Mit dem "Weißen Gold" über die Obere Salzstraße

Salzzug mit "Rödler"-Halbe

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Bis ins 19. Jahrhundert beförderten „Rödler“ das wertvolle Salz aus den Tiroler Salzbergwerken auf festgelegten Routen durch das Land. Eine dieser Salzstraßen, die Obere Salzstraße, führte von Tirol entlang der Berge über den Jochpass und Hindelang, Immenstadt und Oberstaufen weiter zum Bodensee

Mit dem „Historischen Salzzug“ wurde jetzt anlässlich der 1150-Jahrfeier Oberstaufens an die große Zeit der Rödler und Salzfuhrleute erinnert. Mit mehreren Fuhrwerken, Kutschen und Reitergruppen demonstrierten rund 100 Freiwillige bei perfektem Sommerwetter auf der Etappe von Immenstadt nach Simmerberg, wie vor zwei Jahrhunderten das damals kostbare Gut Salz und andere Waren über weite Strecken transportiert wurden.

Knapp drei Stunden brauchte der „Konvoi“ aus beladenen Gespannen, einigen Reisekutschen und etlichen Fuß- und Reitergruppen für die rund zehn Kilometer lange Strecke von der ehemaligen Residenzstadt Immenstadt bis nach Thalkirchdorf, früher eine Station für den Pferdewechsel. „Wir hätten es auch in anderthalb Stunden geschafft“, meint Raphael Schaidnagel, der zusammen mit Johannes Appelt einen imposanten Vierspänner fuhr.

Nicht ganz glücklich war ein anderer Rödler mit seiner Ladung: „Leere Bierfässer sollte man gar nicht aufladen...“ Immer wieder waren die leeren Holzfässer auf dem Wagen verrutscht und konnten die nötige Laufruhe des Fuhrwerkes nicht recht herstellen. Volle Bierfässer seien in jeder Hinsicht besser, meinte er. Allerdings dürfte es seinem Kollegen von 200 Jahren wohl kaum besser ergangen sein, zumal die Obere Salzstraße damals wie alle Routen ungeteert war und nicht viel mehr als ein beserer Feldweg.

Der letzte „Historische Salzzug“ nach der Erstauflage im Jahr 1995 wurde 2013 auf den Weg gebracht. Damals waren es rund 60 „Schauspieler“ und 44 Pferde, sowie jeweils fünf historische Fuhrwerke und Kutschen. Diesmal war die „Truppe“ fast doppelt so stark, die sich in Immenstadt auf den Weg nach Simmerberg machte. Nach einer Rundfahrt durch Immenstadt, einst wichtiger Lager- und Umschlagplatz für das Tiroler Salz, ging es entlang des Großen Alpsees Richtung Thalkirchdorf.

In dem Oberstaufner Ortsteil wurde dem Zug ein prächtiger Empfang geboten mit einem zünftigen Fest. Sämtliche Gruppen, Kutschen und Fuhrwerke wurden dem Publikum vorgestellt und viele Feinheiten der „Rodfuhr“ erläutert. Eine Simmerberger Brauerei hatte eigens für das Spektakel der Rodfuhr ein spezielles „Rödler“-Bier eingebraut.

Nach der ersten Pause für Ross und Mensch ging es am frühen Nachmittag weiter zum nächsten „Niederlagsort“ Oberstaufen. Dort stieg beim Heimat­haus „Beim Strumpfar“ ein kleines Rodfuhr-Fest, bevor es am nächsten Tag auf die zweite Etappe ging: Endziel Simmerberg, der einzige Salzumschlagplatz zwischen Immenstadt und Bodensee.

Die Tagesetappen auf der Salzstraße waren früher genauso exakt in der „Rodordnung“ festgelegt wie das Gewicht der Ladung oder der Zeitpunkt des Eintreffens an der nächsten Station, wie zum Beispiel die Salzstädel in Immenstadt oder Simmerberg. Verstöße wurden hart bestraft. Diese Ordnungen wurden bis ins 18. Jahrhundert hinein immer wieder erneuert und fortgeschrieben. Auf der Oberen Salzstraße mussten die Gespanne auch Bergpässe überwinden, und der Transport war nur zwischen Ostern und November möglich.

Das kostbare Salz wurde in jener Zeit nicht nur als Würzmittel für Speisen benötigt. Vor allem zur Haltbarmachung von Lebensmitteln wie Fisch und Fleisch benötigte man Salz, aber nicht zuletzt auch für die Käseherstellung in der benachbarten Schweiz. Als Anfang des 19. Jahrhunderts neue Handelswege entstanden, kam das Rodfuhrwesen im Allgäu zum Erliegen.

gts

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