otto Schmid der tägliche Weg in die Raiba nach Sonthofen, und die Familie werde den Ruheständler in den Tagesablauf integrieren müssen. „Ein Banker vom alten Schlag“, brachte der Oberallgäuer Landrat, Gebhard Kaiser, die Karriere Otto Schmids auf den Punkt. Mit großen Sachverstand habe Schmid große Aufgaben bewältigt und sei dabei stets der Devise treu geblieben „erst kommt der Mensch, dann das Material“. „Heute geht ein Original in den Ruhestand“, meinte Rainer Schaidnagel, der für den Genossenschaftsverband die Leistungen einer „verdienten Persönlichkeit“ würdigte: Bodenständig und gradlinig - im Sinne der Genossenschaftsidee; verbunden dem Motto ‘Aus der Region - für die Region’. Als besonderes Kompliment sei es zu verstehen, wenn die Banker-Kollegen der Sparkasse Allgäu über sein geschicktes Agieren geurteilt hätten mit einem Allgäuer Ausdruck der Respektbezeugung: „Der Otto Schmid isch scho a Hund.“ Nach einer Reihe von Würdigungen an seinem letzten Raiba-Arbeitstag, zeigte sich Otto Schmid „mit der Bilanzanalyse“ sehr zufrieden: „Mir wurde ein gutes Rating ausgestellt.“ Erfolg sei für ein Unternehmen aber nur möglich, wenn es von engagierten Mitarbeitern getragen werde. „Von solchen war ich stets umgeben.“ Messlatte seiner wichtigen Entscheidungen seien die Benediktinischen Regeln gewesen und die Verpflichtung, seine Talente zu entdecken und verantwortungsvoll einzusetzen.

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