Weißlacker-Notstand im Allgäu

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Die einen schwören auf Weißlacker für ihre Kässpatzen, andere schätzen die Allgäuer Spezialität mit würzigem Bergkäse.

Sonthofen/Kempten – Für echte Allgäuer gehört er zu den Kässpatzen wie die Mass zu den Wiesn – der Weißlacker Käse, hergestellt in Sonthofen. Etwa 12 Gramm der speziellen Käsesorte braucht man für eine Portion original Allgäuer Kässpatzen.

Zum Leidwesen vieler Allgäuer ist derzeit aber nicht ein einziges Gramm aufzutreiben. 

Der Grund: Der nach eigenen Angaben einzige Hersteller des Weißlackers, Arla Foods mit Sitz in Wangen, kann nicht liefern. Bei Arla Foods räumte man auf Anfrage des KREISBOTEN einen aktuellen Lieferengpass ein. Im „Bergbauern-Käsladen“ in Sonthofen ist diese Spezialität tatsächlich aktuell nicht erhältlich. In der Sennerei Hüttenberg, nicht weit von Sonthofen entfernt, wartet man ebenfalls schon auf die nächste Lieferung aus der Arla-Sennküche: Zur Zeit heißt es auch hier: Weißlacker? Fehlanzeige. Selbst im Kemptener Käsespezialgeschäft Geiger in der Innenstadt ist derzeit kein Weißlacker zu bekommen. „Dabei haben wir zur Zeit eine hohe Nachfrage“, so eine Mitarbeiterin. „Das ist schließlich eine Allgäuer Spezialität.“ 

Aber wo hakt es? Schuld an dem Engpass ist offenbar die Verpackung. Der einzige Weißlacker-Hersteller in der Region ist nach eigenen Angaben derzeit dabei, die Verpackung für den beliebten würzigen Käse zu optimieren, da es in der Vergangenheit mitunter Reklamationen von Kunden gegeben habe. Sobald dieses (interne) Problem behoben sei, würden die Lagerbestände wieder wie gewohnt ausgeliefert. Produziert werde der Weißlacker aber nach wie vor, betonte ein Arla-Sprecher. Etwa 50 bis 60 Tonnen betrage die Jahresproduktion. Kleiner Trost: Im Frühjahr könnten Käseliebhaber wieder „ihren Weißlacker“ genießen, gab man sich in der Wangener Konzernzentrale gegenüber dem KREISBOTEN optimistisch. 

Doch was macht den Weißlacker – 1874 von Josef und Anton Kramer in Wertach angeblich eher zufällig erfunden – eigentlich so besonders? „Das ist ein richtig intensiver Käse, ein Stinke-Käse auf gut Deutsch“, erklärt der Kemptener Szene-Koch Tobias Schlottmann. „Er schmilzt sehr schön und man braucht nur ein bisschen, um ein ausgezeichnetes Aroma zu bekommen – ein ganz, ganz spezielles Aroma.“ 

Dass der Käse aus Sonthofen „schmilzt wie Butter“, so Schlottmann, „macht die Kässpatzen so cremig“ und den Weißlacker so wichtig für das Allgäuer Leibgericht. Die Organisation Slow Food schwärmt gar, dass der Weißlacker dem „wahren Genießer ein auf der ganzen Welt einmaliges Geruchs- und Geschmackserlebnis“ beschere. In der heimischen Gastronomie bewertet man die Käse-Spezialität aus Sonthofen dagegen etwas zurückhaltender. Wegen der Schärfe nehme man grundsätzlich keinen Weißlacker für die Kässpatzen, hieß es vergangene Woche auf Nachfrage aus der Gaststätte „Zum Stift“ (Kempten). Stattdessen greife die Küche lieber auf den weniger starken Limburger zurück. Ähnliche Erfahrungen hat Alois Vogler vom Kemptener Restaurant „Schalander“ gemacht. Früher habe auch er Weißlacker für seine Kässpatzen genommen. Mittlerweile sei aber auch er auf andere Kässesorten umgestiegen, da der Weißlacker vielen einfach zu scharf sei. Trotzdem: Viele Allgäuer wollen baldmöglichst wieder ihren Weißlacker zurück.

Matthias Matz

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