Meisterbrief soll bleiben

Warnung vor Fachkräftemangel

Hans-Peter Rauch, Präsident der HWK Schwaben, Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben und Staatssekretär im Bayerischen Wirtschaftsministerium Franz Josef Pschierer.

Allgäu – Der Handwerker-Frühschoppen der HWK Schwaben hat Tradition und fand in diesem Jahr bereits zum 13. Mal statt. Im Kalender der Politiker und der Handwerksunternehmer ist der Frühschoppen der Handwerkskammer für Schwaben (HWK) ein fixer Termin.

Zwölf Bundestags- und Landtagsabgeordnete hatten sich angemeldet, an der Spitze die „schwäbischen“ Staatssekretäre im bayerischen Kabinett, Franz-Josef Pschierer und Johannes Hintersberger. Pschierer überbrachte die Grußbotschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten. In Illerbeuren mit dabei waren auch zahlreiche Politiker aus den Landkreisen, den Städten und Gemeinden. Insgesamt waren 150 Gäste anwesend.

Hinter diesem zwanglosen Treffen steht die Idee, dass Handwerksunternehmer wie auch Beschäftigte in den schwäbischen Handwerksbetrieben sich direkt und ohne Umwege mit Politikern austauschen können. In seiner Begrüßungsansprache lobte HWK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner die Initiative zur Förderung der gewerblich-technischen Ausbildung als einen Schritt nach vorne. Den überzogenen Trend zur Akademisierung nannte Wagner eine gefährliche Entwicklung für den High-Tech-Produktionsstandort Deutschland. „Wenn die duale Ausbildung immer öfter zur zweiten Wahl wird, dann werden uns in Kürze Fachkräfte in wichtigen Wirtschaftsbereichen fehlen. Dazu darf es nicht kommen.“

Hans-Peter Rauch, Präsident der HWK Schwaben, zeigte die vordringlichsten Aufgaben in der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik auf. „Wir haben ausreichend wichtige Themen, die mutige, entschlossene und schnelle Entscheidungen erfordern.“ Gerade die Energiewende, so Rauch, sei ein Generationenprojekt, das mit der Akzeptanz aller Beteiligten „steht und fällt“. Er forderte energisch die steuerliche Förderung energetischer Gebäudesanierungsmaßnahmen. „Die Bürger werden nicht selbstlos energetische Sanierungen an ihren Immobilien bezahlen. Da muss es endlich Anreize geben.“ Bei den anwesenden Politikern warb Rauch, sich für eine zukunftsorientierte Entscheidung einzusetzen.

In seiner Grußbotschaft stellte sich Franz Josef Pschierer, Staatssekretär im Bayerischen Wirtschaftsministerium, klar hinter die Forderungen der HWK Schwaben. „Das größte Einsparpotenzial auf dem Energiesektor liegt im Gebäudebestand. Drei Viertel aller Gebäude wurden vor 1977 gebaut. Da muss in den kommenden Jahren energetisch saniert werden. Bayern wird nicht locker lassen, die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung im Bund mit voran zu treiben.“ Es kämen sehr positive Signale von Bundeswirtschaftsminister Gabriel, berichtete der Staatssekretär.

Positiv wurde von den Handwerkern vor Ort auch Pschierers Aussage aufgenommen, dass die Bayerische Staatsregierung klar hinter dem Meisterbrief steht. Dazu sollen im Mai auch Gespräche in Brüssel geführt werden. „Der Meisterbrief ist eine Erfolgsstory. Am Berufszugangskriterium für die handwerkliche Selbständigkeit darf nicht gerüttelt werden,“ betonte Pschierer. Ebenso sicherte der Staatssekretär die weitere Förderung der beruflichen Bildung durch den Freistaat zu. „Handwerksförderung muss sakrosankt bleiben!“.

Speziell zum Handwerker-Frühschoppen hatte die Kammer eine Blitzumfrage unter den schwäbischen Handwerksunternehmern durchgeführt. Dabei wurde nach den Maßnahmen gefragt, die die Politik in Angriff nehmen sollte, um das Handwerk zu entlasten bzw. zu unterstützen. 68 Prozent sahen den Abbau der Bürokratie als wichtigste Aufgabe der Zukunft an. Jeder zweite Befragte (52 Prozent) wünschte sich Steuererleichterungen speziell für Unternehmen des Mittelstandes. In diesem Zusammenhang nannte es Präsident Rauch „einen Skandal, dass Handwerk und Mittelstand mit ihren Arbeitnehmern den Löwenanteil der Steuerzahlungen leisten, während global player nur Mini-Beträge in Deutschland versteuern“. Rauch bezog sich auf die jüngsten Enthüllungen zur Steuerbegünstigung von international tätigen Großunternehmen in Luxemburg. Ein ausgeglichener Staatshaushalt war für die Befragten ausgesprochen wichtig (70 Prozent). Der Staat müsse mit den vorhandenen Mitteln auskommen und dürfe keine neuen Schulden aufnehmen.

Die detaillierten Ergebnisse gibt es unter www.hwk-schwaben.de/meinungsspiegel-2014.

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