Gutes Start für "Gutes vom Dorf"

Tatsächlich war es eine ganz einfache Idee, als Anfang des Jahres 2009 der damals neue Leiter der Gästeinformation an den Ofterschwanger Bürgermeister heran trat: In diesem Dorf gibt es quasi alle Grundnahrungsmittel direkt vom Erzeuger. Warum also nicht ein Angebot schaffen, dass den Urlaubern im Ort all das Gute vom Dorf präsentiert, dachte sich der Leiter der Gästeinformation, Stefan Nitschke: Milch, Butter, Käse, Honig, Brot, Kräuter...

„Die von unseren Gästen geschätzten Qualitätsmerkmale, die intakte Landschaft, eine Art heile Welt - das alles wollen wir im Tourismus zusammenbringen." Zu lange sei jeder seinen eigenen Weg gegangen, statt Hand in Hand mit Partnern. Den Kreislauf von Tourismus und Landwirtschaft zusammenführen, lautet das Patentrezept. Bei Bürgermeister Alois Ried rannte der junge Berliner Touristiker offene Türen ein. Die beiden fackelten nicht lange, stellten den Partnern, allen voran den beiden Sennereien, den Imkern, der Bäckerei, dem genossenschaftlichen Schlachthaus und den Gastronomen und Vermietern die Idee vor. "Wir brauchten keine Projektgruppen, keine endlosen Diskussionen am Kaffeetisch", erinnert sich Ried an den Schnellstart im Frühjahr vergangenen Jahres. Man habe keine Förderzusagen eingeholt oder bürokratische Regularien abgeklopft. Ried: „Die Qualität des Tourismus in unserer Region darf sich nicht im Radwegangebot oder in Golfplätzen erschöpfen. Wir brauchen mehr denn je die regionalen Qualitätsprodukte." Bereits nach vier Wochen ging das Projekt an den Start. Kleine Pensionen und Vermieter von Ferienwohnungen sind ebenso mit im Boot wie die Sonnenalp, eines der renommiertesten Ferienhotels Deutschlands. Ganz ohne Spielregeln ging es dann aber nicht. Absichtserklärungen gelten nicht. Wer als Vermieter oder Gastgeber das Markenzeichen "Gutes vom Dorf" führen will, muss regelmäßig mindestens fünf Produkte aus einheimischer Erzeugung anbieten, zum Beispiel Brot aus der Vollwertbäckerei, Milch, Joghurt, Butter, Käse aus den beiden örtlichen Sennereien, Wurst aus dem Schlachthaus, oder Honig der Imkereien. In Ferienwohnungen sollen statt anonymer und beliebiger Aufmerksamkeiten wie Pralinen oder Sekt, original Ofterschwanger Käse und Milch auf dem Tisch stehen. Die Speisekarte der Gaststätten, Cafés und Hotels soll sich ebenfalls am einheimischen Angebot orientieren. Die Rechnung geht offenbar auf, wie sich in der Bilanz anlässlich des einjährigen Bestehens des Projektes zeigte. Bei einer Übernachtungszahl von 300000 pro Jahr ergab sich für das erste Jahr die Wertschöpfung von stolzen 150000 Euro, überschlägt Stefan Nitschke den Umsatz aus dem Erfolgsmodell "Gutes vom Dorf". Heute ist rund die Hälfte der Ofterschwanger Gastgeberbetriebe aller Größen bei "Gutes vom Dorf" dabei. Damit erreicht „Gutes vom Dorf" mehr als 75 Prozent der Übernachtungsgäste in Ofterschwang und seinen Ortsteilen. Für den Oberallgäuer Landrat, Gebhard Kaiser, beweist das Erfolgsrezept von Ofterschwang, dass genau das funktionieren könne, was er seit Jahren predige und anmahne. Bei allen Diskussionen über den Tourismus im Allgäu habe man versäumt, die eigenen regionalen Produkte zu präsentieren. Er, Kaiser, hoffe, dass aus dem kleinen Projekt jetzt was Großes" werde. Vielleicht, so deutete der Landrat an, sei das Prestigeprojekt so erfolgreich, weil man nicht auf staatliche Unterstützung und Hilfe gesetzt habe. Kreise ziehen soll „Gutes vom Dorf" schon sehr bald. Bürgermeister Ried und Gästeamtschef Nitschke sind in Gesprächen mit den Nachbarkommunen, den so genannten Hörnerdörfern Bolsterlang, Fischen, Obermaiselstein und Balderschwang über die Ausweitung des Projektes. Bolsterlang soll demnächst den Anfang machen. Entlang eines Rundwanderwegs, der zu den Direktvermarktern führt, soll das Patentrezept „Gutes vom Dorf" und die „Geschichte" der heimischen Erzeugnisse erklärt werden.

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