Nein zur Erdaushubdeponie in Hinang

Lärmbelastung, Gefahr von Überschwemmungen, keine freie Sicht mehr auf die Berge – die Anwohner in Hinang wehren sich gegen eine Erdaushubdeponie am Ortseingang.

„Keine Deponie für Aushub in Hinang!“ Mit einer Unterschriftensammlung und Plakaten wehren sich Anwohner gegen Pläne, am südlichen Ortseingang des Sonthofer Ortsteils Hinang eine Erdaushubdeponie einzurichten. Vor allem der Lärm sowie die Gefahr von Überschwemmungen sind den Anwohnern ein Dorn im Auge.

Laut den Plänen, die in einer Bürgerinformationsveranstaltung im Juli vorgestellt wurden, plant eine große Oberallgäuer Baufirma am südlichen Ortseingang von Hinang, nur rund 25 Meter vom nächsten Wohngebäude entfernt, eine große Deponie für Erdaushub. Auf einer Fläche von rund 2 Hektar soll das Gelände, gelegen zwischen einem eiszeitlichen Moränenhügel und der Kreisstraße OA4, mit etwa 45 000 Kubikmetern Erdaushub aufgeschüttet werden – und das auf einer Höhe von bis zu 8 Metern. Damit wäre der, von Einheimischen wie auch Touristen geliebte, freie Blick in die Oberstdorfer Berge versperrt. „Kommt die Deponie, dann wird der reizvolle Moränenhügel bergseitig komplett zugeschüttet und es entsteht eine erkennbar künstlich geschaffene Fläche. Die Aussicht auf den Allgäuer Hauptkamm schon beim Weg aus dem Dorf wird blockiert. Über Jahre herrscht auf der Fläche Großbaustellenatmos­phäre mit der Oberflächenansicht einer Kiesgrube. Der Erholungswert der Landschaft für alle und die Attraktivität des Dorfes für den Tourismus würde stark beschädigt“, heißt es hierzu auf der Homepage der Anwohner unter www.bergbau-hinang.de

8 Stunden Rasenmähen

Was in den Augen vieler Anwohner jedoch ein mindestens ebenso großes Ärgernis darstellt, ist die Lärmbelästigung während der Arbeiten. Nach Angaben der planenden Firma sollen über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren täglich im Schnitt 5 bis 6 große Lkw Erdaushub auf dem Gelände abladen, der dann mit Planierraupen verteilt wird – pro Jahr etwa 10 000 Kubikmeter. Erlaubt sind Arbeitszeiten von 6 bis 22 Uhr – wobei sich die Firma auf die Zeit von 7 bis 19 Uhr beschränken will. Zwar soll in dem Bereich, der weniger als 60 Meter von Wohnbebauung entfernt ist, der Betrieb der Raupe auf 2,5 Stunden pro Tag eingeschränkt werden, in den entfernteren Bereichen auf 8 Stunden pro Tag. Auch plant die Firma einen Lärmschutzwall. Jedoch würden sich die Baufahrzeuge auf Grund des ansteigenden Geländes zum Teil rund 10 Meter über den Köpfen der Anwohner bewegen, ein Schutzwall hätte also nicht nur kaum Nutzen, die Lärmbelästigung würde zudem auch entferntere Anwohner treffen.

Erlaubt wäre eine mittlere Lärmbelastung von 60 Dezibel. Das ist vergleichbar mit dem Geräusch eines Rasenmähers in 10 Metern Entfernung. Und das über mehrere Stunden pro Tag – konzentriertes Arbeiten, Entspannen, Abschalten ist bei diesen Werten nicht mehr möglich. In den Zeiten, in denen nahe der Wohnhäuser gearbeitet würde, läge die Lärmbelastung bei rund 66 Dezibel – ein Lärmpegel, bei dem das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen steigt.

Diese Lärmbelastungen über einen längeren Zeitraum hinweg sind nicht nur gesundheitsschädlich. In einer Gegend, die vom Tourismus lebt, sind sie auch schlecht für die Wirtschaft. Laut den Anwohnern gilt dieser Grenzwert zudem für Mischgebiete; in allgemeinen Wohngebieten gilt ein Grenzwert von 55 Dezibel, in reinen Wohngebieten von 50 Dezibel.

Nicht zu vergessen ist auch die Luftverschmutzung durch aufgewirbelten Staub.

Angst vor dem Wasser

Unter dem südlichen Dorfteil Hinangs verlaufen mehrere Rohrleitungen Richtung Dorfbach. Diese Rohrleitungen leiten nicht nur kleinere Bachläufe, sie nehmen auch die Niederschläge auf und leiten diese in den Dorfbach. Die Rohre haben lediglich einen geringen Durchmesser. In der Vergangenheit waren bei starken Niederschlägen sowohl die Rohrleitungen als auch die Einlässe in die Rohre durch die Wassermengen überlastet; Verstopfungen mit Schwemmmaterial verschärften die Situation noch. Wenn die Rohre die Wassermenge nicht mehr aufnehmen können, bahnt sich das Wasser unkontrolliert auf Straßen, Wegen und Wiesen seinen Weg durchs Dorf. Die Wiese, auf der die Erdaushubdeponie geplant ist, nimmt bei Regen große Wassermengen auf, in einer Mulde bildet sich bei starken Regenfällen ein kleiner Bachlauf, der in einem der Einlässe mündet.

Im Moment fällt die Wiese flach nach Norden hin ab. Die geplante Deponie würde einen steil abfallenden Hügel bilden. Die Anwohner befürchten dadurch eine verschärfte Überflutungsgefahr für das Dorf, auch durch Abrutschen von Teilen der Deponie und Erde, die vom Regen mitgerissen wird.

Thema: Naturschutz

Hoffnungen setzen die Anwohner nun vor allem in das jüngst geänderte Bayerische Naturschutzgesetz. Demnach ist es verboten, in der freien Natur „Bodensenken im Außenbereich [...] zu verfüllen“ (Art. 16, Abschnitt 4, in der Änderung zum 1. August 2019). „Freie Natur“ bedeutet in diesem Sinne „Flächen, die sich im Naturzustand befinden oder landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch kultiviert werden“. Ausnahmen für dieses Verbot sind nur möglich, wenn die Beeinträchtigungen ausgeglichen werden können oder wenn ein „überwiegendes öffentliches Interesse“ vorliegt.

In den Augen der Anwohner gäbe es wesentlich bessere Plätze, um eine solche Deponie zu betreiben. Die Planungen am Ortseingang Hinangs seien „brutal und rücksichtslos“, eine „extreme Belastung der Anwohner“, eine „monströse Veränderung ohne Gespür für den Erholungswert und die touristische Anziehungskraft der Landschaft“, heißt es auf ihrer Homepage.

Die Genehmigung für den Bau der Deponie muss durch das Landratsamt erfolgen. Ein Antrag dafür liegt bislang nicht vor.

Weitere Informationen zu den Bedenken der Anwohner und ein Link zur Petition gegen die Deponie gibt es unter www.bergbau-hinang.de

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