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Heißer Bergsommer: Allgäuer Alpen investieren in Wasserversorgung

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Von: Josef Gutsmiedl

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Allgäuer Braunvieh auf einer Alpe
Das Alpvieh kam im Hitzesommer 2022 meist gut über die Runden. © Josef Gutsmiedl

Oberallgäu – Die extreme Hitze stellt die Alpwirtschaft vor neue Herausforderungen. Das Allgäu ist heuer noch mit einem blauen Auge davongekommen.

Was man vor ein paar Jahrzehnten noch erfreut als „Jahrhundertsommer“ bezeichnet hätte, geriet in diesem Jahr zu einem ausgesprochenen „Hitzesommer“. Auch wenn das Allgäu noch mit einem blauen Auge davongekommen ist, Hitze und wochenlang kaum nennenswerte Niederschläge gaben den vergangenen Monaten einen speziellen Charakter.

Für das Alpvieh und somit auch für die Älplerinnen und Älpler, war es ein guter Sommer, bringt es der Geschäftsführer des Alp­wirtschaftlichen Vereins im Allgäu AVA, Dr. Michael Honisch, auf den Punkt.

„Auf den relativ schneearmen Winter folgte ein frühzeitiges Frühjahr und die warmen Monate Mai und Juni“, skizziert Dr. Michael Honisch die Rahmenbedingungen für einen quasi „explosionsartigen“ Futteraufwuchs binnen kurzer Zeit. Ganz anders als im vergangenen Jahr.

Wasserknappheit auf der Alpe

„Zum Teil wurde das Alpvieh dann tatsächlich zu spät aufgetrieben, so dass das reichlich gewachsene Futter oft schnell alterte und in der Folge von den Rindern nicht gerade gerne angenommen wurde.“ In manchen Südlagen wurde dann im Sommer tatsächlich gute Weide knapp – und da und dort auch das Wasser.

„Die meisten „Berge“ haben gottseidank in den vergangenen Jahren viel in die Verbesserung ihrer Wasserversorgung investiert“, stellt Honisch fest. „Das hat sich jetzt ausgezahlt.“ Die eine oder andere Alpe musste allerdings im Hochsommer doch zeitweise ausweichen in wasserträchtigere Gebiete. Einen ausgeprägten Wassermangel habe es aber im Allgäu nicht gegeben, anders als in den Westalpen oder in Nordbayern, ergänzt Honisch. „Wir leben im Wasserschloss.“

Nicht nur Alpvieh war in den Allgäuer Bergen unterwegs: Auch viele Menschen bleiben den Bergen als Wander- und Ausflugsziel treu. „Aber doch deutlich weniger als in den beiden zurückliegenden Corona-Jahren“, berichtet Michael Honisch weiter. Davon profitierten auch die bewirtenden Sennalpen im Oberallgäu, die guten Absatz von Käse und anderen Molkereiprodukten verzeichneten.

Viehscheid im Allgäu

Corona hatte nicht zuletzt das touristische Spektakel des Viehscheids kräftig durchgerüttelt. „Natürlich sind wir vom AVA ebenso wie die Gemeinden mit organisiertem Viehscheid froh, dass es wieder solche Veranstaltungen gibt. Das ist auch Teil unserer bäuerlichen Kultur“, betont Honisch. Genauso froh sei man aber, dass die Gemeinden und Organisationsteams versuchten, allzu viel Rummel zu vermeiden und gute Lösungen für die Alp­wirtschaft zu finden.

Ein paar Stunden flotter Marsch schade überdies keinem gesunden Schumpen oder Jungrind, relativiert Honisch schließlich die immer wieder vorgebrachte Kritik mancher Tierschützer, dass ein Viehscheid eine einzige Quälerei fürs Vieh sei. „Mehr Tierwohl als ein Sommer in den Bergen gibt es nicht!“

Hier gibt es alle Termine für den Viehscheid im Allgäu 2022

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