Klasse statt Masse: Hinterstein setzt auf Tourismus mit Qualitätssiegel

Sanfter Tourismus mit Mehrwert

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In Hinterstein stehen die Menschen schon hinter der Idee der „Bergsteigerdorfer“, wissen Ortssprecherin Daniela Weber (rechts) und Bürgermeister Adalbert Martin.

Hinterstein – Nachhaltiger Tourismus wird in Bad Hindelang schon lange groß geschrieben. Jetzt soll der „sanfte Tourismus“ im Ostrachtal im Bergdorf Hinterstein mit dem Projekt „Bergsteigerdörfer“ als Markenzeichen im Tourismus verankert werden.

Der Österreichische und Deutsche Alpenverein wollen das in Österreich schon bewährte Konzept ins Ostrachtal bringen und den nachhaltigen Tourismus fördern. 

Wenn alles glatt läuft, so die Initiatoren, könnte schon Mitte kommenden Jahres Hinterstein das erste „Bergsteigerdorf“ in Bayern sein. Staatliche Unterstützung sicherte jedenfalls Bayerns Wirtschaftsminister, Martin Zeil, bereits zu. 

„Neu erfinden“ braucht man den sogenannten sanften, nachhaltigen Tourismus in Bad Hindelang nicht. Bürgermeister Adalbert Martin tat sich dann nicht schwer, die Ostrachtaler Trumpfkarten zu spielen. „Die Idee wird bei uns schon lange verfolgt“, so Martin. Die Bewerbung bringe man daher sehr optimistisch auf den Weg. Dort, wo vor mehr als 100 Jahren die Vertreter des bayerischen Herrscherhauses Erholung suchten, sei man sich der langen touristischen Tradition bewusst. Im Prinzip sei alles schon da, was für den Erwerb des Prädikats „Bergsteigerdorf“ erforderlich sei. Eine intakte alpine Kulturlandschaft, weite Teile des Gemeindegebietes unter Schutzstatus, „alpine Kompetenz“ und lange Wander- und Bergsteigertradition, ein gutes Netz an Wander- und Alpinwegen, eine dörfliche Infrastruktur... Alles Dinge, die der strenge Kriterienkatalog voraussetzt. 

Martin: „Der sanfte Tourismus spielt seit jeher ein bedeutende Rolle im Ostrachtal.“ Nicht zuletzt mit dem Hindelanger Ökomodell und dem Projekt Bad Hindelang plus habe die Gemeinde schon viel Vorarbeit geleistet. Der Öffentliche Personennahverkehr werde gut angenommen. Eine Million Übernachtungen in der Gemeinde, dazu eine Million Tagesgäste führte Martin auf das Tourismuskonzept der Kommune zurück. Martin erinnert an die vielen Auszeichnungen, die Bad Hindelang bereits für seine Bemühungen und Aktivitäten erhalten habe, so etwa den Deutschen Umweltpreis. 

Und die Hintersteiner Ortssprecherin, Daniela Weber, brachte die Stimmung im Dorf auf den Punkt: „Das ist genau das Richtige für uns; genau das was wir wollen!“ Neu ist die Idee von den „Bergsteigerdörfern“ nicht. Zumindest nicht im benachbarten Österreich, wo es bereits 20 Ortschaften gibt, die ihr touristisches Konzept gezielt auf sanften Tourismus ausgerichtet haben, wie der Projektbeauftragte, Dr. Robert Kals vom Österreichischen Alpenverein ÖAV, erläutert. 

Man spreche 1,5 Millionen Menschen als Zielgruppe an, den Bergwanderer, den Bergsteiger. Klar sei, dass die „Bergsteigerdörfer“ ein klassisches Nischenangebot darstellten: „Da muss man überlegen, wie viele solche Dörfer es geben kann.“ Die Initiative setze gezielt auf eine nachhaltige, regionale Entwicklung und ein Gegengewicht gegen landschaftsintensive Tourismusformen. Das sieht auch Manfred Berger vom Deutschen Alpenverein DAV so. Der Verband wolle Entwicklungen unterstützen, die intakte Natur und Landschaft in den Mittelpunkt stellen. „Ein weiterer Ausbau der technischen Infrastruktur ist aus unserer Sicht keine Lösung“, betont Berger mit Blick auf zukünftige Schwerpunkte beim Tourismus. 

Die Idee der „Bergsteigerdörfer“ werde beim DAV sehr positiv beurteilt. Und Bayerns Wirtschaftsminister, Martin Zeil, der zur Projektvorstellung ins Ostrachtal gekommen war, verspricht sich vom Projekt „Bergsteigerdörfer“ einen „neuen Impuls, der das Wanderland Bayern stärken kann“. Zeil ist überzeugt: „Hinterstein ist in besonderer Weise als Pilotprojekt sehr gut geeignet.“ 

Der Staatsminister ist optimistisch, dass sein Ministerium das Projekt im Rahmen der Tourismuskampagne begleiten wird. Man müsse nur beizeiten entsprechende Möglichkeiten ausloten und Anträge auf den Weg bringen. Zeil denkt auch an die EU-Förderung für die Entwicklung des ländlichen Raums. „Geschenkt“ gibt es die Auszeichnung „Bergsteigerdörfer“ allerdings nicht. Die Markenrechte liegen beim ÖAV, der aktuelle eine Kooperation mit dem italienischen Schwesterverein vereinbart. Mit dem DAV soll es bald ebenfalls ernst werden beim Export des Projektes nach Bayern. Rund 50 000 Euro veranschlagt man beim Alpenverein für den Einstieg in das Projekt.

Josef Gutsmiedl

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