Viermal um die Welt geradelt

31 Jahre lang für Helmut Schofer die 42 Kilometer von Hindelang nach Oberstdorf mit dem Rad – fast täglich.

Manche werden ihn schon vermisst haben – den unermüdlichen Radler Helmut Schofer, der nach 31 Jahren Pendeln zwischen seinem Wohnort Bad Hindelang und seiner Arbeitsstätte am Gymnasium Oberstdorf vor kurzem geleitet von Familie und Freunden auf dem Trekkingrad seine Fahrt in den Ruhestand antrat.

Sommers wie winters, bei Hitze, Regen oder Schnee und Eis – Helmut Schofer ließ sich auf seinem 42 Kilometer langen Schulweg durch nichts abschrecken und stieg nur im äußersten Notfall aufs Auto um, obwohl er damit insgesamt rentabler gefahren wäre, denn immerhin hat er auf seinen Fahrten 4.1 Millionen Kalorien verbraucht und nebenbei fünf Trekkingräder und ungezählte Reifen verschlissen. Zweierlei bewog ihn nach eigener Aussage dazu, trotzdem auf das Fahrrad zurückzugreifen: Umweltschutz und die Freude an sportlicher Betätigung. Als Sportlehrer hatte er die Möglichkeit, vor dem Unterricht zu duschen und sich umzuziehen – anders hätte er sich den Schülern, die seinem „Hobby“ teils Verständnislosigkeit, teils Hochachtung entgegenbrachten, nicht zugemutet, versichert er.

Laut Tourenbuch hat Helmut in 31 Jahren 163 000 Kilometer zurückgelegt und auf seiner bevorzugten Route über Hinang und Reichenbach nebenbei 600 000 Höhenmeter bewältigt – was einer siebzigmaligen Besteigung des Mount-Everests entspricht – und das mit Gepäck, denn nicht nur das Schulzeug, sondern auch Wechselwäsche, Verpflegung und Werkzeug wurden wasserdicht verpackt mitgeführt. Und obwohl er dabei unvorstellbare 8 150 Stunden auf dem Sattel verbrachte, ist ihm nach eigenem Bekunden nie langweilig geworden. „Dazu ist das Bergpanorama bei uns einfach zu schön“, schwärmt Helmut – außerdem hat er auf dem Heimweg den Schulstress hinter sich lassen können. Trotzdem trieb er nebenher „zum Ausgleich“ noch Sport – außer in der Schule auch in der Freizeit bei Joggen, Kajakfahren, Alpinski, Skilanglauf und anderem mehr.

Unfälle hat er auf seiner Pendelstrecke zum Glück keine gehabt, auch wenn ihm Autofahrer mehr als einmal die Vorfahrt nahmen oder ihn an den Fahrbahnrand drängten. Dafür machten ihm des Öfteren technische Defekte oder verschneite Radwege und Glatteis zu schaffen. An der „Lindekreuzung“ in Binswangen kam er einmal nicht aus den Klickpedalen, fiel um und lag mitten im Berufsverkehr „wia a vermähta Frosch“ auf der Straße. Kurzerhand befreite er sich im Liegen aus den Schuhen, stand auf, lief in Socken über die Kreuzung und zog auf dem Fahrrad die Schuhe wieder an. Auch die Konkurrenz mit E-Bikern bekam er zu spüren. Einmal wurde er an der Steigung zwischen Rubi und Reichenbach von einem älteren Pedelec-Fahrer überholt. Helmut schaute, vielleicht etwas zu verächtlich, zu ihm hinüber. Darauf meinte der: „Wenn du amôl Achzg bisch, nô dearfsch öu mit so am Rad fahre!“

Eine seiner nettesten Begegnungen hatte er eines Morgens auf dem Illerdamm bei Fischen. Plötzlich sprang etwas auf seinen Schuh – es war ein Eichhörnchen. Einen Moment sahen sich die Beiden verdutzt an, dann verließ der kleine Gefährte fluchtartig das Transportmittel.

Der Schulweg wird ihm nicht abgehen, meint Helmut – dazu gebe es in seiner Heimat zu viele landschaftlich schöne Strecken, die ihm als Ausgleich dienen könnten. Abschließend fasst der sportliche Hindelanger seine langjährige Erfahrung als radelnder Pendler zu einem Denkanstoß zusammen: „Es war für mich ein ganz normaler, alltäglicher Vorgang mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Vor allem aus ökologischen Gründen sollte man Radfahren oder auch Laufen und Gehen in den normalen Alltag einbauen und nicht mit dem Auto zur Passstraße, zur Loipe oder zum Mountainbike-Trail fahren und dann die Sau raus lassen.“

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