Keine Spur von Ausrottung

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In der Kürnach zwischen Kempten und Isny sorgt die Jagd auf Gämsen für Streit. Unser Foto zeigt eine Gams in ihrem „idealen Lebensraum“, in felsdurchsetztem, offenen Gelände.

Schwere Vorwürfe aus München: Der Bayerische Landesjagdverband BJV verurteilt in einer Presseerklärung die aktuelle Erhöhung des Abschuss-Solls für Gamswild in der Kürnach, einem bewaldeten Höhenzug rund 20 Kilometer westlich von Kempten, an der Grenze zu Baden-Württemberg.

Die Untere Jagdbehörde am Landratsamt Oberallgäu hatte das Soll auf 28 Stück Gamswild festgelegt – im Einvernehmen mit den Grundeigentümern und Revierinhabern – auf Empfehlung des Jagdbeirates.

„Die Jagd auf die Gams ist seit 1. August erlaubt, jetzt wird dort mobil gemacht gegen die alteingessenen Alpenbewohner“, heißt es in der Stellungnahme des Jagdverbandes. Derzeit werde „aufgerüstet“, so der Vorwurf unter dem plakativen Titel „Stoppt den Abschuss der Gams in der Kürnach“. Dabei sei die Situation völlig ungeklärt, es gebe kein Monitoring, wie es die FFH-Richtlinie vorschreibe, so der Vorwurf des BJV weiter. Ebensowenig gebe es zuverlässige Daten über den Bestand und die Sicherung der Population. „Sicher ist nur, seit jeher zählen die Vorberge in der Kürnach zum natürlichen Lebensraum der Gämsen.“ Die Jäger der Region befürchteten nun, dass die Gams dort ausgerottet werden solle, betont der BJV.

Den Vorwurf, die Gams in der Kürnach ausrotten zu wollen, weist Tobias Ochs, Stellvertretender Leiter des Betriebes Sont­hofen der Bayerischen Staatsforsten entschieden von sich. Abgesehen davon, dass der aktuelle Gamsbestand in den Kürnacher Revieren den erhöhten Abschuss „verkrafte“, seien speziell die Bayerischen Staatsforsten gehalten, den Aufwuchs eines gesunden, stabilen Waldes zu ermöglichen. Zudem, so betont Ochs, verbiete das Jagdgesetz die Hege der Gams in geschlossenen Waldgebieten.

Die Kürnach sei auch nicht als klassischer Lebensraum der Gams einzustufen, wie etwa die Allgäuer Hochalpen, erläutert Ochs weiter. Die Presseaussendung des Bayerischen Jagdverbandes spreche von einem „alteingesessenen Alpenbewohner“, das fragliche Gebiet liege aber rund 30 Kilometer vor den Allgäuer Alpen. Sicher könne die Gams hier gut leben und dürfe hier auch vorkommen. Doch die Bestände hätten sich mit den Jahren erhöht. Entsprechend habe man den Abschuss bezogen auf einen Pool der Kürnacher Reviere erhöht auf 28 Stück Gamswild. Bislang lag der Abschuss bei rund zehn Gämsen pro Jahr.Die Bayerischen Staatsforsten bewirtschaften hier rund 3000 Hektar; ihr Anteil am neuen Soll beträgt 12 Stück. Gerade zu absurd sei er Vorwurf, man wolle die Gämsen hier ausrotten, so Ochs.

Auch Kai Bomans von der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Oberallgäu schüttelt über den Vorwurf des BJV den Kopf. Die Behörde habe „kein Interesse“ eine Tierart, hier die Gams, auszurotten. Es handle sich im Fall der Kürnach um ein „Inselvorkommen“, nicht unbedingt um den idealen und typischen Lebensraum der Gams. In der Tat sei eine exakte Bestandserhebung in diesem Waldgebiet schwierig. Die in den vergangenen Jahren erreichten Abschüsse zeigten jedoch in Verbindung mit dem Waldzustand und den Ergebnissen des Vegetationsgutachtens, dass eine Bestandsreduzierung wünschenswert sei.

Die Festlegung eines Abschuss-Solls für jagbares Wild sei überdies ein bewährter Prozess der Entscheidungsfindung, bei dem alle Betroffenen mitredeten, so Bomans weiter. „Das wird nicht einfach so ausgewürfelt.“ Die für die elf Kürnacher Reviere vereinbarte Pool-Lösung müsse man sich auch realistisch vorstellen: 28 Gämsen als Abschuss-Obergrenze auf einer Gesamtfläche von 8400 Hektar – da könne von einer Mobilmachung gegen die Gams oder gar ihrer Ausrottung keinesfalls die Rede sein.

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