Hilfe im Schutzwald

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Trotz Dauerregen guter Stimmung: Teilnehmer der Aktionswoche am Forstbetrieb Sonthofen.

Während einer Woche Dauerregen des Tiefs Alfred haben Mitglieder des Deutschen Alpenvereins zusammen mit den Bayerischen Staatsforsten am Forstbetrieb Sonthofen für den Erhalt und die Pflege des Bergschutzwaldes im Hintersteiner Tal bei Bad Hindelang gearbeitet.

Arno Bletzinger, Berufsjäger am Forstbetrieb Sonthofen, freut sich: „Für mich ist die in Hinterstein inzwischen jährlich durchgeführte Aktion eine große Hilfe!“. Denn damit der Bergwald seine vielfältigen Schutzfunktionen ausüben kann, müssen nicht nur junge Bäumchen gepflanzt und gepflegt werden. Sie müssen auch vor Verbiss durch zu hohe Wildbestände geschützt werden. Gibt es zu viele Rehe, Hirsche und Gemsen, werden viele von den aufwändig gepflanzten und gepflegten jungen Bäumchen verbissen, was all den großen Aufwand zur Entwicklung des Schutzwaldes wieder zunichtemachen kann. In Zeiten des Klimawandels mit stark zunehmenden Wetterextremen wird die Funktion des Schutzwalds für Mensch und Infrastruktur immer wichtiger.

Der Wald oberhalb von Straßen oder Ortschaften schützt beispielsweise vor Erdrutschen bei Starkregen. Das konnten die Teilnehmer der Aktion heuer am eigenen Leib erfahren: Das Dauerregentief Alfred, das während der kompletten Aktion von Montag bis Freitag für fast durchgehenden Regen sorgte, hat nicht nur die hohe Motivation der Teilnehmer auf die Probe gestellt, sondern auch den Bergwald. Extrem-Regenmengen von bis zu 100 l/m² und Tag musste der Bergwald im Hintersteiner Tal verkraften. Wie stark der Boden durch die extremen Wassermengen aufgeweicht wurde, erlebten die Teilnehmer bei ihrer Arbeit am eigenen Leib: Sie sanken teilweise bis zu den Knöcheln in den Waldboden ein. Ist hier der Waldboden nicht intakt, kommt es sehr schnell zu gefährlichen Erdrutschen. So ist dann auch ganz in der Nähe der Hütte, in welcher die Teilnehmer untergebracht waren, am Mittwoch eine mittelgroße Mure an einem Hang abgegangen, der nicht bewaldet ist. Eine Alphütte wurde nur deshalb vor der Mure verschont, weil sie auf einem kleinen vorgelagerten Hügel steht. Die Schutzfunktion des Bergwaldes wurde den Teilnehmern dadurch auf mulmige Art und Weise überdeutlich.

In der Aktionswoche haben die Teilnehmer Jungwald gepflegt, einen Steig instand gesetzt, Naturschutzwiesen gemäht, eine aufgelassene Alpfläche geschwendet, aber auch Berufsjäger Arno Bletzinger unterstützt durch Pflege von Jagdflächen und Renovieren von Hochsitzen. „Alleine könnte ich all die Arbeit, die hier von allen in einer Woche geleistet wird, unmöglich bewältigen,“ so Bletzinger. Die Anlage und Pflege von Jagdflächen erfordert im Bergwald besonderen Aufwand. Die steilen Hänge sind mit Maschinen nicht erreichbar. So ist einfache, aber mühsame Handarbeit gefragt. Besonderen Respekt hat der Berufsjäger vor der hohen Motivation der Teilnehmer. Sie leisten nicht nur diese beschwerliche Arbeit, sondern trotzen ganz nebenbei auch noch dem einwöchigen Dauerregen mit einem ununterbrochenen Lächeln auf den Lippen. Bletzinger weiter: „Die Aktionswoche ist jedes Jahr ein besonderes Ereignis. Aber einen solch positiven Geist wie heuer trotz schlechtesten Wetters habe ich noch nicht erlebt.“

Was aber bewegt die Teilnehmer zu ihrem beachtlichen ehrenamtlichen Engagement? Viele wollen etwas zurückgeben von dem Positiven, das sie im Leben erfahren haben, oder auch einfach nur von dem Glück, das sie auf Bergtouren erlebt haben. Andere wollen einen Beitrag leisten, ein bisschen die Welt verbessern, etwas für die Kinder und Enkelkinder tun. Oder auch einfach nur Aktiv-Urlaub machen. Für den Teilnehmer Martin Schwarze, der mit großen Wassermengen schon seine Erfahrungen gesammelt hat und ehrenamtlich auch schon Sandsäcke gestapelt und überflutete Häuser renoviert hat, scheint das alles das Selbstverständlichste auf der Welt zu sein. Diesmal war er aber konnte er an der Prävention mitarbeiten nach dem Motto: „Vorbeugen ist besser als heilen…“.

Die „Aktion Schutzwald“ ist eine Kooperation des Alpenvereins mit den Bayerischen Staatsforsten und der Bayerischen Forstverwaltung.

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